Vor genau zwölf Tagen wurde ein 51-jähriger Niederländer bei einer Polizeikontrolle in Luxemburg-Bonneweg an der Ecke rue des Ardennes, rue Sigismond durch eine Kugel tödlich verletzt. Der Mann hatte versucht, eine Polizeiblockade zu durchbrechen. Nach wie vor herrscht aber Funkstille von offizieller Seite.

Es ist demnach nicht verwunderlich, dass die Gerüchteküche heftig brodelt – zumal immer neue Augenzeugen in Erscheinung treten. Augenzeugen, die gesehen haben wollen, dass bereits in der rue des Ardennes Schüsse auf den schwarzen Mercedes abgegeben worden seien, dies einige Augenblicke bevor der Fahrer versuchte, die besagte Polizeisperre zu durchbrechen, und dabei auf einen der Beamten zuhielt. Zudem soll ein Polizist, der den Wagen zu Fuß verfolgte, versucht haben, die Beifahrertür zu öffnen, um ihn zu stoppen.
Oder aber Augenzeugen, die gesehen haben wollen, dass der Wagen an dem besagten Tag mehrfach um den Block fuhr. Und der Fahrer dabei aussah, als mache er sich “große Sorgen”, wie es Carlo Maller dem Tageblatt und RTL Radio Lëtzebuerg gegenüber formulierte. “Sein Blick war total komisch. Auf mich wirkte er, als mache er sich große Sorgen oder als ob etwas nicht in Ordnung sei.”

Die “Inspection générale de la Police” (IGP), die im Begriff ist, die Ermittlungen durchzuführen, scheint irgendwie nicht richtig voranzukommen. Wie anders soll man den Aufruf verstehen, dass sie nach weiteren Augenzeugen sucht und die Personen bittet, die etwas zur Rekonstruktion des Tathergangs beitragen können, sich bei ihr zu melden?
Die IGP, die so etwas ist wie die Polizei der Polizei, hat in dem Zusammenhang alle beteiligten Polizeibeamten befragt. Doch scheinbar sind diese Aussagen nicht ausreichend und nicht komplett genug, um nachzuvollziehen, was am Nachmittag des 11. April wirklich passierte. Es geht dabei eindeutig nicht nur ums Rekonstruieren, sondern auch darum, inwieweit der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war oder nicht. Und ob der Beamte rechtens oder anders formuliert in Notwehr gehandelt hat.

Der letzten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft war zu entnehmen, dass eine der Kugeln tödlich war. Es gibt aber bislang keine Angaben dazu, wie viele Schüsse abgegeben wurden. Und auch diesbezüglich ranken sich Gerüchte. Augenzeugen haben unterschiedliche Angaben gemacht, sodass die Frage im Raum steht, ob drei oder vier Schüsse abgegeben wurden. Oder waren es deren gar fünf? Es gibt auch keine Antwort darauf, ob nur einer oder mehrere der Beamten geschossen haben. Offen ist nach wie vor auch die Frage, warum der Mann überhaupt kontrolliert wurde. Wobei es sich um eine Routinekontrolle gehandelt haben soll. “Une patrouille de police était présente hier à Bonnevoie pour un contrôle de routine dans un tout autre contexte”, heißt es im Kommuniqué.

In der Drogenszene kein Unbekannter

Bekannt ist, dass der Mann im schwarzen Mercedes ein 51-jähriger Niederländer mit Wohnsitz in Deutschland war, genauer in der Gemeinde Körperich im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Hierzulande bestand ein Fahrverbot gegen ihn. Aufgefallen ist er zudem wegen einer Reihe von Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung. Der Mann ist alles andere als ein unbescholtener Bürger. Unseren Informationen zufolge soll er einschlägig in der hiesigen Drogenszene bekannt sein. Vielleicht hatte er gerade Drogen bei einem Kunden abgeliefert. Oder aber wartete er auf einen “Termin”, um den Stoff abzuliefern? Das könnte erklären, warum er mehrfach um den Block fuhr. Aber all das sind Spekulationen und Mutmaßungen.
Unseren Informationen zufolge ist der 51-jährige Niederländer vorbestraft. Ihm werden ebenfalls Diebstahl und Hehlerei zu Lasten gelegt. Der Mann mit dem schwarzen Mercedes war, und das ist Fakt, alles andere als ein Unschuldslamm. Und nach der Scheidung von seiner Ehefrau drohte er ihr, das gemeinsame Haus in Brand zu stecken.

RTL-Informationen zufolge soll die Polizei aus Bitburg zudem die Kollegen aus Luxemburg um Hilfe gebeten haben, um ihn dingfest zu machen. An den Gerüchten, dass der Mann Kontakte zu einem Netzwerk mit radikalen Islamisten unterhielt, ist nichts dran.
Gerüchte entstehen halt. Einerseits, weil nach wie vor Funkstille von offizieller Seite herrscht und der Informationsfluss mehr als dürftig ist. Andererseits können Gerüchte auch bewusst gestreut werden, um von Dingen abzulenken. Von Dingen, die beispielsweise aus dem Ruder liefen. Der flüchtige Fahrer hatte Augenzeugen zufolge versucht, die Polizeiblockade zu durchbrechen, und dabei auf einen Polizeibeamten zugehalten. Der zückte die Dienstwaffe und handelte scheinbar in Notwehr. Fakt ist, es fielen Schüsse. Und eine Kugel war tödlich. Es hält sich auch das Gerücht, dass Polizeibeamte sofort nach dem Vorfall zu anwesenden Augenzeugen “Dir hutt näischt gesinn!” sagten.

Auch die größte Oppositionspartei interessiert sich mittlerweile für den Vorfall in Bonneweg. Die CSV sieht es als notwendig an, dass sowohl der Polizei- als auch der Justizminister in den zuständigen Chamber-Kommissionen erörtern, wie die Polizei in ihrer Arbeit besser unterstützt und wie bei solchen Vorfällen (Anm. d. Red.: gemeint ist auch der Vorfall in Lausdorn, bei dem ein Polizeibeamter in der Nacht vom 13. zum 14. April ums Leben kam) besser kommuniziert werden kann. “Les récents évènements ont ensuite montré – et cela a été critiqué à raison par la presse – que l’information du public n’est pas à la hauteur des attentes legitimes de la population. Cela laisse malheureusement de la place pour les spéculations les plus diverses.”

7 Kommentare

  1. hm…es würde der Exekutive sicher helfen, wenn der Bürger sich mal einfach so, aus freien Stücken, an die Gesetze halten würde, die es schon gibt. So wie er sich an einige aus Selbestverständnis schon hält: er mordet nicht, stiehlt nicht, und tut auch sonst nix, was andere ihm nicht antun, was klar von allen aktzeptiert in demokratisch ausgearbeitete Gesetze geflossen ist, und als Straftat gilt. Oder als Ordnungswiedrigkeit.
    Kurz: Ich wünsche mir echt eine Exekutive, die sich nur um echte Extremisten kümmern müsste.
    Und in diesem Zusammenhang möchte auch ich nicht, daß das Auto in erste Linie als Tötungsmaschine wahrgenommen wird. Weder brutal offen, schnell und rücksichtslos, noch verschleiert schleichend, flüchtig wie Abgase, Spekulation.
    Wie auch immer der Tatbestand, der Artikel heist ja “Gerüchte über Gerüchte”
    Ich hoffe, die Beamten werden richtig gut und intensiv darin geschult, den Unterschied zwischen einem alltäglichen, gesitteteten und unaffälligen Rowdie, und einem nicht sehr alltäglichen Terroristen zu machen. Manche Verhaltensmuster sind für mich, ungeschult und unbewaffnet, jedenfalls wirklich schwer zu unterscheiden.

    • Tja, lieber Aender T. auch ein Beamter sei er noch so erfahren und noch so gut geschult, vermag es leider nicht immer hinter die Fassade verschiedener Menschen zu sehen.

      • 🙂
        Raser auf der Flucht? Raser aus Sucht?
        Beide eigentlich krank…
        oder nur Kriminelle, die sich nicht verstecken?
        Sich vielleicht gegenseitig ungewollt decken?
        Oder etwas niedlicher: wenn alle Schafe schwarz sind, haben wir eben mehr schwarze Wolle…

  2. Wieso werden bei solchen Fällen nicht gemeinschaftliche Pressemitteilungen abgehalten wie es z.B. bei unseren Nachbarn der Fall ist? Da steht die Staatsanwaltschaft und die Polizei den Journalisten Rede und Antwort. Dann kämen nicht so viele Gerüchte auf denn hier im Lande ist jeder nach wie vor der Meinung, dass man in Luxemburg alles “verschönert” resp. unter den Teppich gekehrt wird und was es nicht geben darf, gibt es eben nicht.

  3. Wieso denken Sie, Herr Graaf, dass die IGP nicht richtig vorankommt, nur weil sie alle Augenzeugen befragen will? Dieser Aufruf und die Befragungen zeigen mir lediglich dass die IGP eine gründliche Arbeit abliefern will.

  4. Wer sich ein wenig in diesem Bereich (Dernier Sol, rd.- Ardennes etc.) umsieht, am frühen Morgen und spät abends,( und zu Fuss bitte!) kriegt so richtig einen Einblick in einige der verrufensten Strassen Bonnewegs: Drogendealer, Drogen- und Alkoholabhängige, Hehler, Sektenfanatiker, Prostituierte, illegale Einwanderer die kein Asyl anfragen möchten, etc. etc.

    Wie es da aussieht wissen auch Politiker aller couleur, die in Bonneweg wohnen.

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