Markenkleider für 20 Euro, eine Luxusuhr für 30 Euro, ein teures Parfum für 10 Euro oder eine Kopie des neuesten Blockbusters für 5 Euro. Jeder kennt die verlockenden Schnäppchen, die Straßenhändler häufig in Touristenregionen, aber auch zu Hause auf der Braderie anbieten. Seit einigen Jahren hat sich der Handel der Markenpiraten vor allem ins Internet verlagert.

Einmal abgesehen von der häufig minderwertigen Qualität dieser Angebote verursachen die Produktfälschungen einen hohen wirtschaftlichen Schaden für rechtmäßige Hersteller und haben negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Rund 56 Milliarden Euro pro Jahr betragen die Verluste aufgrund von Marken- und Produktpiraterie in den elf wichtigen Wirtschaftszweigen in der EU. Allein in Luxemburg belaufen sich die jährlichen Umsatzverluste auf 71 Millionen Euro. Dies haben neue Schätzungen des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) ergeben. Die Marken- und Produktpiraterie habe auch gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt. Rechtmäßige Hersteller produzierten weniger, als wenn keine Fälschungen auf dem Markt wären, und beschäftigten demzufolge auch weniger Arbeitnehmer, teilt die EUIPO mit.

In seiner Analyse geht das Amt davon aus, dass in den elf untersuchten Branchen in der gesamten EU bis zu 468.000 Arbeitsplätze direkt verloren gehen. Bei diesen elf Branchen handelt es sich um die Wirtschaftsbereiche Kosmetika und Körperpflegeprodukte, Bekleidung, Schuhe und Accessoires, Sportartikel, Spielzeug und Spiele, Schmuck und Uhren, Taschen und Koffer, bespielte Tonträger, Spirituosen und Wein, Arzneimittel, Pestizide und Smartphones.

Einbußen gegenüber 2018 rückläufig

Der größte von der EUIPO untersuchte Wirtschaftszweig ist der Sektor Bekleidung, Schuhe und Accessoires. Der Schätzung zufolge verzeichnet diese Branche in der gesamten EU Verluste in Höhe von rund 28,4 Milliarden Euro jährlich. Dies macht 9,7 Prozent aller Umsätze aus. In Luxemburg werden die Umsatzeinbußen in diesem Sektor auf rund 35 Millionen Euro pro Jahr geschätzt (6,8% der Verkäufe). Im Sektor Kosmetik- und Körperpflegeprodukte werden die Verluste in der EU auf 7 Milliarden Euro und in Luxemburg auf 15 Millionen Euro beziffert.

Bis auf diese beiden Branchen geht das europäische Amt aber davon aus, dass seit seiner ersten Analyse im Jahr 2018 die Umsatzeinbußen auf EU-Ebene in allen anderen untersuchten Branchen zurückgegangen ist.

Allerdings würden aber die Vorgehensweise der für die Produktpiraterie verantwortlichen kriminellen Banden wegen der technologischen Entwicklung und neuen Vertriebskanälen immer komplexer und die Bandbreite der gefälschten Produkte immer größer, stellt das EUIPO fest. Milde Gerichtsurteile und hohe Kapitalrenditen seien willkommene Anreize für Banden, Fälschungsaktivitäten zu betreiben.

EU-weit 468.000 verlorene Arbeitsplätze

EUIPO ist eine dezentrale Agentur der EU mit Sitz im spanischen Alicante. Das Amt ist für die Eintragung von Unionsmarken (UM) und Gemeinschaftsgeschmacksmustern (GGM) zuständig, die den Schutz von Rechten des geistigen Eigentums in allen Mitgliedstaaten der EU gewährleisten.

Außerdem kooperiert das EUIPO mit den nationalen und regionalen Ämtern für geistiges Eigentum in der EU. Die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums wurde 2009 eingerichtet, um den Schutz und die Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums zu fördern und der wachsenden Bedrohung durch Verletzungen des geistigen Eigentums in Europa zu begegnen. LL

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