Sternekoch Tony Tintinger hatte in seinem Leben viel mit Großherzog Jean zu tun. Der 75-Jährige blickt zurück.

Als der Clairefontaine-Platz renoviert wurde, auf dem sich damals Tony Tintingers Restaurant „Clairefontaine“ befand, hatte der Koch besonders viel mit Großherzog Jean zu tun. „Damals saß er fast jeden dritten Tag auf meiner Terrasse. Oft war auch die Großherzogin bei ihm“, erinnert sich der inzwischen 75-jährige Koch, der vor Kurzem seine Rente angekündigt hat.

Der Großherzog habe dann einen grünen Mantel, ein „Hittchen“ und einen kleinen Schal getragen. „Meistens kam er am Abend, zwischen 21 und 22 Uhr. Da war ich natürlich gerade voll im Einsatz“, sagt Tintinger. Dann informierte Tintingers Personal den Chefkoch sofort: „Chef, votre prominent est de nouveau à la terrasse pour vous“, hieß es dann.

Entscheidungshilfe

Die beiden Männer unterhielten sich darüber, wie der Platz nach den Renovierungsarbeiten aussehen soll. Der Großherzog fragte Tintinger nach seiner Meinung zur Gestaltung des Platzes und stimmte ihm häufig zu: „Hei jo, dat denken ech och. Gëff dat esou weider“, sagte das Staatsoberhaupt dann. Tintinger gab es an den Staatsarchitekten weiter. „Diese Übermittlung zwischen uns dreien fand ich immer toll.“

Tony Tintinger beschreibt den Großherzog als einen sehr lieben, sanften und flexiblen Menschen. Wenn er beim Sternekoch im Restaurant war, lautete Tintingers Frage: „Mon Seigneur, wat géif Iech eng Freed maache vun der Kaart?“ Die Antwort des Großherzogs war stets: „Ech loossen Iech gewäerden a mir eppes kachen, wat Dir wëllt, Dir hutt dat bis elo ëmmer esou gutt gemaach.“

Am liebsten, so Tintinger, aß Großherzog Jean Ente – nach allen möglichen Arten zubereitet. „Ich kochte ihm dann eine Ente und er war zufrieden und glücklich.“

“Der unkomplizierteste Königliche, den ich je bedient habe“

Damals gab es hinten im Restaurant einen Salon extra für den Hof. Sogar besonderes Geschirr war für wichtige Essen mit prominenten Menschen gekauft worden. Tintinger fragte Großherzog Jean also jedes Mal, ob er sich dorthin setzen und einen besonderen Service in Anspruch nehmen möchte. Und jedes Mal verneinte dieser. „Mir wëlle behandelt ginn wéi all déi aner Clienten och“, antwortete Jean.

„Er war ein besonders angenehmer Mensch“, sagt Tintinger. Natürlich hätten die beiden Männer anfangs Höflichkeitsformen für ihre Gespräche genutzt. Später redeten sie dann aber normal miteinander. „Ich glaube, ich habe für 17 Könige gearbeitet, aber er war der unkomplizierteste Königliche, den ich je bedient habe.“

Großherzog Jean und Tony Tintinger sind zusammen auf der Jagd gewesen. Auch von dieser Zeit hat der Sternekoch nur positive Erinnerungen: „Er war immer ein korrekter, ehrlicher und braver Jäger, der enormen Respekt vor dem Wild hatte.“

Laura Tomassini und Melody Hansen 

 

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