Bereits als Kinder unternahmen wir bei gutem Wetter „en Trëppeltour iwwert de Bierg“, der seinen Abschluss mit einer leckeren „Kachkéis-Schmier“ in einem der Traditionslokale entlang der Wanderwege fand. An diesem Wochenende nutzte unser Korrespondent Marc Gatti die Frühlingstemperaturen für einen Besuch zwischen Lasauvage und Fond-de-Gras. Auf seiner Wanderung waren die Kraniche nicht zu überhören.

In den 1990er Jahren warb die Stadt Differdingen mit dem Werbeslogan „Differdingen: Eine Industriestadt im Grünen“. Seither wurde viel unternommen, und es braucht nicht den 1. Mai, Tag der Saisoneröffnung im Minett-Park, um einen der vielen verschiedenen Spazierwege zu begehen. Die Wanderwege bieten Strecken von 2,7 bis 11,5 Kilometern und führen zwischen Niederkorn und Oberkorn, durch Lasauvage und Fond-de-Gras.

Durch das Tal der wilden Frau

Immer wieder sehenswert sind die verschiedenen Aussichtspunkte von Oberkorn nach Frankreich oder vom Wasserspeicher hinunter nach Niederkorn. Lasauvage und Fond-de-Gras sind dabei die Highlights und bieten diverse Lehrpfade, die durch die Geschichte der Luxemburger Industriekultur führen. „Train 1900“ und „Minièresbunn“ befinden sich zwar derzeit noch im Winterschlaf (Saisoneröffnung am 1. Mai), dennoch waren die Wanderwege am Wochenende bereits gut besucht.

Vom Saintignon-Platz aus, nahe der Naturschule in Lasauvage, startet der Crosnière-Entdeckungspfad auf einer Länge von 3,2 Kilometern. Er führt am domestizierten Bach von Lasauvage vorbei durch das Tal der wilden Frau. Bachaufwärts, ab dem Friedhof, sind der Crosnière-Bach (lux.: Réierbaach) sowie der große Weiher von Auenwald umgeben. Die Naturschule hat hier einen Entdeckungspfad angelegt.

Nach der Erkundung von Lasauvage geht es dann weiter nach Fond-de-Gras. Der Minett-Park zeichnet sich durch seine bemerkenswerte Natur aus, aber auch durch Sehenswürdigkeiten wie den „Train 1900“, die Epicerie Victor Binck oder die Paul-Wurth-Halle mit ihren Ausstellungen.

Einblick „unter Boden“

Mit dem richtigen Schuhwerk geht es alsdann Richtung Tagebaugebiet „Giele Botter“. Hier stehen dem Wanderer zwei verschiedene Lehrpfade zur Verfügung: ein Entdeckungs- und ein geologischer Pfad. Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Wasserspeicher in der rue Titelberg in Niederkorn. Von hier aus genießt der Wanderer eine herrliche Aussicht über Niederkorn. Der geologische Lehrpfad führt an den früheren Abbauwänden vorbei und ermöglicht einen Einblick „unter Boden“.

Anhand von neun Schautafeln wird der Wanderer über Bildung, Eigenschaften und Abbau der Minette-Schichten informiert. Der sieben Kilometer lange Entdeckungspfad führt über starke Steigungen und teils schmale Wege durch ein stillgelegtes Tagebaugebiet. Mit seiner Vielfalt an verschiedenen Entwicklungsstadien und Biotopen sticht das heutige Gebiet hervor. Neben der Erkundung der vielfältigen und seltenen Flora und Fauna wird man auf dem Weg entlang der ehemaligen „Buggy-Trassen“ in die Zeit des Bergbaus zurückversetzt.

Einer der beliebtesten Wanderwege ist der Albert-Ungeheuer-Pfad mit Ausgangspunkt in der rue de Lasauvage gegenüber dem Differdinger Pflegeheim. Mit 11,5 Kilometern ist er eine der längsten Strecken im Angebot des Kulturamtes der Stadt Differdingen. Benannt wurde der Pfad nach dem 1944 erschossenen Widerstandskämpfer. Er führt vorbei an der ehemaligen Thillenberg-Grube und verläuft nach Westen durch den „Jongebësch“ bis zum „Roudenhaff“ entlang der französischen Grenze nach Lasauvage.

Kulinarisches zum Abschluss

Auf dem Rückweg geht es dann durch den Grouwen-Park nach Differdingen hinunter. Der 1912 angelegte Park wurde damals von den Stadtbewohnern als Naherholungsgebiet und zu kulturellen Zwecken genutzt. Anfang der 2000er Jahre wurde er wieder instand gesetzt. Inzwischen ist dort ein Fitnessparcours mit elf Stationen vorzufinden. Daneben kann der erschöpfte Wanderer vom Kiosk aus das herrliche Panorama von Differdingen genießen.

Nach dem stundenlangen Wandern hat die Gegend außerdem auch kulinarisch so einiges zu bieten. Ob gut bürgerlich und deftig bei einer „Hamen-“ oder „Kachkéis-Schmier“ oder „Assiette“ in dem mitten im Differdinger Wald gelegenen, seit 1893 bestehenden Traditionshaus „Bache Jang“ oder der seit 1880 in Fond-de-Gras bestehenden „Bei der Giedel“. Die Freunde gehobener Gastronomie hingegen können sich eher im „Presbytère“ in Lasauvage verwöhnen lassen.

 

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