Der Bitcoin-Hype ist schon Vergangenheit. Was bleibt, ist die Technik, auf der die Kryptowährungen basieren. Doch die Blockchain kann mehr, als nur das Rückgrat einer digitalen Währung zu sein.

Insgesamt gibt es rund 1.500 verschiedene Kryptowährungen, meinte Ravi Jawahar, verantwortlich für das Blockchain-Whitepaper des Luxemburger Instituts für Qualitätssicherung und Normierung Ilnas. Alle funktionieren über eine Blockchain. “Das ist ein Hauptbuch, das es einem Computer-Netzwerk erlaubt, eine gemeinsame Datenbank zu erstellen und weiterzuentwickeln – ohne einer Drittpartei Vertrauen schenken zu müssen”, so das Whitepaper zum Thema Blockchain.

Das Institut hat das Thema ausführlich untersucht und weitere Blockchain-Anwendungen herausgeschält. Einen Punkt haben alle Anwendungen gemein: Es geht darum, Daten chronologisch geordnet zu speichern, ohne dass diese im Nachhinein verändert werden können. Der große Vorteil der Blockchain ist die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Daten, dies hat nicht nur Vorteile für eine Währung, sondern kann auch andere Bereiche revolutionieren.

Landwirtschaft und Kunst

Die Technik wurde schon bei ICOs (Initial Coin Offerings) angewandt, im Jahr 2017 waren so insgesamt 5,3 Milliarden Dollar zusammengekommen. Unternehmen, die Kapital brauchen, können – ähnlich wie bei Aktien – digitale Token herausgeben. Die luxemburgische Bankenaufsicht CSSF hatte jedoch schon vor diesen ICOs gewarnt: “In diesem Zusammenhang gibt es klare Risiken. ICOs sind hochspekulative Investitionen, bei denen das gesamte Kapital verloren gehen kann.” Es hätte auch schon Betrugsfälle gegeben. Dennoch gebe es auch ICOs, die “legitime Investitionen” darstellen.

Es gibt aber auch finanzfremde Bereiche, in denen die Blockchain zum Einsatz kommen kan, wie zum Beispiel die Landwirtschaft. So kann jede einzelne Etappe in der Nahrungsmittelproduktion festgehalten werden und somit für immer nachvollziehbar sein. Der amerikanische Einzelhändler Walmart hatte dies mit Mangos getestet. Ohne Blockchain dauerte es sechs Tage, bis bekannt war, woher die Frucht stammte, mit der Blockchain hingegen nur 2,2 Sekunden.

Großes Interesse in der Industrie

Auch im Einzelhandel kann die Blockchain zum Einsatz kommen. So werden Online-Plattformen möglich, bei denen die Kunden direkt beim Hersteller kaufen können. Auch das gibt es schon heute. Bei OpenBazaar kann mit 50 verschiedenen Kryptowährungen bezahlt werden. Laut Ilnas hat die Plattform schon über 10.000 Produkte im Angebot.

Die Technik könnte aber auch die Energiewirtschaft verändern. Heute muss man sich an einen Stromanbieter wenden, um Strom zu kaufen oder zu verkaufen. Durch ein Peer-to-Peer-Netzwerk ist es aber möglich, dass Besitzer von Solaranlagen ihren überschüssigen Strom direkt und zu einem festgelegten Preis an den Endverbraucher verkaufen können.
Interesse der Industrie

In der Musikindustrie könnten auch die Vermittler wegfallen. Die Blockchain ermöglicht es den Künstlern nämlich, ihre Musik direkt an den Endkunden zu verkaufen, ohne eine Plattenfirma einzuschalten. Außerdem wird es so möglich, die Wahrung des geistigen Eigentums zu gewährleisten und die Gebühreneinnahmen direkt an die Rechteinhaber fließen zu lassen. “In der Industrie ist das Interesse groß”, meinte Ravi Jawahar. “In vielen Bereichen besteht die Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen.” Es sei aber wichtig, die Technik zu verstehen.

Das Whitepaper ist auf dieser Seite einsehbar.

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