Es ist schon recht peinlich, wenn man sich die sanfte Mobilität auf die Fahne schreibt und sich dann in der Praxis herausstellt, dass alles weniger gut funktioniert als gedacht. Das ist momentan der Fall bei den einst mit großem Pomp eingeweihten Leihfahrrad-Systemen in Luxemburg-Stadt und in Esch. Vel’OH (Luxemburg) und Vël’OK (Esch) haben nämlich das gleiche Problem: Es stehen einfach nicht genügend Fahrräder zur Verfügung.

Zum Foto: Leere Vël’OK-Ständer in der Escher Rue de Canal. Foto: Frank Goebel

Für die Nutzer ist das ein echtes Ärgernis. Sie verlassen sich darauf, kurze Strecken mit dem Leihrad zurücklegen zu können, müssen sich dann eine Alternative einfallen lassen und kommen dadurch mitunter zu spät an ihrem Ziel an. Glaubt man den Verantwortlichen, so ist Vandalismus die Ursache für den Mangel. Zu oft sind die Räder beschädigt und müssen erst einmal repariert werden. Wobei sich dann doch die Frage stellt, weshalb der letzte Benutzer, der ja über die Leihkarte identifiziert werden kann, nicht für den Schaden haftbar gemacht wird. Oder zumindest verwarnt wird. So wie es jetzt läuft, macht das Ganze jedenfalls weder in der Hauptstadt noch in Esch Sinn.

In Esch hat sich vor kurzem eine Initiative für eine fahrradfreundliche Stadt gegründet. Dass dies überhaupt geschieht, beweist, dass die Minettemetropole momentan eben genau das Gegenteil von fahrradsicher ist. Es gibt kaum von der Fahrbahn getrennte Radwege und zudem Kreuzungen, die getrost als lebensgefährlich bezeichnet werden können, allen voran die an der Place des Remparts. Ob es das richtige Zeichen von Bürgermeister Georges Mischo ist, die Fahrräder aus der Alzettestraße verbannen zu wollen, darf bezweifelt werden. Wenn einige Idioten mit ihrer Fahrweise ausreichen, um ein Transportmittel zu verbannen, dann dürfte in der Kanalstraße schon lange kein Auto mehr fahren.

Auf nationaler Ebene sieht es nicht viel besser aus. Zwar rühmt sich die Politik und allen voran Transportminister François Bausch ob Luxemburgs imponierenden Fahrradwegenetzes, doch auch hier sieht es in der Praxis nicht immer so rosig aus wie beschrieben. Der Unterhalt der Radwege fällt in den Aufgabenbereich der Gemeinden, was an manchen Orten besser funktioniert als an anderen. Einmal ganz abgesehen davon, dass gefühlt die Hälfte der insgesamt 600 km Fahrradwege (in Zukunft sollen es 900 km sein) momentan wegen des Eichenprozessionsspinners nicht befahrbar sind.

Zudem sind viele der Luxemburger Fahrradwege touristisch angelegt. Prioritär ist also nicht, möglichst schnell von A nach B zu gelangen. Und während in Deutschland, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden oder Skandinavien massiv in Radschnellwege investiert wird, ist das Thema in Luxemburg relativ neu. Man darf gespannt sein, wann die geplanten Radautobahnen zwischen Luxemburg-Stadt und Esch respektive Bettemburg fertig sind. Bis dahin bleibt Luxemburg ein Autofahrerland und erstickt weiter tagtäglich in seinem Verkehr.

13 Kommentare

  1. Zusätzliche Fahrradewege brauchen wir nicht,
    die Hobbyradrennfahrer benutzen sowieso die
    Strasse um nebeneinander fahren zu dürfen.
    Aergern nützt auch nicht,dann wird man noch beschimpft.
    Gott sei dank sind alle so respektlos,Autofahrer inklusive.

  2. So lange das Auto dieses wahnsinnige Statussymbol hat wird kein Umdenken stattfinden und das Fahrrad wird höchstens als Sportgerät benutzt. Ausserdem ist es lebensgefährlich mit dem Rad auf unseren Strassen unterwegs zu sein, auch allein. Viele Autofahrer sind rundweg rücksichtslos oder können Geschwindigkeit und Entfernung schlecht einschätzen. Damit verbunden ist ein Appell an die Radfahrer, ihren Drahtesel, so sportlich er auch sein mag, mit einer Klingel zu versehen. Dies ist besonders wichtig wenn man Radwege benutzt, wo ja auch Fussgänger rechtmässig unterwegs sind. Im Strassenverkehr sind sowieso gegenseitige Rücksichtsnahme und Respekt angesagt, ansonsten das Dschungelgesetz überhand nimmt.

  3. Vël’OK (Esch) wurde Félix Braz eingeführt. An sich eine tolle Idee aber leider wurde ein dramatischer Fehler gemacht weil extrem wichtig ist das Image. Braz wollte die Mobilitätsidee mit einer sozialen Initiative verknüpfen indem er alles dransetzte puberteierenden Jugendlichen aus sozialen schwachen Schichten den Gratis- Zugang zu eine Fahrrad ermöglichte. Zudem waren die anfänglichen Sperrsystem extrem einfach zu knacken und so wurde dies für die “Lümmelgangs” zu einem beliebten Sport: Als Resultate waren Fahrräder und Image nachhaltig ruiniert und die normalen Bürger, die eigentliche Zielgruppe, war definiv für die Radidee verloren. (in der Stadt Luxemburg hingegegn haben die Fahrräder ein YUP Image).
    Anzumerken ist der letzte Benutzer von Velo OK sehr wohl haftbar wobei der abgeschlossenne Vertrag irreführend zweideutig einmal von 200€ max Selbstbeteilung spricht um dann aber auf Seite 6 im Kleingedruckten von einer Haftung bis zum Erstehungswert von 1800€ anzudrohen.
    Velo OK müsste über ein SMS System zusätzlich abgesichert werden dh. Rückführung des Fahrrades müsste mit einer automatisierten Bestätigungs SMS dem Benutzer bestätigen, dass das Fahrrad wieder gesichert ist.
    Zudem müsste das offensichtlich unsachgemässen Benutzung auch protokolliert werden und auch stichprobenartig kontrolliert werden, ob der Benutzer regulär unterwegs ist.
    Uber das ganze Jahr gesehen waren leere Velokständer sind eher selten? Wie lange ist der Autor schon Velokbenutzer?

  4. Nachtrag: Auffällig in Esch ist auch dass seit der Ara Braz wenig geschehen ist im Radwegnetz der Stadt, trotz Grünenbeteiligung in allen Schöffenräten.

  5. Ich radle regelmässig im Schritttempo durch die Alzettestrasse. Man muss dabei lediglich auf die unzähligen Zeitgenossen aufpassen, deren Augen auf dem Smartphone kleben, und sich genervt fühlen, wenn sie beim Kreuzen aufschauen müssen, statt wie jeder Verkehrsteilnehmer, und als ein solcher ist ein Fussgänger ja wohl auch zu betrachten, die Augen offen nach vorne zu richten. Es ist halt nicht anders als im für Autos reservierten Strassenverkehr: wer sich genervt hupend, quietschend, aufheulend und fluchend bemerkbar macht, ist meistens selbst fehl am Platze, und täte besser daran, sich nach Alternativen umzusehen. Es wäre ein grosser Schritt in Richtung ‘Miteinander statt Gegeneinander’.

      • @ titi : bei meinen morgentlichen Fahrten auf der A4 nach LX fällt mir so manche Alternative ein für manche auffällig gestressten Mitmenschen, jene die mit Vollgas bis zum Stauanfang brausen, oder bis zur roten Ampel, jene die rechts überholen und sich 2 Wagen weiter wieder links “einreihen” : BahnTramBus, Paartherapie, Nervenarzt, Betreutes Wohnen, auch eine ausgedehnte Reise zum Mars böte sich an….
        (wenn Sie den Zusammenhang suchen mit den Fussgängern mit am Smartphone klebenden Blick suchen : beide Spezies sehen nicht weiter als zu ihrem Brillenrand, und stören durch ihr neurotisches Verhalten sehr beträchtlich das ‘Miteinander’)

  6. Ich bin voll bei Ihnen, was das Benehmen vieler Mitmenschen Im Strassenverkehr betriift, bin auch wie Sie der Meining, dass wir miteinander und nicht gegeneinander leben sollten. Leider nehmen Respektlosigkeit, Aggressivität , Dummheit und Frechheit in einem erschreckenden Masse zu. Das ist eine Feststellung, die nicht nur ich tagtäglich mache und zutiefst bedaure. Aber daran schuld sind viele verschiedene, wenn auch meist hausgemachte Faktoren. deren Ursprung auf mindestens 20 Jahrzehnte zurückgeht. Es ist ein gesellschaftspolitisches Problem mit Schwerpunkt auf der Erziehung und der Wertlehre. Die rein materialistische Werteinstellung ist der Untergang unserer Gesellschaft.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here