Die künstlerische Leiterin von Esch 2022, Janina Strötgen, und der Generalkoordinator Andreas Wagner sind in den vergangenen Wochen erneut durch sämtliche Südregionen getourt. Eine vorläufige Bilanz wird am Mittwoch auf einer großen Versammlung im Escher Theater gezogen.

Am Mittwochabend findet im Escher Stadttheater eine große Veranstaltung statt, auf der die künstlerische Leiterin Janina Strötgen und der Generalkoordinator Andreas Wagner sämtliche Gemeinderäte noch einmal über das Projekt Europäische Kulturhauptstadt 2022 (ECoC) informieren werden. Auch die Mitglieder des Verwaltungsrats werden anwesend sein und die Fragen der Lokalpolitiker beantworten.

Kurz nachdem der Jubel über die politischen Wechsel bei den Gemeindewahlen und anschließend auch noch über die Vergabe des ECoC-Labels an Esch und die Südregion verklungen war, stellten die Vertreter der neuen politischen Mehrheiten im Süden die Arbeit der beiden Koordinatoren infrage. Obwohl ihr Bidbook die internationale Jury überzeugt hatte, wurde damit gedroht, ihre Stellen neu auszuschreiben.

“Die Zeit drängt”

Nach einer wochenlangen Polemik und einigen Protesten beschloss der Verwaltungsrat der Esch 2022 asbl., Strötgen und Wagner einen auf sechs Monate befristeten Vertrag anzubieten, den sie nach anfänglichem Zögern auch annahmen. Die Bedingung für die vorübergehende Vertragsverlängerung war, dass sie eine weitere Tour durch alle elf Pro-Sud-Gemeinden machen, um den Vertretern das Bidbook zu erklären. Diese Tour haben sie nun vergangene Woche beendet. Sie sei gut gelaufen, erklärten die beiden Koordinatoren am vergangenen Freitag im Gespräch mit dem Tageblatt. Alle Gemeinden seien mit an Bord. “Außer Käerjeng, Käerjeng wackelt”, sagte Strötgen. Doch die meisten anderen Bürgermeister seien von dem Projekt sehr angetan gewesen.

Mittlerweile sei man schon fast bei der Projektentwicklung in den einzelnen Gemeinden angekommen. Viele “Projets phares” würden bereits stehen. Vor allem in Differdingen, Düdelingen, Petingen und Bettemburg laufe viel. “Bettemburg wird Literaturhauptstadt”, meinte Strötgen. Dort werde seit Jahren viel in diesem Kulturbereich getan. Und Petingen habe als Hauptthema die Verkleidung gewählt, meinte Wagner. Wegen der Kavalkade. In Petingen funktioniere die Integration eben durch die Kavalkade. Sanem habe sich hingegen der Gartenkultur verschrieben.

Und in Differdingen und Düdelingen werde eh schon sehr viel Eigenes entwickelt. Nur in Esch sei es noch etwas schwieriger, weil nicht alle an einem Strang ziehen. Das Konzept beinhalte einen “Spagat”, erläuterte Wagner. Zwischen dem, was in der Gemeinde schon gewachsen ist, und der Umsetzung des Remix-Culture-Konzepts auf dieser Grundlage.
Doch die Zeit drängt, betonen die Koordinatoren. Das Programm müsse in großen Zügen bis Ende 2019 stehen. Sonst sei es zu spät, um damit auf den Tourismusmessen zu werben, und es könne passieren, dass man langfristig in eine “schiefe Situation” komme, meinte Wagner.

Große Projekte wie das von Ai Weiwei oder der Fondation Dubuffet bräuchten Zeit und Planungssicherheit. “Man kann nicht ein Jahr vorher dahin kommen und sagen, jetzt sind wir so weit. Die haben ihren Namen gegeben und schon konzeptuell an dem Projekt, das im Bidbook steht, gearbeitet.” Mischa Kuball habe schon Modelle entworfen und Pol Cruchten schreibe mit Frank Feitler an der zweiten Fassung ihres Drehbuchs für den Film “Punk”.

Uni und Unesco

Mit der Uni Luxemburg haben die beiden Koordinatoren kürzlich eine Konvention vereinbart: Sechs Doktorandenstellen werden geschaffen. Die Forscher sollen ab September spezifisch für Esch 2022 über Industriekultur und Migration arbeiten. Sie sollen Material sammeln, das später künstlerisch umgesetzt werden kann.

Auch die Zusammenarbeit mit der Unesco im Rahmen des “Man and Biosphere”-Programms begrüßen die Koordinatoren. Einer helfe dem anderen. Man wolle zusammen eine Kartografie darüber erstellen, was es im Süden gibt und was genutzt werden kann.

Es gehe um Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven, betonte Wagner. Das Unesco-Label könne Schlimmstes verhindern. Zum Beispiel, dass nur noch seelenlose Wohnresidenzen und Shopping Malls gebaut werden. Zugleich könne es andere Sektoren wie Tourismus, Archäologie, Geologie und Ökologie ankurbeln. Im Süden Luxemburgs habe man das seltene Glück, Natur und Industriekultur an einem Fleck zu finden.

Hier geht es zum Interview mit dem Escher Bürgermeister Georges Mischo.

1 Kommentar

  1. Hmm, wier et net besser mol d’Uelzechststrooss an d’Reih ze man, amplaatz an der Kultur wëlle mat de groussen Hënn pissen ze goën? Wann een wierklech well eppes fir dat kulturellt Ierwen vun Esch an der Südregioun man, hätt ee besser d’Ronn Bréck neess opzeriichten amplaatz ze iwwerleeën och nach d’Gebléishal um Belval ofzerappen. Fir déck Payen vun Kulturbeamten déi net ze erreechen sinn, si Souen do, awer fir d’Ronn Bréck ze erhalen war kee grénge Wak do.

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