Die Luxemburger Nationalmannschaft, Weltranglisten-85., setzte in den vergangenen Monaten neue Maßstäbe und geht deshalb in der ältesten Republik der Welt auch als Favorit in die zweite Partie der laufenden Nations-League-Kampagne. Gegen San Marino, die Nummer 203 der Welt, kann das Ziel für die  Auswärtspartie im “Stadio Olimpico” (20.45 Uhr) nicht anders lauten, als mit einem weiteren Dreier den nächsten Schritt in Richtung Platz eins der Gruppe D zu vollbringen.

Trotzdem hagelte es in den vergangenen Tagen auch allerseits Warnungen. Als man FLF-Präsident Paul Philipp am Sonntag vor dem Check-in-Schalter auf die Prognose für das heutige Spiel ansprach, wurden beim Verbandsoberhaupt Erinnerungen an einen rabenschwarzen Tag im Jahr 2017 wach. Mit acht Toren gingen die “Roten Löwen” in Schweden regelrecht unter – dies, nachdem die Mannschaft erst Weißrussland besiegt und anschließend ein Unentschieden in Toulouse geholt hatte.

Die Angst vor einem Déjà-vu, nur drei Tage nach dem berauschenden 4:0 gegen Moldawien, dürfte angesichts der anstehenden Aufgabe dennoch bescheiden sein: Das letzte Erfolgserlebnis der San-Marinesen geht auf 2014, ein Remis gegen Estland, zurück. Der letzte Sieg kam 2004 gegen Liechtenstein zustande – in dem Jahr, als die FLF-Mannschaft am Tiefpunkt angelangt – und zu Hause mit 0:4 gegen den gleichen Gegner regelrecht vorgeführt worden war.

Dazugelernt und Weiterentwickelt

Seitdem gab es nicht nur weltranglistentechnisch einen Quantensprung, sondern auf allen Ebenen ist der Luxemburger Fußball gewachsen – oder wie es Kapitän Laurent Jans am Montag beschrieb: “Ob wir aus der Zwergenrolle herausgewachsen sind, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass wir in den vergangenen Jahren enorm viel dazugelernt und uns weiterentwickelt haben.”

Am Dienstag werden sich die “Roten Löwen” deshalb auch die Favoritenrolle aufdrücken lassen müssen. “Oft haben wir die Gegner trotz individueller Unterlegenheit mit einer guten Organisation und Einstellung geärgert. Diesmal werden wir den Rhythmus bestimmen müssen, den Ball schnell zirkulieren lassen und viel in Bewegung sein”, erklärte Nationaltrainer Luc Holtz bei der Pressekonferenz am Montagabend.

“Jede Partie kann zur Falle werden. Wir respektieren alle Gegner. Wir dürfen uns keine Fehler erlauben und ich werde dafür sorgen, dass jeder von der ersten bis zur letzten Sekunde fokussiert ist”, fügte er hinzu. Mit Fehlern meinte der Coach drei Dinge: “In den Duellen nicht präsent sein, zu tief spielen und nervös oder gestresst auftreten. Wir brauchen eine gute Ballzirkulation, Intensität und müssen die nötige Arbeit machen, ohne uns stressen zu lassen.”

Müssen konzentriert bleiben

Nach dem höchsten Länderspielsieg seit 70 Jahren gab es in der Videoanalyse am Montag Morgen auch einige Probleme, die angesprochen werden mussten: “Die ersten 30 Minuten waren kompliziert, weil wir in Ballbesitz nicht präzise waren und unsere Kontermöglichkeiten nicht abgeschlossen haben. Gegen den Ball waren wir dann zu hektisch und haben Räume offen gelassen.”

Tiefer wollte sich der Coach nicht in die Karten schauen lassen. Holtz gab allerdings zu, eine andere Elf aufs Feld zu schicken, als er es noch vor ein paar Tagen vorhatte. “San Marino hat andere Charakteristiken als Moldawien. Ich werde mich für die Spieler entscheiden, die am besten in dieses Profil passen … und wenn es die gleiche Mannschaft ist, kann das der Fall sein. Vielleicht sind es aber auch andere Akteure, die besser passen werden. Ich bin ohnehin auf einigen Positionen noch nicht fest entschlossen.”

Jans warnte vor allem davor, den defensiven Teil des Jobs außer Acht zu lassen: “Gegen Malta haben wir gemerkt, dass wir konzentriert bleiben müssen. Oberste Priorität hat nach wie vor die Defensive.” Der Favorit geht nach dem 4:0 mit viel Selbstvertrauen in das zweite Duell der Nations League, doch auch im Fall einer Enttäuschung wäre noch nicht die Rede von “dramatischer Lage”, wie Holtz hinzufügte: “Mit drei Punkten befinden wir uns bereits auf einem guten Weg. Drei weitere würden uns vor dem Auswärtsspiel in Weißrussland sicherlich zu einer sehr angenehmen Situation verhelfen.”

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here