Nur eine Woche nach den 24 Stunden von Le Mans findet am Nürburgring am 22. und 23. Juni das gleichlange Rennen für GT-Fahrzeuge statt. Neben Steve Jans sind noch eine ganz Reihe Luxemburger am Start zur 24-Stunden-Hatz auf der Nordschleife.

Carlos Rivas auf Porsche Carrera, Yann Munhowen und Charles Oakes auf Porsche Cayman, Daniel Bohr auf KTM X-Bow, Alain Pier auf BMW M240i und Mike Schmit auf Opel Astra sind neben Steve Jans die angesprochenen Luxemburger Exporte.

Letzterer, ein langjähriger Nordschleifen-Routinier, fährt in diesem Jahr das 24-Stunden-Rennen auf einem Porsche 911 des Ring-Police-Teams. In der VLN (Langstreckenmeisterschaft) geht er in einem Audi R8 LMS des bestbekannten Phoenix-Teams von Ernst Moser an den Start.

Phoenix gilt als eines der Audi-werksunterstützten Teams in den verschiedenen Sparten des Motorsports und war mehrfach Sieger beim 24-Stunden-Rennen am Ring, in Spa Francorchamps sowie DTM-Champion mit Martin Tomczyk und Mike Rockenfeller. Es ist schon lange her, dass ein Luxemburger zuletzt bei einem international so erfolgreichen Team am Start war.

Was bedeutet es Ihnen, in einem Team wie Phoenix an den Start zu gehen?
Ich bin sehr stolz, offizieller Fahrer vom Team Phoenix zu sein. Das Team hatte sich im Dezember letzten Jahres bei mir gemeldet und um einen Termin gebeten. Ich war sehr überrascht. Phoenix Racing hat in den letzten 20 Jahren in Europa so ziemlich alles gewonnen. Bei dem Termin war ich daher auch sehr nervös. Ich hatte aber von Anfang an ein sehr gutes Gefühl und irgendwie waren wir uns auf Anhieb sehr sympathisch. Diesen Eindruck kann ich jetzt nach ein paar Rennen nur bestätigen.

Was können Sie nach dem ersten VLN-Rennen im neuen Team berichten?
Das Team arbeitet sehr professionell, sowohl Mechaniker als auch Ingenieure sind alle perfekt aufeinander eingespielt. Jeder weiß ganz genau, was zu tun ist. Es herrscht überhaupt keine Hektik, auch wenn bei uns Fahrern durch unvorhersehbare Situationen im Rennen mal Stress aufkommt, das Team steht fest hinter dir.

Wo liegen die Unterschiede zu Ihren bisherigen Teams Black Falcon (BMW und Mercedes) und Getspeed (Porsche)?
Ich hatte bei Black Falcon und auch bei Getspeed eine sehr gute Zeit, gemeinsam konnten wir viele Erfolge feiern und habe deshalb auch viele schöne Erinnerungen. Die letzten fünf Jahre war ich bei Getspeed. Das Team hatte bei meinem Wechsel gerade eben eine halbe Saison seit Firmengründung bestritten. Wenn man sieht, wo Getspeed heute steht, kann man nur den Hut ziehen. Einer der Hauptunterschiede bei Phoenix ist aber sicherlich die sehr enge Zusammenarbeit und die Verbindung zum Hersteller Audi. Es ist sozusagen Werkssport, und das merkt man an sehr vielen kleinen Details.

Wie vergleichen Sie Ihre bisherigen VLN-Autos: BMW Z4, BMW M3, Mercedes-AMG, Porsche 911 und letztlich ihren Audi R8?
Das ist ein sehr schwieriger Vergleich. Ich betreibe mittlerweile seit 2011 professionell Motorsport und natürlich haben sich die Autos permanent weiterentwickelt und sind somit auch schneller geworden. Ich fahre nun schon die dritte Generation eines GT3-Autos. Auch wenn ich jahrelang sehr viel Porsche gefahren bin und dieses Auto sehr gut zu meinem Fahrstil gepasst hat, bin ich doch überrascht, wie schnell mir der Wechsel zum Audi gelungen ist. Ich fühle mich sehr wohl im Audi R8 und hoffe, dass ich gemeinsam mit Phoenix viele Erfolge einfahren kann.

Welche Ziele streben Sie an?
Ich habe bereits einen zweiten und einen dritten Gesamtrang bei einem VLN-Rennen erzielt. Es ist also ganz klar mein Ziel, jetzt mit Phoenix Racing einen Gesamtsieg einzufahren. Ich denke auf jeden Fall, dass wir das Potenzial dazu haben. Das Niveau ist extrem hoch, das Starterfeld ist vor allem im GT3-Bereich sehr stark besetzt. Es gewinnt eigentlich immer ein anderes Auto die einzelnen VLN-Läufe, es gibt also kein Team, das die Meisterschaft dominiert. Man braucht natürlich auch das nötige Glück im Rennen, es muss einfach alles zusammenpassen.

Wie kommt es, dass Sie die 24 Stunden Nürburgring nicht bei Phoenix, sondern bei Ring Police auf einem Porsche 911 fahren?
Ich hatte eigentlich nicht vor, in dieser Saison das 24-Stunden-Rennen zu bestreiten, da dieser Wettbewerb sehr viel Zeit in Anspruch nimmt – eine Woche, um genau zu sein. Da ich ja gemeinsam mit meinem Bruder ein Familienunternehmen leite und mein Beruf höchste Priorität hat, wollte ich aus Zeitgründen eigentlich nicht fahren. Mein Freund Jan-Erik Slooten von Ring Police hat aber keine Ruhe gegeben. Er wollte mich unbedingt im Auto haben und irgendwann hat er mich dann doch rumgekriegt.

Sie fahren zum zweiten Mal das 24-Stunden-Rennen mit Lucas Luhr zusammen. Wie fühlt man sich neben so einem erfolgreichen Teamkollegen, der immerhin mehrfacher American-LeMans-Series-Champion, GT1-Champion und mehrfacher Gesamtsieger der 24 Stunden am Nürburgring und Spa war?
Lucas Luhr und Jan Erik Slooten sind schon vergangenes Jahr zusammen mit mir das 24-Stunden-Rennen gefahren (bei Getspeed). Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und mittlerweile ist eine Freundschaft entstanden. Lucas Luhr ist nach wie vor einer der besten GT-Piloten weltweit. Natürlich bin ich stolz, diese Rennen an seiner Seite zu bestreiten. Jeder im Team profitiert von seiner enormen Erfahrung. Außerdem ist Lucas für mich einer der letzten Charaktertypen im Motorsport. Er äußert klar seine Meinung, auch wenn das nicht immer positiv bei den Herstellern ankommt.

Haben Sie neben den Rennen in der „Grünen Hölle“ noch andere Events geplant?
Es gab die eine oder andere Anfrage für verschiedene Langstreckenrennen, wie z.B. die 24 Stunden von Spa. Ich habe bis jetzt immer abgelehnt, da ich wie gesagt beruflich sehr eingeschränkt bin. Motorsport ist für mich ein perfekter Ausgleich, der mir extrem viel Spaß macht. Ich konzentriere mich aber lieber auf die VLN. Sowohl das Team Phoenix als auch ich haben uns viel vorgenommen und wir möchten diese Ziele auch erreichen.

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