Sie sind nicht amused. Die Rede ist von den Anrainern im Escher Stadtviertel Wobrécken. Vor drei Tagen wurden dort nämlich eine ganze Reihe Bäume gefällt. Die müssen dem Bau der neuen Grundschule, einer „Maison relais“ und einem Sportplatz weichen.

„Je suis venue à cause des arbres“, sagt eine Anwohnerin, die gerade mit ihrem Hund vom Gassigehen kommt. „C’est un vrai désastre“, erbost sich die Frau weiter. „Ce petit îlot va disparaître.“ Es gab Eichhörnchen und eine Menge Vögel. Wo sind die jetzt hin? „C’est un scandale!“ Seit zehn Jahren lebt sie nun hier, erzählt sie. Und jetzt ist von heute auf morgen nichts mehr so, wie es einmal war. Und auf die Grünen hat sie es auch mächtig sitzen: „Les Verts, c’est fini car ils font le contraire de ce qu’ils prônent.“

Der Lauf der Dinge

Etwas sachlicher sieht ein älterer Mann mit Fotoapparat derweil die Lage. Fotografieren ist sein Hobby. Er ist regelmäßig im Süden unterwegs und hält fest, was sich alles verändert. Und das Abholzen hier im Stadtviertel Wobrécken ist eben auch eines seiner Motive. „Es ist nichts mehr so, wie es war“, sagt er und seine Worte klingen nach purer Nostalgie. „Die meisten sind schockiert, aber das ist halt der Lauf der Dinge.“

„C’est un vrai choc. Honnêtement. C’est de la végétation qui n’est plus là. Le cadre de vie s’appauvrit, je trouve. Il y a déjà le problème avec la tour“, so ein Mann aus Petingen, der jeden Tag mit dem Auto den Boulevard Grande-Duchesse Charlotte entlang fährt, und meint damit das geplante Hochhaus auf dem Gelände der ehemaligen Losch-Garage am Boulevard Prince Henri. Das Abholzen sei nicht gut für die Lebensqualität im Viertel, so der Mann. Er versteht die Wut und den Zorn der Anrainer.

Ein anderer hat sich gar mit Fotoapparat auf das Terrain gewagt, um all das festzuhalten. „Ich bin schockiert und die ganzen Bäume entlang des Boulevards sind verschwunden. Es ist schade, dass es solche Eingriffe ins Stadtbild gibt“, so der Mann.

Anwohner sind empört

Die Anwohner im Stadtviertel Wobrécken sind empört und machen ihrem Ärger auch in den sozialen Netzwerken Luft. Das mussten auch die Gemeindeverantwortlichen gestern feststellen. Nachdem das Tageblatt bereits am Dienstagnachmittag die Pressestelle der Gemeinde per Mail kontaktiert hatte, meldete sich gestern der Kommunikationsbeauftragte der Stadt Esch, Luc Schloesser. Martin Kox, Schöffe für die Ressorts „Développement urbain, Bâtiments, Environnement, Espaces verts“ war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Ihm sei wohl bewusst, so Schloesser, dass es in Sachen Kommunikation etwas gehapert habe: „Früher haben wie die Bürger schon mal vorab per Flyer informiert, wenn solche Arbeiten anstanden. Diesmal aber nicht.“ Warum dies der Fall war, konnte Schloesser nicht plausibel erklären, wies aber darauf hin, dass die Gemeindeverantwortlichen eine Bürgerversammlung organisiert hätten, bei der aber nur ganze drei Teilnehmer anwesend waren.

Fakt sei nun aber einmal, dass der Waldbestand weichen müsse für den Bau der Grundschule, einer „Maison relais“, eines Sportplatzes sowie der „Maison de soins“, an der die Arbeiten voranschreiten. In Sachen Pflegeheim der Elysis asbl. wurde gestern Morgen ein Teil des Fundaments in Beton gegossen. In zwei Monaten soll eine offizielle Grundsteinlegung stattfinden, so Schloesser weiter.

Angesprochen auf die Abholzaktion, bestätigte er indes, dass jener Teil des Baumbestandes, der sich entlang des Boulevard Grande-Duchesse Charlotte befand, wieder neu angepflanzt werde. „Der Sichtschutz, der bislang da war, sollte schon erhalten bleiben. Zudem wird auch ein ‘espace vert’ entstehen.“ Der Eingriff sei aber notwendig gewesen, da sich dort Gasleitungen befänden. Auch auf die Frage, warum die Abholzaktion gerade jetzt stattfindet, hatte Schloesser ebenfalls eine Antwort parat. „Der Zeitpunkt ist so gewählt, dass wir das Brüten der Vögel nicht stören.“

Die neue Grundschule mit integrierter „Maison relais“ soll 360 Schülern Platz bieten und rund 20 Millionen Euro kosten. Fertiggestellt sein wird das Projekt in zweieinhalb Jahren, so Luc Schloesser abschließend.

15 Kommentare

  1. Et as esou eppes vun triste…
    Liewensqualitéit gëtt iwerall am Land manner.
    Wei lang dauert et bis esou eng Zone nees “nei”entstaanan ass ?
    Huet schonn een erliewt, dat esou eng Zone “nei” entstaan ass ?
    Dat do erënnert mech un de “Geesekneppchen-Merl” an der Stad.
    Einfach fort mam Gréngs. Ban de Gasperich. Google Bissen. Turbo-Rond Point.
    Tram um Houwald. Autobunnen mei breet machen. Flughafen-Kapazitéiten ausbauen.
    Am kléngen Privatgärtchen wou Wues war, einfach mat blo Sténg ersëtzen…
    D’ Gemengen an de Staat ignoréieren gréng Terrain’en, genau ewei d’ Privatleit selwer.
    Jiddereen mecht sein kléngen Mätch – fort mam Gréngs, fort mat de Beem.
    Den Terrain anescht benënnen, emklasséieren.
    Am Kéngen ewei am Groussen.
    Vill Bësch am Land, an eng “gréng” Stad op 8. Plaatz vun der european “Top-Ten” ?
    Et gëtt just all Dag manner… – emmer manner.

    • Et musse jo awer och Infrastrukturen gebaut gin, an zu Esch sin d’Plaatzen eben och rar geséit.
      Wa naischt gebaut gët da gët gemeckert, wann eppes gebaut gët och.
      Der Bomchen oder dem Bop dee meckert well sain Muppentrëppeltour nët méi sou schéin ass, deem ass et vlait egal ob keng Schoul/Maison Relais gebaut gin. Denken datt vill Elteren aus deem Quartier frouh driwwer sin.
      Populatioun geet an d’Luut, da muss de Rèscht och nokommen.

      • D’accord, dat wees ech jo och alles…
        D’ Pensiounen an d’ Arbechtsplaatzen…
        Just, wann emmer nemmen Gréngflächen verschwannen,
        keng neier dobei kommen : DA GINN ET KENG MEI !!!

    • Tjo si man eben wat se wellen.
      Liewensqualitéit as schon lang drastesch gefall.
      Mee dofier klamen preiser an allen sektoren drastesch an luut.
      Genau wi kriminalitéit.
      Dat Land hei as fill ze fill kleng fier sech seu escapaden ze erlaaben.Alles zeubetoneiert der Déiwel net dass
      Liewensqualitéit am Keller ass.An Dat Land as och fill ze kleng fier seu fill Autoen.Et ass nemen nar Wahnsinn hei alles.

  2. @ Patrick W.
    Dir hutt absolut Recht, a wat hate mer nach e schéint Land an de 60er a 70er Joeren.
    Wi soot den aale Indianer : Geld kann een nët iessen.
    Ech sin elo schons laang fort am Ausland bei de Boescher, de Wisen, de Kaweechelcher …
    An dat ass dee richtege Luxus !
    Net all gudde Broutdag an d’Vakanz, all 3 Joer e neien decken Auto, kee vollautomatescht Händy gesteiert Haus…

  3. Letzebuerg muss fir e puer Joerzengten ophalen matt wuessen. Max. 700.000 Awunner as genuch. D’Politiker gaukelen ons emmer fir daat et ons dann schlecht geet wa mir net wuessen (et as dann keen oder manner Geld do). Mee besser manner Geld wi keng (oder eng futtis) Natur. Daat waerten ons Kanner ze spiiren kréien…leider!

    • Mir mussen endlech TIermecher bauen. Mir wellen eng Metropol sin/gin, da musse mer och wéi an enger bauen. Iwwerall gi sou Knaschtecker gebaut, amplatz mol sérieux Wunntierm no un der Infrastruktur ze bauen. An 1 sou en Tiermchen passt gären e ganzt Duerf ran vun 1000Awunner, no un der Infrastruktur, zack Autoen fiir 1000 Leit am Alldag manner. Leiwer e puer kleng Betonswüsten, wéi een komplett zougewurschtelt Land (Status momentan).

  4. Wenn man das alte Arbeds Gelände dekontaminiert hätte wäre genug platz für solche Projekte und die Bäume ständen noch aber dazu braucht man ein bißchen Grips.
    Unsere Gemeindeverwaltung wird immer schlechter das hat nichts mehr mit Modernisierung zu tun sondern einfach nur noch mit Fehlentscheidungen.
    700.000 Einwohner sind zu viel, wir haben ca. 250.000 Luxemburger der Rest ist Multikulturell, demnächst ist Luxemburgisch hier in unseren Ländchen eine Fremdsprache.

  5. ich finde es traurig dass man dem Schöffenrat vorwirft grünflächen zu entfernen um dringende ja sogar lebensnotwendige infrastrukturenwie die ggrundschule maison relais und besonders das von der Alyzees gesellschaft vewaltete Pflegeheim zu schaffen dieser Schöffenrat macht eben Nägel mit köpfen die anwohner besagter viertel scheinen wohl vergessen zu haben dass man damals auch eine wunderschöne schreberanlage vernichtet hat won mein seliger grassvater einen nutzvollen mit blumen bestu¨ckten garten hatte um dort Wohnraum zu schaffen was mich damals sehr traurig stimmte aber wenn man Menschen in die stadt holt muss man ihnen eben die notwendigen infrastrukturen herrichten sonst kommen sie nicht so einfach ist das

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here