CSV-Bashing sollte man nun wirklich unterlassen. Wenn schon Auseinandersetzung, dann bitte sachlich, faktenbezogen. Zwar kann man bei Wahlprogrammen kaum von Fakten reden. Dennoch sollte auch bei der Entscheidung am 14. Oktober allein das geschriebene Wort zählen, nicht das gesprochene, das im Übereifer seinen Weg in soziale Medien oder in das eine oder andere Mikrofon gefunden hat.

Die Klauseln des Vertrags, den die Parteien, also auch die CSV, mit den Wählern schließen wollen, formulierten sie in ihrem Wahlprogramm. Ein Blick darin lohnt sich, auch wenn die Lektüre kaum spannender ist als die Gebrauchsanweisung eines Rasenmähers. Was die zukünftigen Regierungsparteien während Wochen, ja sogar Monaten ausbrüteten, wird Bestandteil des zukünftigen Koalitionsprogramms sein. Spätestens dann wird der Wähler erfahren, was ihm in den kommenden Jahren blühen wird.

Die CSV stellt ihren „Plang fir Lëtzebuerg“ scheibchenweise vor. Na ja, Plan ist vielleicht übertrieben. Auch das Papier von Wahlprogrammen ist geduldig. Peinlich waren bei Teil zwei des zu Wochenbeginn vorgestellten Dokuments nicht so sehr Tipp- und andere Fehler, wie ein Journal -Kollege dieser Tage feststellte. Vielmehr beeindruckte das Ganze durch seine Belanglosigkeit. So begann die Vorstellung des Kapitels über Schulpolitik gleich mit dem Versprechen, man werde den „Dialog der Schulpartner, einen regelmäßigen Austausch mit den Schulpartnern, institutionalisieren“. Bisher nannte man derlei Vor gehen „Arbeitsgruppen oder Arbeitskreise gründen“. Noch früher hieß es jenseits der Mosel treffend: Wenn du nicht mehr weiterweißt, bilde einen Arbeitskreis.

Vieles liest sich so, als ob die CSV erstmals die Chance habe, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Da ist unter anderem die Rede von Chancengleichheit, die es für alle Schüler zu gewährleisten gelte. Immerhin belegten Studien, „dass Kinder aus Familien mit niedrigeren sozioökonomischen Faktoren schlechtere Aussichten auf schulischen Erfolg haben“, heißt es da. Es bedurfte des Jahres 2018, um zu erkennen, was bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren zu heftigen Diskussionen über die fehlende Chancengleichheit im Luxemburger Bildungswesen führte. Natürlich hatte die CSV vor 17 Jahren das Schulressort an den jeweiligen Koalitionspartner abgetreten. Aber erst nachdem sie das Bildungsministerium während Jahrzehnten fest in ihrer Hand gehalten hatte.

Von einigen wenigen Vorschlägen abgesehen, etwa dem Englischen als Fach ab der 7 e oder der Förderung des Luxemburgischen in der Grundschule, fehlt es an zündenden Ideen. Viel ist die Rede von Analyse, Bestandsaufnahme, eventuellen Anpassungen. Wo es konkreter wird, rennt die CSV offene Türen ein, etwa bei der Vorbereitung der Schüler auf die digitale Welt. Entweder war die Meisch-Ära nicht vollends nutzlos für Luxemburgs Schulen oder aber den CSV-Programmschreibern mangelte es schlichtweg an Kreativität.

Wer den Wechsel will, sollte die CSV wählen, meinte Parteigeneral Laurent Zeimet am Montag vor Journalisten. Warum aber wechseln, wenn sich nichts oder nur wenig ändern soll?

4 Kommentare

  1. Der CSV fehlt es an Ideen, weil sie, schon als sie in der Regierung war, keine hatte. Die Koalitionspartner, ob LSAP oder DP, waren stets innovativ und einfallsreich und wurden dann auch prompt abgestraft. Die Mehrheit der Luxemburger sind schlichtweg konservativ ,nach dem Motto ” Mir wölle bleiwe wat mir sinn ! “

      • Näischt, alles soll sou bleiwen, wéi ët ass! Dat ass konservetativ , conservare-conserver- bewahren, beibehalten_ erhalen konservéieren= näischt änneren. Oktav, Sprangprëssessioun, Reliounsunterrecht och wa mer nët an d’Kierch ginn oder nëmmen Ouschteren…

  2. Bravo.
    Gefühlte 300 Jahre CSV-Mittelalter haben mich nach dieser letzten “Aufbruch-Regierung” Mut schöpfen lassen.
    Es geht doch,man muss nur wollen. Schluss mit den NEIN-Sagern,den Haderern und Angstmachern,jetzt hatten wir endlich eine Frischwindperiode. Die Gesellschaft ändert sich und wer das nicht mitbekommt läuft aus. Als erstes würde ich dieses erbärmliche “C” aus dem Parteinamen nehmen.Sind Christen wirklich die besseren Menschen??
    Sollten religiöse Sekten heute noch Politik machen dürfen? Nein. Die extremsten Fälle sehen wir in Iran und anderen Ländern. Sogar ein Potus aus USA schwört auf zwei Bibeln und entreisst Auswanderern ihre Kinder.Kriegstreiber waren noch immer die größten Fans ihres Gottes. Die CSV muss sich an ihre Traditionen und Dogmen aus dem Gotteshause halten,heute noch. So zeigt man sich gern auf einer Springprozession oder auf einer Gedenkfeier für massakrierte Luxemburger die in einem Krieg gefallen sind der von ihrer eigenen Führung,dem Vatikan,angefeuert wurde. Ob Luxemburg oder Deutschland,wo das Kreuz wieder Pflicht wurde,die C-Parteien sind in modernen Zeiten eigentlich ein Klotz am Bein der Gesellschaft. Aber auch in Irland wo heute die Frauen noch auf die Straße müssen um für ihre Rechte zu kämpfen ist Gott nur auf der Seite der Mächtigen.Jetzt wo die Pfaffen aus der Schule entfernt wurden besteht eine kleine Chance,dass die nächsten Generationen dieser Verdummungsmaschinerie den Garaus blasen.Vielleicht bleiben wir im Oktober auf der richtigen Schiene.

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