Fairness, Respekt und Anstand: Dass die von Klubikone Fritz Walter vorgelebten Werte im letzten Jahrzehnt beim deutschen Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern mit Füßen getreten wurden, davon zeugt die aktuelle Situation des Vereins. Bis Ende Mai müssen einige Millionen Euro zusammengekratzt werden, um überhaupt die Lizenz zum professionellen Fußball zu erhalten. Die Hoffnungen des taumelnden Traditionsvereins liegen dabei vor allem auf den Schultern eines Luxemburgers: Flavio Becca.

Der Niedergang des FCK beginnt im Grunde genommen mit dem vierten und letzten Meistertitel vor rund 20 Jahren, als Trainer Otto Rehhagel die „Roten Teufel“ als Aufsteiger zum Meistertitel führte. Bis heute in Deutschland unerreicht. Doch anschließend sah man in der Pfalz auf allen Ebenen zu groß. Sowohl im Verein als auch in der Politik, die Kaiserslautern unbedingt als WM-Ort 2006 sehen wollte. Das Resultat ist ein so gut wie bankrotter Klub, der in einem überdimensionierten WM-Stadion spielt. Der Kauf des Stadions mitsamt seiner Peripherie soll dem Vernehmen nach ein wesentlicher Bestandteil des Angebots von Immobilienspezialist Becca sein.

In der Provinzposse um den Fritz-Walter-Klub spielen viele Personen eine Hauptrolle, auch illustre Politiker wie der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Kurt Beck. Und natürlich die Vereinsverantwortlichen, allen voran Stefan Kuntz, der als Vorsitzender den Absturz des FCK rasant beschleunigte. Er pokerte zu hoch und scheiterte drei Jahre in Folge knapp an der Rückkehr in die Bundesliga, was dummerweise Voraussetzung zur finanziellen Gesundung des Vereins war. Direkte Konsequenz der sportlichen und finanziellen Talfahrt war die Ausgliederung der Profiabteilung aus dem eingetragenen Verein.

Damit sollte der Weg freigemacht werden für einen Investor, der den stolzen FCK retten sollte. Um den Vereinsmitgliedern die Ausgliederung schmackhaft zu machen, wurde ein kompliziertes Konstrukt entworfen. Das sollte die Macht eines Investors von vornherein beschränken, schreckt aber im Endeffekt potenzielle Geldgeber ab. Schließlich ist es kaum vorstellbar, dass im Fußballgeschäft des 21. Jahrhunderts ein Investor zweistellige Millionenbeträge springen lässt, ohne sich damit auch entscheidenden Einfluss auf die Vereinspolitik zu erwerben.

Das wird auch Becca nicht tun, zumal er im Fall eines Engagements zuerst einmal für die Fehler der Vergangenheit geradestehen muss. Denn die Betze-Anleihe aus dem Jahr 2013 wird fällig. Über sechs Millionen Euro müssen vom Verein zurückgezahlt werden. Die waren ursprünglich für den Ausbau des Jugendleistungszentrums vorgesehen, sind aber wohl integral ins Profigeschäft geflossen. Eines der vielen Beispiele, wie die Fans jahrelang von der Vereinsführung an der Nase herumgeführt wurden.

Die jüngste Geschichte des ruhmreichen Fußballklubs aus der Pfalz kann jedenfalls als mahnendes Beispiel für andere Vereine im Millionengeschäft Profifußball herhalten. Man darf gespannt sein, welche Rolle Becca im Lauterer Krabbenkorb spielen wird. Ein Engagement in Kaiserslautern bedeutet für ihn, dass er im Geschäft mit Profifußballern eine Stufe aufsteigt. Sein Geld einfach so verbrennen lassen wird er jedoch nicht. Heute entscheidet der hoffnungslos zerstrittene Beirat über Beccas Angebot. Dass ausgerechnet die Verhandlungspartner des Luxemburgers beim FCK auf der Abschussliste stehen, ist dabei kein besonders gutes Zeichen.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here