Auf dem Gelände hinter den Fußballplätzen in Mondorf, dem “Gréimelter”, ist bisher nicht viel los. Nur Wiesen, Felder und ein paar Sträucher gibt es dort – und die Saarautobahn liegt direkt daneben. Doch die Gemeinde und der Staat haben in den nächsten Jahren viel vor am Rand des Thermalstädtchens: Ein Lyzeum und ein Sportkomplex mit Velodrom, Multisporthalle und Schwimmbad sollen hier aus dem Boden wachsen.

Auf die Ausschreibung für den Sportkomplex im April hatten sich 25 Architektenbüros gemeldet, vier davon wurden berücksichtigt. Seit Freitag steht der Gewinner fest: Metaform-Mecanoo konnte die Jury von sich überzeugen. “Wir waren uns einig, dass dieses Projekt das Rennen macht”, sagt Lex Delles (DP), Bürgermeister von Mondorf und Jurymitglied. Besonders wie sich der Gebäudekomplex in die Natur eingliedert, hat die Jury begeistert und ließ auch am Freitag viele staunen. Weil das Gelände, auf dem der Komplex entstehen wird, etwas höher gelegen ist, wird der überschüssige Boden genutzt, um ein begrüntes Dach anzulegen. Das Velodrom ist der einzige Teil, der aus der Natur herausragt. Ein großes Schwimmbad entsteht im Inneren der Multisporthalle und Bad Mondorf erhält endlich sein lang wiederersehntes Freibad.

Delles spricht von einem historischen Projekt: “Noch nie hatte die Gemeinde als Bauherr ein Projekt solch großen Ausmaßes”, sagt er sichtlich stolz. Das Projekt sei einzig und alleine dadurch möglich, dass viele verschiedene Instanzen an einem Strang ziehen. Maximale Synergien wurden durch die Zusammenarbeit von Gemeinde, Sport-, Bildungs- und Tourismusministerium sowie auch der FSCL erzielt.

Ein Wahrzeichen für Mondorf

Für Nuno Gonçalves Fontarra, Peter Haasbroek und Shahram Agaajani, Architekten bei Metaform-Mecanoo, war es das Wichtigste, ein Wahrzeichen für Mondorf zu schaffen. “Gleichzeitig wollten wir aber auch, dass das Ganze gut ins Ortsbild passt. Es sollte sich in die Natur einfügen”, so Nuno Gonçalves Fontarra zum Tageblatt. Nicht nur für die Bewohner des wachsenden Kurstädtchens, sondern auch für die Architekten ist das Velodrom mit dem dazugehörigen Sportkomplex eine große Sache: “Es ist tatsächlich einer der größten Komplexe, die wir je gebaut haben werden”, geben Fontarra und Haasbroek zu. Beide arbeiten für das holländische Architektenbüro Mecanoo und kooperieren für das Velodrom mit dem Luxemburger Büro Metaform und dessen Architekten Shahram Agaajani.
Camille Dahm, Präsident des Radsportverbandes, ist optimistisch, dass nun endlich alles gut wird: “Ich freue mich schon darauf, die erste Runde im Velodrom drehen zu können”, strahlt er und hofft, dann noch als FSCL-Präsident das Trikolorebändchen durchschneiden zu können.


Ausgestellt

Die Pläne von Metaform-Mecanoo sowie die der drei anderen Architektenbüros sind vom 25. September bis 12. Oktober im “Bierger- a Kulturhaus” der Gemeinde Mondorf ausgestellt.


Zeitleiste

1951: Das Velodrom in Belair wird abgerissen.
2006: Der ehemalige Premierminister Jean-Claude Juncker redet erstmals davon, ein neues Velodrom in Luxemburg bauen zu wollen.
2007: Am Cessinger Stade Boy Konen soll eine Bahn mit Zeltdach entstehen. Der damalige Sportminister Jeannot Krecké (LSAP) sieht keinen alternativen Standort.
2008: Die Zeltdachkonstruktion wird verworfen. Für ein komplett geschlossenes Velodrom müsste die Bahn aber verschoben werden. Neue Bodenanalysen werden nötig und es heißt abwarten.
2009: Das Velodrom in Cessingen soll eigentlich bis 2012 bezugsfertig sein. Doch Bodenanalysen fallen kritisch aus und das Projekt verzögert sich weiter.
2010: Jean-Claude Juncker legt das Projekt aufgrund der schwierigen finanziellen Situation des Landes bis 2013 auf Eis. Im gleichen Jahr zeigt die Bürgermeisterin von Mondorf, Maggy Nagel (DP), Interesse an der Radrennbahn.
April 2018: Das Projekt des Velodroms in Mondorf wird vorgestellt.
September 2018: Der Gewinner des Architektenwettbewerbs wird bekannt gegeben, die Pläne werden präsentiert.
(Wenn alles nach Plan läuft:)
2019: Ausarbeitung des PAP
2021: Der erste Spatenstich
2023: Die Radfahrer können ihre ersten Runden drehen.


Finanzierung

Insgesamt kostet der Sportkomplex, bestehend aus Velodrom, Schwimmbad und Sporthallen, voraussichtlich 65 Millionen Euro.

Das Sportministerium zahlt den Teil des Velodroms zu 70 Prozent. Die übrigen 30 Prozent übernimmt die Gemeinde Mondorf. Für den restlichen Sportkomplex übernimmt das Sportministerium 50 Prozent. Weil hier auch Nutzfläche für das angrenzende Lyzeum sowie eine “Brasserie” und Geschäfte entstehen werden, beteiligen sich auch das Bildungs- und das Tourismusministerium an den Ausgaben. Die restlichen Kosten entfallen auf die Gemeinde.

Die Finanzierung läuft zum einem über den achten Fünfjahresplan für Sportstätten, in dem das Velodrom zum ersten Mal vorgesehen war. Der restliche Teil der Finanzierung steht im aktuellen (elften) Fünfjahresplan und ist auch im kommenden vorgesehen.

7 Kommentare

  1. Daat sin ërem Steiergelder zur Fenster erausgeheit,
    ësou eppes brauch Mondorf guer nëtt,besser wär een
    Altersheim dohinner ze bauen, a plaatz een politescht Denkmal.
    Alt ërem Zoubetonnéierung vun Hektaren Natur, ësou wéi
    neierdengs daat zou Mondorf üblech ass.
    Een Projet deen duerno esou wiesou den Budget iwerschreit
    an mat der Maintenance an d’Schlidderen könnt.
    Pure Wahnsinn an Arroganz vun Gemengepolitiker.
    Nëtt esou mat de Bierger emgoen, den Oktober ass nëtt méi weit ewech.

  2. Ech zitieren; “Das Sportministerium zahlt den Teil des Velodroms zu 70 Prozent. Die übrigen 30 Prozent übernimmt die Gemeinde Mondorf. Für den restlichen Sportkomplex übernimmt das Sportministerium 50 Prozent.”
    Fier wie blöd haalen d’Politiker eigentlech hier Wiehler ? Mär bezouhlen deen ganzen Kabes, an vierun allem d’Rentner, well den gros vun eis huett keen Interessen dodrunn. Rebelotte zum Fussballstadion, grad 1x epuer Dausend Spectateuren ginn kucken, daat sinn, wann et hiech kënnt 1-1,5% vun den Anwounner. Beim Velodrom sinn ett wahrscheinlech nach vill manner.

  3. Ich bezweifle stark, dass sich nach einem ersten vorwitzigen Vorbeischauen , jemals mehr als ein halbes Dutzend Aktive am Tag dahin verirren.

    Bahnrennen ist ein absoluter Aussenseitersport , vor dem ich grossen Respekt habe, aber es gibt hier nicht genug Interessenten um solch eine Investition zu rechtfertigen.

  4. Zu Nidderkuer si mir als Bouwen nach um Velodrom gefuer, do ass d’Gras aus dem Beton gewues an heiansdo sin d’Raten aus de Weiheren driwer gelaaf. Do war nach eppes lass.

  5. Da loosse mer alt hoffen, dass mat deem Superstadion an deem bombastesche Velodrom an allem Drëm an Drun , déi entspriechend sportlech Leeschtungen nët ausbleiwen.

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