Den Flying Spur konnten wir vor einigen Monaten fahren. Bei einem Bentley ist der Ausdruck „fahren“ fehl am Platz, man schwebt über die Fahrbahn, mal souverän entspannt im „Nur nicht auffallen“-Modus, was natürlich bei der Traumfigur des Flying Spur nur rein akademisch ist, mal souverän entschlossen im „Seine Lordschaft kann auch Gummi“-Modus, ohne Rücksicht auf Diskretion, aber mit der klassenbewussten Lässigkeit und der steifen Oberlippe, mit der man in Adelskreisen über einen Jagdausflug spricht, bei dem ein besoffener Lord seinen Land Rover in einen Ententeich gelenkt hat und sein nagelneues Tweed ruinierte.

Beim W12 S, der Sportausgabe der viertürigen Flying-Spur-Limousine, gibt es bei allem Luxus die notwendige Portion Standfestigkeit, immerhin sind hier 635 PS am Werk, die den Flying Spur zur schnellsten Limousine der Welt machen. Schneller als ein Fernsehsessel, den Daniel Düsentrieb mit Raketenantrieb ausrüstet. Bentley wollte mit dem W12 S die 200-Meilen-Mauer sprengen, und das ist dem Unternehmen gelungen – mit einer Spitze von 202 mph oder 325 km/h kommt diese elegant-dynamische Limousine schneller voran als irgendeine vergleichbare Nobelherberge auf vier Rädern oder Daniel Düsentrieb.

Einen berauschenden Antritt und erregenden Durchzug befehligt der Fahrer mit kleinem Druck aufs Pedal, den Rest der Bentley-Erlebniswelt genießt man am besten in den sanften Lederpolstern der elektrisch verstellbaren Rücksitze mit Massage-Funktion. Schnell, aber leise geht die Reise von dannen, wenns mal brenzlig wird, helfen Carbon-Keramik-Bremsen, die als Option nicht nur den Gegenwert eines Kleinwagens kosten, sondern anständig auf Temperatur gebracht werden müssen. Wenn also Frau Gräfin anfangs der Fahrt beständig in den Seilen hängt, dann nur, weil seine Lordschaft die Bremsen anheizen will, bevor er der Konkurrenz auf der Straße einheizt.

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