Eine groß angelegte Drogenrazzia. Zahlreiche Festgenommene, die vor den Augen von Dutzenden Schaulustigen abgeführt werden. Die mutwillige Zerstörung mehrerer Bushaltestellen. Die brutale Attacke auf eine Frau, die mit einem Hammer angegriffen und lebensgefährlich verletzt wird. Sie ist nicht neu, die Diskussion um das Thema Sicherheitsgefühl in der zweitgrößten Stadt unseres Landes. Sie ist bloß neu entbrannt, da sie in den vergangenen Tagen reichlich Nahrung erhielt. Viele Escher stellen sich gegenwärtig die Frage, wie es um die Kriminalität und Gewaltbereitschaft in ihrer Stadt bestellt ist. Die Hemmschwelle sinkt. Das ist aber nicht einzig und allein in Esch der Fall, sondern landesweit.

Die “Minettemetropole” war schon immer ein Schmelztiegel. Die Stadt war stets geprägt von einer starken Immigration. Das Multikulturelle ist Teil ihrer Identität und ihres Reichtums. Seit dem Jahreswechsel leben hier mehr als 35.000 Menschen auf 14,35 Quadratkilometern. Menschen verschiedener Ethnien und Nationen treffen aufeinander. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 12 Prozent und somit weit über dem Landesdurchschnitt. Soziale Gräben tun sich auf. Arbeits- und Perspektivlosigkeit hier, Konsumgesellschaft und Wohlstand dort.

Was Esch braucht, ist ein neues Image. Ein Image, das einer Stadt, die von ihrer Architektur her einen urbanen Charakter hat, auch würdig ist. Mit einer Fußgängerzone, die nicht nur die längste hierzulande ist, sondern auch weniger Leerstand aufweist. Und Studenten, die der Stadt endlich neues Leben einhauchen. Speziell abends, wenn die Bürgersteige hochgeklappt werden. Potenzial ist demnach reichlich vorhanden.

Dann ist da das eingangs erwähnte Sicherheitsgefühl. Es scheint irgendwie abhanden gekommen zu sein. In Luxemburg-Stadt sind gegenwärtig 74 Überwachungskameras im Einsatz, vor allem an den sogenannten Hotspots. Die Überwachung wird ausgeweitet werden, obwohl sie umstritten ist. In Esch würde es vielleicht reichen, die Polizeipräsenz zu verstärken. In der Regel kommen 24 Beamte auf 35.000 Einwohner. Mehr Patrouillen gleich mehr Sicherheitsgefühl? Der Ruf danach wird auf alle Fälle lauter.

Gut ist es, über all das zu reden. In den Bürgerversammlungen und den öffentlichen Foren, wo es darum geht, die Probleme anzusprechen und nichts zu beschönigen. Die politisch Verantwortlichen tun ebenfalls gut daran, nah an den Bürgern zu sein und ein offenes Ohr für deren Anliegen zu haben. Ein Übertünchen von Problemen hilft da nicht. Im Oktober vergangenen Jahres bekam die alte Koalition von den Eschern die Quittung dafür, dass sie jahrelang wegsah oder einfach nur zuschaute.

Die Zeit drängt. Der Stadt bietet sich bekanntlich eine echte Chance: 2022 ist sie Kulturhauptstadt Europas. Dann blickt ganz Europa nach Esch. Es ist die Gelegenheit schlechthin. Nicht nur Esch, sondern eine ganze Region kann davon profitieren. Wobei bis dahin alles perfekt geplant sein muss. Doch das steht auf einem anderen Blatt. Esch wird die Lokomotive sein. Und der abgedroschene Slogan “Es gibt viel zu tun, packen wir es an” hat mehr Aktualität denn je.

Denn eines ist klar: Es reicht nicht, gegen den Hundekot vorzugehen, die Straßenbeläge zu erneuern und modernere Abfalleimer aufzustellen. Die sozialen Probleme müssen konsequent angepackt und gelöst werden. Taten statt Worte demnach. Was es noch braucht, ist ein Mentalitätswandel aller Bürger und eine andere Wertschätzung des Einzelnen. Und das hat auch etwas mit Erziehung und Respekt zu tun. Es gibt schließlich noch Alternativen zum klassischen “Law and Order”.

3 Kommentare

  1. Es gibt Städte,sehr viel größere als Esch,nehmen wir einmal Zürich,in denen kaum Hundekot und kaum Vandalismus oder Junkies oder Bettler anzutreffen sind. Das hat sicher mit dem Kulturniveau zu tun.
    Bildung und soziale Gerechtigkeit(minimale) spielen hier eine große Rolle. Wer Menschen aufnimmt,die aus den untersten sozialen Milieus kommen,muss diese Menschen auch “auffangen” und sie nicht sich selbst überlassen.
    Ob das nun Einwanderer sind oder “gescheiterte Existenzen” (Unwort aber wahr),das Problem bleibt dasselbe.
    Ein Jugendlicher aus Afrika oder Afghanistan,der “alles” gesehen hat (boysoldiers lernen mit 13 wie man die Machete bedient) wird nicht zögern sich hier zu nehmen was er braucht wenn er es nicht bekommt. Aber man braucht nicht ins Ausland zu schauen,die Probleme kommen auch aus unseren “Gefilden”. Zerrüttete Familien,Alkoholprobleme,Armut und ein Mindestmaß an Testosteron können schon mal eine Bushaltestelle zerlegen oder einen Passanten. Wir dürfen nicht mehr wegschauen.Wer eine Ungerechtigkeit nicht öffentlich anprangert,macht sich schuldig. So ähnlich äussert sich T.Jefferson. Das war ein ganz anderer Amerikaner als “The Donald” Trump.

  2. Hier sind die Politiker gefordert. Es heisst hinsehen und handeln und die Gefühle ( Ängste , Verunsicherung ) der “normalen ” Bürger ernst nehmen und nicht versuchen sie wegzurationalisieren.
    Die Wertschätzung des Einzelnen beginnt in der Familie und sollte ein fester Bestandteil der Erziehung in den Schulen sein. Wenn wir diesen Mangel an gegenseitigem Respekt nicht in den Griff bekommen, werden noch schlimme Zeiten auf uns zukommen. Der Bürger hat nicht nur Rechte, er hat auch Pflichten, insbesondere moralischer Natur.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here