Die Nerven liegen bei Pendlern aus Trier derzeit blank. Zwar sind Verkehrsprobleme in der Region nichts Neues, aber die aktuelle Teilsperrung der “Bitburger” (B 51) sorgt für Unverständnis und Wut in den sozialen Netzwerken. Die Zubringerstraße zur Luxemburg-Autobahn A64 ist seit dem vergangenen Montag einspurig und nur aus einer Richtung befahrbar – aus Trier kommend ist die Strecke sechs Wochen lang gesperrt.

Neben dem unglücklichen Timing steht vor allem die desaströse Kommunikation im Kreuzfeuer der Kritik. Und bald könnte sich das Problem noch weiter verschärfen.

Zugfahren momentan keine Alternative

Welche Auswirkungen eine Baustelle auf der B 51 auf den Verkehr nach Luxemburg hat, wissen die Trierer aus leidvoller Erfahrung. Wer als Autofahrer da nicht mitmachen und ausnahmsweise den Zug nehmen will, erlebt aber eine weitere böse Überraschung. Aufgrund von Gleisarbeiten zwischen Oetringen und Wasserbillig fahren die Züge zwischen Trier und der Luxemburger Hauptstadt nämlich momentan nicht. Es ist ein Schienenersatzverkehr per Bus (► LINK) eingerichtet. Ab dem 26. August wurden vom Unternehmen Emile Weber verschiedene Ersatz-Buslinien zur Verfügung gestellt: Eine Überland-Linie bedient von Trier kommend kleine Gemeinden (Igel, Konz, Wasserbillig, Wecker, Munsbach) und endet in Oetringen, von wo aus Luxemburg-Stadt mit dem Zug erreicht werden kann. Wesentlich weniger stressig war für Pendler allerdings die Direktverbindung von Trier nach Luxemburg-Stadt.

Eine Woche lang funktionierte diese Verbindung leidlich gut. Dann folgte jedoch die Sperrung der Bitburger durch den Landesbetrieb Mobilität (LBM). Diese Behörde unterhält sämtliche Straßen in Rheinland-Pfalz, die keiner Gemeinde gehören – also über Land führen. “Von der B-51-Sperrung ist der Schienenersatzverkehr ja nicht direkt betroffen”, erklärt ein Sprecher des LBM dem Tageblatt auf Nachfrage, auch wenn “uns die genaue Fahrtroute des Schnellbusses zwischen Trier und Luxemburg nicht bekannt ist”. Dumm nur: Genau diese Route führte bislang über die Autobahn und die gesperrte B 51.

Eine Behinderung gleich zweier Anreisemöglichkeiten – hätte man das nicht besser absprechen können? Dazu erklärte der LBM knapp: “Unter Berücksichtigung des öffentlichen Personennahverkehrs wurde der Beginn der halbseitigen Sperrung einvernehmlich auf den 4. September festgelegt. Vertreter von Voyages Emile Weber waren an unseren Gesprächen beteiligt.” Das Busunternehmen bezeichnet sich allerdings auf Nachfrage als “nicht zuständig” und verweist auf die CFL. Eine Auskunft gibt es aber auch dort nicht – die zuständige Person sei momentan nicht da.

Fehlende Kommunikation

Es ist nicht der einzige Fall misslungener Kommunikation. Wie der Trierische Volksfreund berichtet, erfuhr der Baudezernent der Stadt, Andreas Ludwig, von der Sperrung selbst nur aus der Zeitung. Und laut Benno Skupsch, Vizechef des Trierer Einzelhandelsverbands “City-Initiative”, wurden auch die Trierer Geschäfte von der Sperrung überrumpelt. Jetzt sei es zu spät, einen Shuttle-Service einzurichten, um die kaufkräftigen Kunden aus Luxemburg und dem Umland in die Moselmetropole zu kutschieren, teilte er dem Volksfreund mit. Ob diese Besucher nun den langen Umweg für eine entspannte Shopping-Tour auf sich nehmen werden, ist fraglich.

Der LBM hat für solche Einwände wenig Verständnis – die Pläne für die Baumaßnahmen an der B 51 existieren nämlich schon seit 2016. Noch nicht ganz so lange ist allerdings bekannt, dass wegen der Arbeiten eine Fahrbahn gesperrt werden muss. Das wurde vom LBM mit Schutz für die Bauarbeiter begründet, die ohne diese Sperrung keinen ausreichenden Sicherheitsabstand zu den vorbeifahrenden Autos hätten halten können. Ärgerlich für die Autofahrer, aber verständlich – anders als die plötzliche Vorverlegung der Sperrung um zwei Wochen, die erst zehn Tage vor Beginn am 4. September beschlossen wurde. Davor war eigentlich der 19. September als Starttermin angesetzt.

Angesprochen auf diese – vor allem im Hinblick auf den momentan laufenden Schienenersatzverkehr – unglückliche Planänderung rechtfertigt sich der LBM mit erst kürzlich erkannten “Schäden am Abschlussprofil” der Straße. Diese müssten zeitnah beseitigt werden, da ansonsten die Baumaßnahmen ins Stocken geraten wären.

Stau und kein Ende in Sicht

Die von der plötzlichen Sperrung überraschten Pendler wird das wohl nicht überzeugen. Diese sind bereits nach drei Tagen mit ihren Nerven am Ende. Vor allem die ausgeschilderte Umleitung über die A 602 und die Moselbrücke Ehrang stößt auf Unverständnis. Nicht nur staut sich ab der einspurigen Biewerbachtalbrücke der Verkehr kilometerlang, es handelt sich auch noch um einen Umweg von 18 Kilometern. Ortskundige wählen wohl eher den Weg über Konz oder Igel – aber dort bahnt sich bereits ein weiteres Verkehrsdesaster an.

Denn ungeachtet der bereits bestehenden Sperrung Richtung Luxemburg plant der LBM hier schon die nächste Baustelle. Zwischen Trier-Zewen und Igel soll die B 49 auf zwei Kilometern Länge saniert werden. Gebaut werden soll nacheinander in verschiedenen Abschnitten mit je 500 Metern Länge. In dieser Zeit soll der Verkehr über eine einseitige Straßenführung mittels Ampelschaltung geleitet werden. Der genaue Baubeginn scheint noch nicht festzustehen – auf Nachfrage erklärte der LBM lediglich, die “verkehrsärmere Zeit während den Herbstferien” ausnutzen zu wollen. In Rheinland-Pfalz dauern diese vom 2. bis 10. Oktober. Insgesamt soll die Baustelle aber drei Monate bestehen.

Damit fiele auch die zweite der vier hochfrequentierten Routen nach Luxemburg weg – eine Katastrophe für die gut 20.000 Pendler aus der Region, von denen viele ihrem Ärger bei Facebook Luft machen. Vor allem der augenscheinlich gute Zustand der Straße sorgt für Gesprächsstoff. Ist hier eine Sanierung wirklich nötig? Das können wohl nur Experten beurteilen. Sicher ist allerdings, dass eine Störung auf gleich zwei Hauptrouten den Verkehr an den Rande des Kollaps bringen könnte.

“Wir haben zwar offene Grenzen, aber auf diese Weise entsteht doch wieder eine neue Hürde”, kommentiert Ralf Britten, Präsident der deutsch-luxemburgischen Wirtschaftsinitiative DLWI, die Gesamtsituation. Er bezeichnet das Handeln der LBM als “Unmöglichkeit” und ein “Eingriff in die Wirtschaft”, die in der Großregion nun mal von den vielen Pendlern getragen wird. “Das hätte man auf jeden Fall besser koordinieren müssen.” Dabei stimmt er mit Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg, überein, für den die jetzigen Schwierigkeiten einen “Beleg für die prekäre Verkehrssituation und bestehenden Infrastrukturprobleme” darstellen.

Einsichtig ohne Chance auf Besserung

Ironischerweise findet auch der LBM die parallelen Baustellen problematisch. “Es ist uns bewusst, dass alle Pendlerstrecken nach Luxemburg hoch belastet sind”, teilt die Straßenbehörde dem Tageblatt mit. Die Baustelle Zewen-Igel zu verschieben, bis wenigstens die Arbeiten an der Bitburger beendet sind, käme dennoch nicht in Betracht: Dann würden sich die Arbeiten bis in den Winter hinziehen und müssten möglicherweise witterungsbedingt unterbrochen werden.

Das wäre allerdings vermeidbar gewesen, wenn die Baumaßnahmen wie geplant begonnen hätten: Auf Schildern an der Strecke wurden sie nämlich schon für Mitte des Jahres angekündigt. Mit einem Start im Juni hätte nicht nur das Wetter mitgespielt, sondern die Arbeiten wären bei ordnungsgemäßem Verlauf auch vor der Sperrung der Bitburger beendet gewesen.

Vielleicht ist also demnächst doch besser Zugfahren angesagt? Planmäßig sollen die Züge nach Luxemburg immerhin schon ab dem 11. September wieder rollen. Diese Alternative dürfte für einige Autofahrer immer attraktiver werden, denn mit einer Teilsperrung der Moselbrücke Ehrang im nächsten Jahr wird nach Ende der aktuellen Bauarbeiten die nächste Strecke nach Luxemburg zum Nadelöhr. Die Reparaturen werden dann drei Jahre dauern – obwohl die Brücke laut LBM sowieso in spätestens 15 Jahren neu gebaut werden muss.

Aline Pabst

14 Kommentare

  1. haha, grenzübergreifende kommunikation soll funktionieren?
    geht doch nicht mal im Lande selbst..

    Siehe Tunnel Sperrungen und Bahnsperrung zur gleichen Zeit und während der Schueberfouer.. dass Auch blos keiner effizient hin Kommt.

    z..b Wiltz – Luxemburg, mit öffentlichem Transport aktuell um die 2 stunden.. EIN WITZ!

  2. Also mol zur B 51 Eechternacherbréck-Irrel : Déi Leit wou hei esou vill meckeren,sin déi wou et nie schnell genuch géet ! Ech fuehren dax déi besoten Stréck an do get gerannt wéi déi Mell ! Et ass elo mol gudd,dass déi Presséiert mol beschen ausgebremst gin,dann sollen sie éischter dohéem fort fuehren an natirlech mat Zaiten opstohen !!

    • Hallo Pingelechen, Da fueren ech awer elo emol mam Bus op Irrel, geif gären gesin wien de Pingelechen as. Ka mir den esou virstellen, emmer amgang ze meckeren an ze tuuten iwert dem Bus fueren. Hien iergert sech och wahrscheinlech iwert d´Leit am Bus, dat mus dann esou ausgesinn wei beim James Last freier, de stong emmer esou op der Bühn als Dirigent das en d´Pulikum mat dem engen Aen an seng Musiker (d´Arbecht also) mat dem aneren Aen iwerwachen konnt.;-))))

      • Néen néen,dir huet dat ganz falsch verstaanen,ech fuehren zwar Bus an éngem ganz aneren Eck,mée fuheren dax déi Streck mam Auto fir ankaafen ze fuehren op Irrel,an do gesin ech allerhand Saachen,Géigend Altrier bis op Irrel sin nemmen 15 km…. 😉

        • A sou Dir gitt och nach bei Teutonen akaafen. E Buschauffeur dee net schlecht verdengt wéi Dir geschriwen hutt. Aldi, Rewe, etc.
          Ech schléisse mech dem “Wir fahren mit dem Bus …” un. E lästegen besserwësserechen, alen wichtegen… na ja Dir wësst wat ech wëll soen.

  3. Vielleicht habe ich das im Artikel überlesen, aber es kommt ja noch dazu, dass in Temmels seit einer schieren Ewigkeit eine Wechselampel steht, so dass auch dieser Weg nach Luxemburg nur eingeschränkt durchlässig ist. Ein Musterbeispiel an Koordinierung!

  4. Jo.Elo wou d’Rentrée erem ufänkt,schéeissen d’Chantiers ewei Pilzer aus dem Buedem…woubei zwee Meint Zeit war eppes a Rouh’ ze maachen ouni den Verke’er zevill ze beeinträchtegen.Mais et ass eben esou hai am Land.Et get een all Dag mei mat Selbstgefällegkeet an Einfältegkeet vun Seiten vun dem öffentlechem Dengscht konfronte’ert.Net nemmen d;Grenzgänger hun do Ursach vir sech opzeregen,mais am Ländchen gi mer vun engem Chantier op deen aneren gescheckt. “Route barrée-déviation par la route barrée”.

  5. “Das Busunternehmen bezeichnet sich allerdings auf Nachfrage als “nicht zuständig” und verweist auf die CFL. Eine Auskunft gibt es aber auch dort nicht – die zuständige Person sei momentan nicht da.”

    🙂 🙂 🙂

    Die zuständige Person versucht seit Tagen zur Arbeit zu kommen!
    Als CFL Angestellter darf die ja nicht mehr mit dem Zug zur Arbeit… da sie ja pünktlich zur Arbeit erscheinen muss ! ! !

    Der “Schienenersatzverkehr” und die “Ersatz-Buslinien” und die “Überland-Linie” funktionieren nicht.

    Am besten: Ein Zeltlager an der Grenze einrichten. 🙂 Aber das würde wohl an der Einigung über die Farbe der Zelte scheitern.

    Wenn man bedenkt wieviel Schaden an der Luxemburgischen Volkswirtschaft, an der Gesundheit der deutschen “Wanderarbeiter” und an deren Familienleben entsteht durch solches Schildbürgertum…

    Was nützen Infrastrukturen, wenn diese nicht benutzt werden können wegen dauernder “Instandsetzungen”?

    Könnte man nicht mal überlegen Telefonkabel, Wasserleitungen und ähnliches woanders zu begraben als unter Infrastrukturen welche dazu da sein sollen Städte zu verbinden?

    Wo bleibt der Dienst am Bürger?

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