Die Bank BGL BNP Paribas zählt zu den großen Finanzakteuren am Platz Luxemburg. Sowohl Unternehmens- als auch Privatkunden ist der Name ein Begriff. Ihre hundertjährige Geschichte war bewegt. In ihr spiegelt sich die Entwicklung des Landes wider. Jetzt wird das große Jubiläum gefeiert.

Laut Statec ist die BGL heute der sechstgrößte Arbeitgeber des Landes. Was reine Bankgruppen angeht, so steht die BGL mit ihren rund 3.660 Mitarbeitern (2018) deutlich vor der zweitgrößten, BIL, und der BCEE, die jeweils leicht unter 2.000 Mitarbeiter zählen. Gegründet wurde die Banque Générale du Luxembourg als Gesellschaft nach belgischem Recht am 29. September 1919. Hinter der Gründung stand die Société Générale de Belgique. Die Gründung dieser Tochtergesellschaft war in hohem Maße dem für die Expansion des Bankwesens günstigen Nachkriegsumfeld zu verdanken, schreibt die BGL auf ihrer Webseite. Der erste Firmensitz befand sich im belgischen Arlon und die Hauptverwaltung in Luxemburg.

Belgische Herkunft

Zwischen 1921 und 1928 erweiterte die Banque Générale du Luxembourg ihre Präsenz in Frankreich durch die Gründung von Niederlassungen in Metz, Thionville usw. und konzentrierte ihre Aktivitäten im Großherzogtum durch die Eröffnung von Bankfilialen in den wichtigsten Städten des Landes.

Eine Zeit lang bot die BGL einen Autoschalter an: Foto von 1968.

Erst viel später, im Jahre 1935, wurde die Banque Générale du Luxembourg, die sich dem Dienst an der luxemburgischen Wirtschaft verschrieben hatte, in eine Gesellschaft nach luxemburgischem Recht umgewandelt.

Der bestehende Verwaltungssitz in der rue Aldringen 14 wurde zum Hauptsitz der Bank und blieb es bis 1995. An diesem Tag wurde der Sitz zum Kirchberg verlegt. Ihre Aktien wurden jedoch weiterhin hauptsächlich von der Bank Société Générale de Belgique gehalten.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Aktivitäten der Bank und des luxemburgischen Bankensektors insgesamt deutlich gebremst, schreibt das Geldinstitut auf seiner Webseite. Durch die Entscheidung des Besetzers waren viele Bankfilialen gezwungen, zu schließen. Die Hälfte der von der Société Générale de Belgique gehaltenen Aktien der Bank wurde während des Krieges an die Deutsche Bank übertragen.

Internationalisierung

Viele Jahre nach dem Krieg wurde der Finanzplatz internationaler. Die Bank wuchs mit. Mit der Einrichtung eines Handelsraums im Jahr 1969 erweiterte sie ihre Rolle auf dem Euro-Bond-Markt. Um in direktem Kontakt mit den Hauptmärkten zu stehen, eröffnete die Bank Büros in Mailand, Hongkong und Frankfurt. Im August 1982 erweiterte sie ihr Netz durch die Gründung der Banque Générale du Luxembourg (Suisse) in Zürich.
Universalbank

Um ihre Aktionärsbasis zu verbreitern, beantragte die Banque Générale du Luxembourg 1984 eine Notierung an der Luxemburger Börse. Am 29. November 1984 erfolgte die erste Notierung für einen Betrag von 5.400 Luxemburger Franken (133,86 Euro). Ende der 90er Jahre ist die BGL eine Universalbank. Sie bietet ihren Kunden die Dienstleistungen einer Geschäftsbank an, ist aber auch im Investment Banking und im internationalen Finanzdienstleistungsgeschäft tätig. Die Bank diversifiziert und erweitert ihre nationalen und internationalen Aktivitäten beständig weiter.

Fortis-Jahre

1999 erwarb der Fortis-Konzern in Brüssel die Générale de Banque und wurde damit Mehrheitsaktionär der Banque Générale du Luxembourg. Im Jahr 2000 erhöhte der Mehrheitsaktionär nach einem öffentlichen Umtauschangebot von Fortis für alle ausstehenden Aktien der Bank seinen Anteil am bestehenden Kapital der Banque Générale du Luxembourg auf 97,73 Prozent.

Die Escher Agentur am Benelux-Platz

Die Banque Générale du Luxembourg erweiterte ihre Aktivitäten in der Großregion durch den Erwerb der SADE-Gruppe (Société de développement et d’expansion), schreibt die BGL. Im Jahr 2002 setzte sie ihre Strategie der wirtschaftlichen Entwicklung in der Großregion fort und eröffnete ein Business Center Trier/Saarbrücken.

Im Jahr 2005 ändert die BGL ihren Namen und heißt nun Fortis Banque Luxembourg. Allerdings nicht für lange. Nach der Finanzkrise von 2008 wird die Bank kurzzeitig wieder in BGL – dann in BGL BNP Paribas umbenannt.

Finanzkrise

Während der Finanzkrise wurde die BGL mit in den Fortis-Strudel hineingezogen. Das Mutterhaus hatte sich einen sehr teuren Zukauf (ABN Amro Bank) geleistet. Hätte die Finanzkrise nicht zugeschlagen, hätte die Rechnung aufgehen können. Doch es kam anders:

Am 15. September geht die US-Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite. Die Krise gewinnt immer mehr an Geschwindigkeit. Es bricht Panik aus. Auch in Luxemburg stehen am Freitag, 26. September 2008 Menschen vor Bankfilialen Schlange, weil sie Angst um ihre Ersparnisse haben.

Im Endeffekt investiert der luxemburgische Staat 2,5 Milliarden Euro in die Fortis Banque Luxembourg in Form eines Darlehens, das später in Aktien umgewandelt wird. Die BNP-Paribas-Gruppe erwirbt die anderen Anteile an der BGL. Sie ist ab Mai 2009 offiziell mit 65,96 Prozent des Kapitals Mehrheitsaktionär der BGL. Der luxemburgische Staat bleibt mit 34 Prozent des Kapitals ein bedeutender Aktionär der Bank. Dem Staat hat die Rettung bisher viel Dividende eingebracht. Am 21. September 2009 ändert die BGL ihren Firmennamen und firmiert seitdem unter BGL BNP Paribas.

Struktur und Besitzverhältnisse der BGL BNP Paribas sind bis heute, zehn Jahre nach der Krise, in etwa gleich geblieben. Durch die Fusion mit den Aktivitäten von BNP Paribas ist die Bank zum größten Bank-Arbeitgeber des Landes geworden.

Und um den Kreis zu schließen: Während die Fortis-Gruppe im Jahr 2008 beim Kauf der ABN Amro Bank scheiterte, hat die BGL BNP Paribas 2018 den Kauf der Luxemburger Aktivitäten der niederländischen Bank durchgezogen. Dies ermöglicht es der Gruppe, ihre Position im privaten Bank- und Versicherungssektor in Luxemburg zu stärken.

Seit etwa einem Jahr ist der langjährige Geschäftsführer der BGL, Carlo Thill, der sein ganzes Berufsleben in der Bank verbracht hat, nun in Rente. Sein Nachfolger ist Geoffroy Bazin, der davor schon einige Jahrzehnte für BNP Paribas tätig war.

4 Kommentare

  1. Wir alle, und nicht nur ihre Kunden haben die BGL gerettet, und nun wird gefeiert, unter den oberene Hundert, die kleinen Anleger/Sparer bleiben aussen vor.

  2. An weiweit huet déi BGL dann bei hierem Gebuertsdag un déi geduecht, déi hinnen et erlabt hun esou weit ze kommen? Vleicht ab nächst Joer nei Taxen an Frai’en??

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