Zum Missbrauch in der Kirche: Die Grenzen der Transparenz

Nach seiner Rom-Reise, wo er an der päpstlichen Konferenz zum Thema sexueller Missbrauch innerhalb der Kirche teilgenommen hatte, wirkte Erzbischof Jean-Claude Hollerich leicht geknickt und entschuldigte sich vor der versammelten nationalen Presse ein weiteres Mal bei den Opfern übergriffiger Pfarrer, Ordensbrüder und Ordensschwestern. Er versprach denn auch – noch stark unter dem Eindruck von Gesprächen mit Opfern stehend –, künftig Transparenz bei der Thematik des kircheninternen Missbrauchs von minderjährigen Jungen und Mädchen walten zu lassen. Dieses löbliche Vorhaben scheiterte aber bereits eine gute Viertelstunde später an der Frage, wie viele Anwärter auf einen Pfarrerposten, die inzwischen während ihrer Ausbildung im Seminar psychiatrisch auf etwaige pädophile Neigungen getestet werden, denn bei dem Test durchfielen und somit vom Kirchenamt ausgeschlossen wurden. Nicht einmal eine Zahl wollte er hier nennen – nach Namen hatte ja auch niemand gefragt … Auch eine aktive Aufarbeitung von institutionalisiertem Missbrauch in Kinderheimen, wie etwa dem geschlossenen „Kannerland“, wird das Bistum nicht unternehmen. Dafür habe die Kirche nicht die Mittel, so die doch eher fadenscheinige Antwort der betrübt erscheinenden katholischen Würdenträger.