Der sportliche Sommer und Herbst 2018 standen im Zeichen des F91 Düdelingen. Obwohl die Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League eine Sensation war, wurde der Erfolg der Düdelinger erst durch das Wohlwollen eines Geldgebers ermöglicht. Ein Pro und Kontra zu Mäzenatentum im Sport.

Förderung braucht Geld

Fast alle wollen ihn, aber die meisten geben es nicht zu: den Mäzen. Während in Kultur und Hilfsorganisationen ein Gönner durchaus als positiv wahrgenommen wird, ist im Sport eine finanzstarke Person hinter einem Verein oft verpönt.

In der deutschen Fußball-Bundesliga ist Hoffenheims Geldgeber Dietmar Hopp regelmäßig den Anfeindungen der Ultras gegnerischer Vereine ausgesetzt. Auch die Vereine von Energydrink-Tycoon Dietrich Mateschitz sind äußerst unbeliebt. Der Vorwurf an Hoffenheim, Leipzig oder Salzburg? Es seien Plastikvereine, die nichts mit der traditionellen Fußballkultur am Hut haben und nur aus marketingtechnischen Gründen gefördert werden.
Von den Kritikern außer Acht gelassen wird dabei, dass sowohl Mateschitz als auch Hopp fußballverwaiste Regionen zum Leben erweckt haben. Das Rhein-Neckar-Gebiet war vor dem Aufstieg der TSG fast zum fußballerischen Niemandsland verkommen.

raditionsvereine wie Waldhof Mannheim hatten dauerhaft mit finanziellen Problemen zu kämpfen und auch beim Badener Nachbarn Karlsruher SC läuft es nicht mehr wie in früheren Zeiten. In Leipzig ergibt sich das gleiche Bild. Als RB 2016 der Aufstieg in die 1. Bundesliga gelang, feierte auch der Ostfußball nach siebenjähriger Abwesenheit seine Rückkehr ins Oberhaus.

Hoffenheim und Leipzig haben noch einen gemeinsamen Punkt: Sie fördern die Jugend massiv und ihre Nachwuchsteams gehören mittlerweile zu den besten Deutschlands.
In Luxemburg machte in den vergangenen Jahren Flavio Becca von sich reden. Bringen wir es sofort auf den Punkt: Ohne das Geld des Unternehmers hätte Düdelingen niemals die Gruppenphase der Europa League erreicht und die luxemburgischen Fußballfans hätten wahrscheinlich nie den AC Mailand hierzulande gesehen.

Auf die finanziellen Zuwendungen der nationalen Unternehmen können die Klubs aus der BGL Ligue nämlich nicht zählen. Aus rein marketingtechnischen Gründen lohnt es sich für keine luxemburgische Firma, Millionen Euro in den Fußball oder allgemein in den Sport zu investieren. Durch die mangelhafte TV-Präsenz fehlt einfach die Plattform, um den Markennamen über einen Verband oder Klub noch bekannter zu machen und ein solches Investment zu rechtfertigen.

Allerdings haben die finanziellen Zuwendungen eines Becca noch weitere Vorteile für den luxemburgischen Fußball. Der F91 wurde in den vergangenen Jahren besser strukturiert. Einheimische Spieler wie David Turpel, Danel Sinani, Tom Schnell oder Kevin Malget profitieren in Düdelingen durch die Gunst eines Mäzens von einem teilweise professionellen Umfeld und konnten sich dadurch in den vergangenen Jahren deutlich steigern.

Der Verein hat eine Struktur erschaffen, die man in Luxemburg in solchem Ausmaß noch nicht kannte. Für luxemburgische Nationalspieler oder angehende Auswahlspieler ist das sportliche Umfeld perfekt, um den Sprung von den Amateuren ins Ausland zu schaffen oder zumindest hierzulande auf einem konstant guten Niveau zu spielen und zu trainieren.
Und ja, wenn man nach Düdelingen geht, dann spielt auch das Geld eine Rolle. Im Endeffekt wird man aber zu einem besseren Sportler, wenn man es schafft, sich gegen die teilweise starken Mitspieler aus dem Ausland durchzusetzen.

Und das hat man dann auch einem Mäzen wie Flavio Becca zu verdanken.

Dan Elvinger, Sportredaktion

 

Romantik statt Kommerz

Eine lobenswerte Einstellung. Allerdings vom Aussterben bedroht: Wenn sich erfolgsorientierte Vereine von der Mittelschicht abgrenzen, indem sie mittels eines größeren Budgets ihre Vorherrschaft „erkaufen“, bleibt für Romantik oder Traditionen nur eine Goldene Ananas. Selbst in den unteren Divisionen der FLF-Landschaft, wo man die Kicker noch als die „Jungs vom Dorf“ kennt, fließen Geldsummen. Ohne Moos ist auch da schon lange nix mehr los (und seien es nur die Kilometerentschädigungen oder ein kleines „Taschengeld“ für die Trainingspräsenzen). Gefährlich wird es, wenn ein sogenannter Mäzen den kompletten Verein unter Kontrolle hat.

Geld regiert die Welt – und es kann zur Abhängigkeitssituation kommen, wenn man sich Titel, Europapokalteilnahmen oder Aufstiege etwas kosten lässt. Das ist wohl auch die größte Bedrohung durch das Mäzenatentum in der Luxemburger Sportwelt. Was passiert, wenn sich der betuchte Geldgeber zurückzieht und der Klub von einem Tag auf den anderen sich selbst überlassen ist?

Da wäre zum Beispiel der tragische Untergang eines nationalen Traditionsvereins, der durch massive finanzielle Investitionen zum sportlichen Optimum gelangte: Anfang der 2000er-Jahre zog sich „Mister-Europapokal“ und Präsident Theo Mersch aus der Henri-Dunant-Straße zurück und der Avenir Beggen verschwand in der Versenkung. Die spätere Ineffizienz trieb den Klub in den Abgrund. Als der Geldhahn zugedreht wurde, blieb auch das Erfolgsrad stehen. Die Aushängeschilder und Nationalspieler suchten das Weite und die Sponsoren sprangen ab – ein Teufelskreis, der für die heutige Misere verantwortlich ist.
Droht dem F91 Düdelingen in den nächsten Jahren das gleiche Unheil? Fakt ist: Das aktuelle Sponsoring würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen, sollte Flavio Becca seinen Worten Taten folgen lassen. Denn in diesem bestimmten Fall sind alle Hauptsponsoren vernetzt – und bei denen hat der Geschäftsmann seine Finger im Spiel. Spieler-Exodus und langfristige Mittelmäßigkeit drohen.

Mäzenatentum bedeutet auch nicht unbedingt, dass die Finanzspritzen aus Treue zum Klub getätigt werden. Stattdessen kann das Wohlwollen des betuchten Geldgebers auch mit den Interessen und der Visibilität für die eigenen Firmen und Unternehmen einhergehen. In Italien stand Silvio Berlusconi u.a. wegen des Verkaufs des AC Mailand in massiver Kritik. Das Engagement begrenzt sich dann nur auf einen Zeitraum des Erfolgs. Die Kommerzialisierung à la Hopp in der Bundesliga, wo man sich nicht davor scheut, seine Stadien an Unternehmen zu verkaufen oder den Verein sogar mit den Initialen eines Energiedrinks auszustatten, hat schon so manchem Fußballpuristen übel aufgestoßen: Die Rede ist von einer Plastikidentität einer scheinbar willkürlich zusammengebastelten Mannschaft, die im Gegensatz zu dem langfristigen Erfolg und steinigen Weg eines Traditionsvereins steht.

Problematisch wird es auch dann, wenn sich der Mäzen ins Tagesgeschäft einmischt, das letzte Wort bei den Transfers hat und sich durch Emotionen zu Kurzschlusshandlungen verleiten lässt. In diesem Fall dreht sich zwar meist das Trainerkarussell, doch die Glaubwürdigkeit der eigentlichen sportlichen Entscheidungsträger leidet. Mäzenatentum ist kein Allheilmittel – auf langfristiger Ebene braucht es für Erfolg und Akzeptanz einfach mehr.

Christelle Diederich, Sportredaktion

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here