Es mag sie geben, die Menschen, die dermaßen in ihrem Beruf aufgehen, dass jede Minute, Stunde, jeder Tag abseits vom Job als verlorene Zeit, quasi als Strafe, empfunden wird.
Uns persönlich sind keine solchen Stachanowisten (nach Alexej Grigorjewitsch Stachanow, einem russischer Bergbau-Arbeiter, der laut Legende am 31. August 1935 als Hauer in einer Kohlegrube im Donezbecken während einer Schicht 102 Tonnen Kohle förderte) bekannt, dafür umso mehr Menschen, die Lohnarbeit als das sehen, was sie ist: die wirtschaftliche Notwendigkeit, ihre Lebenszeit und ihre Kompetenzen einem Unternehmen zur Verfügung zu stellen, um ihre nicht vertraglich vermietete und solchermaßen freie Zeit, um Nahrung, Kleidung, Wohnung, Mobilität usw. finanzieren zu können.

Es ist eine gern von Arbeitgebern verbreitete Mär, dass die Arbeit ein Selbstzweck ist, dass „gute“ Mitarbeiter in dieser aufgehen und somit eigentlich keine anderen Ansprüche haben, als dem Unternehmen bereitwillig und am besten rund um die Uhr zu dienen.
Seit es gewerkschaftliche Organisationsformen der Arbeiter und Angestellten gibt, ist die Arbeitszeit neben den Lohnbedingungen eines der Hauptanliegen dieser. Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die Kämpfe eingehen, die nach und nach zur Fünf-Tage-Woche und 40-Stunden-Woche geführt haben.

In den 70ern und frühen 80ern des letzten Jahrhunderts kam es allerdings (auch aufgrund zunehmender Modernisierung und Rationalisierung in der Industrie) zu einer erneuten europaweiten Offensive für eine Reduzierung der Arbeitszeit. Der Ruf nach der 35-Stunden-Woche und sogar weitergehende Forderungen prägten die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Allerdings konnten die Gewerkschaften sich nur punktuell durchsetzen. Einen Meilenstein stellte die Ausnahme Frankreich dar, wo es unter Mitterrand zu der angestrebten Verkürzung kam.

In Luxemburg tat sich wenig: Zwar gibt es inzwischen Sektoren, in denen kürzer gearbeitet wird; laut Arbeitsrecht gilt die 40-Stunden-Woche allerdings immer noch. Und seit mehr als 40 Jahren ist die Forderung nach weniger Arbeitszeit ein Dauerbrenner, etwa beim Landesverband, der diese schon fast „copy-paste“-mäßig in ihre Kongressresolutionen schreibt.

Jetzt allerdings scheint zu den Wahlen 2018 Bewegung in die Regelung zu kommen. So ist im Wahlprogramm der LSAP, die dabei ist, ihre sozialen Wurzeln wiederzuentdecken, die Ankündigung zur Umsetzung der 38-Stunden-Woche zu lesen. Linke und KPL verteidigen kürzere Arbeitszeiten auch und Innenminister Kersch hat erste Signale in Richtung Verkürzung der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst gegeben.

Gerechte Verteilung der Produktionsgewinne drückt sich nicht ausschließlich und unbedingt in Lohnverbesserungen aus: Auch weniger in Lohnarbeit investierte Zeit bedeutet Mehrwert für die arbeitenden Menschen. Nach vier Jahrzehnten sollte die 35-Stunden-Woche endlich näherrücken: Denn auch wenn weniger Zeit im Job verbracht wird, bedeutet dies erwiesenermaßen keine schlechtere Arbeitsleistung …

5 Kommentare

  1. H. Schneider, bitte gestatten Sie die Frage: Wieviele Stunden pro Woche arbeiten Sie denn?
    Wie heißt es im Lied: Immer wieder Sonntags kommt die Erinnerung. Kenne etliche aus dem Privatsektor, 40 Stunden wäre da schon ein Fortschritt, meistens langen die 40 Stunden nicht um das wöchentliche Pensum zu erledigen. Dann brummt man halt Überstunden welche nicht mal vergütet werden.

  2. Arbeit ist ein notwendiges Übel. Die Mehrzahl der Menschen muss arbeiten um zu leben oder gar überleben zu können. Der Idealfall ist es, eine Arbeit zu verrichten, die einem auch Genugtuung beschert oder Spass macht. Aber Arbeit ist nicht alles. Arbeit allein ist nicht der Sinn des Lebens. Der Mensch braucht ein Minimum an Freizeit um zu regenerieren und Zeit für seine Familie und Freunde zu haben. Ohne das macht Arbeit krank. Wir leben nicht umsonst in einer Zeit des Burnout , in der die psychischen Erkrankungen drastisch zunehmen. Allzu straff gespannt zerspringt der Bogen!

  3. @Roger Wohlfahrt
    Genau dat ass et : Arbecht jo,mée alles an der Mooß ! Wén méi schafft wéi dass en frai ass,mecht et op Dauer net méi schéin,am Dag sin vill Leit miss,well d’Familienliérwen sain Iwregt dozou baidréet.Iérgendwann packt den Kiérper dat alles net méi an mir filen eis “ausgebrannt”.Dofir spigelt ären Kommentar hei dat erem,wat ech,an och nach vill Leit denken.Ech denken do zumols un professionnell Chauffeuren,déi alt 12-14 Stonnen mussen dem Patron zur Verfügung stohen,zumols am privaten Bussektor,esou Schichten sin net méi zaitgeméiss an gehéieren ofgeschaaft.Ech sin och privaten Buschauffeur an kann éen Liddchen dovun sangen,den Transportminister misst do éen Zéechen setzen an d’Gesamtschichtdauer (Amplitude) daitlech erof setzen op wéinstens 10 Stonnen,besser wieren 9 Stonnen,schliesslech ass et jo och éng Fro vun der Secherhéet,midd Chauffeuren sin éen Secherhéetsrisiko.Mée alles an allem muss ech éech Recht gin Här Wohlfahrt,fehlt just nach dass d’Regierung endlech handelt an d’Wochenarbechtszait verkiirzt,an zwar am Senn fir all Schaffenden.

  4. Im Privatsektor – vor allem im Finanzwesen – werden ‘Arbeitszeiten’ kurzerhand ausgehebelt. ‘Man’ hat zur Verfügung zu stehen – 24 Stunden auf 24 -7 Tage auf 7 –  per Handy, das man sehr oft noch nicht einmal gestellt bekommt, es dient als allzweck portal für späte sign offs, e mail Kommunikation u.s.w.

    wer es nicht macht fliegt bei der erstbesten Gelegenheit raus mit einem ‘underperformer rating’ 

    Und was macht die Regierung gegen diesen Missbrauch ? bis jetzt nichts, null – es gibt keine Gesetze die den Arbeitgebern Übergriffe dieser Art verbieten – auch die Luxemburger Presse scheint dies noch nicht mitbekommen zu haben denn ich habe darüber noch nichts öffentliches lesen können – Stunden die geleistet werden weit über die 40 Stunden heraus sind ‘üblich’ und natürlich ohne Bezahlung – wird auch nicht kontrolliert – da kann der Arbeitgeber ja schalten und walten wie er will…

    das ist die Realität

  5. Ech sin dofir dat den Monatslouhn ofgeschaft gött an den Stonnenlouhn amplatz angesat gött. Jidfereen soll esouvill schaffen wéi hien Loscht an Laun, an natierlech esouvill wéi hien Geld brauch! Een den mat wéineg zefridden ass oder soss Einkünfte huet soll wéineg Stonnen drummen an den den sech äppes unschafen wöllt, soll eben méi Arbechtsstonnen schaffen! Wat total ongerecht ass, ass dat een manner schaffen wöllt bei vollem Louhnausgleich. Dat ass en Gröff an den Portemonni vum Patron den nött korreckt ass. Éischtens können vill kleng Patronen sech nött erlaben méi vir manner Arbecht ze bezuelen. Zweetens ging déi zousätzlech Belaschtung op d‘Klienten ofgewälzt gin, wäll jo een se muss en fin de compte bezuelen an dann gin d‘Preiser an d‘Lucht, dat heescht, d‘Geld gött manner wäert, an zu gudder läscht huet den Arbechter mat méi Geld an der Täsch awer wéineger pouvoir d‘achat! Manner Stonnen mat vollem Louhnausgleich ass Bedruch un sech selwer!

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