Das Museum “A Possen” in Bech-Kleinmacher ist eines von 65 Regionalmuseen im Land, die städtischen nicht mitgerechnet. Sein Alleinstellungsmerkmal: Es ist das einzige, das auf circa 1.200 Quadratmetern einen tiefen Einblick in die Arbeits- und Lebensgewohnheiten der Moselbewohner im 19. und frühen 20. Jahrhundert gibt. Das Museum mitten im Dorf wartet nicht auf Besucher, es geht zu ihnen hin.

Auf Besucher zu warten, liegt nicht in der Natur von Nathalie Biever-Leruth. Die 44-Jährige führt seit dreieinhalb Jahren die Geschäfte des Museums an der Mosel und will es “pushen”. In jedem Zimmer öffnet sich eine andere Welt. Von Küferwerkstatt bis Milchküche oder historischem Spielzeug und einem alten Holzbett mit Baldachin aus dem Grosbouser Schloss wurden hier über Jahrzehnte Alltagsgegenstände zusammengetragen, die zu Luxemburgs “Patrimoine” gehören.

Mit durchschnittlich 3.000 bis 5.000 Besuchern pro Jahr ist das Ende nach oben noch offen. 8.000 Euro Marketing-Budget lassen nicht viele Optionen der professionellen Bewerbung offen, da müssen Ideen her. Zumal das Museum dem Ansatz des Premiers und Kulturministers Xavier Bettel entspricht, Kultur für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu machen, wie er unlängst erneut öffentlich betonte. Bisher ist von einer Erhöhung des Werbeetats noch nichts in Sicht, deshalb gibt es den “Museumskoffer”.

“Patrimoine” besser bewerben

Das große lederne Ungetüm aus dem letzten Jahrhundert steht gleich am Eingang des Museums. Aufgeklappt zeigt es Porzellanpuppen, “Bomis” Teppichklopfer, die Vorläufer von wieder in Mode gekommenen Puzzles aus Holzwürfeln, ein hölzernes Modell zur Herstellung von Schuhen oder einen alten Wasserkessel aus Blech. Insgesamt sind es 40 Objekte. Wer will, kann ihn mieten und holt sich das Museum ins Haus. Für ältere Menschen lebt in diesen Momenten die Kindheit auf.

Ein schwer dementer Heimbewohner, der nicht mehr sprach, roch an dem Spielzeugzug und sagte unvermittelt: “So einen hatte ich auch.” Das Aha-Erlebnis ist nicht nur seinen Heimmitbewohnern in bleibender Erinnerung. Gleichzeitig zeigt diese Geschichte eine der Zukunftsaufgaben. Senioren und Schulkinder – zwei Klassen sind es momentan pro Woche – machen einen Großteil des Publikums aus.

Mit der Mischung aus Folklore – der Fokus liegt auf antiquarischen Spielsachen – und Wein trifft die jährlich neu zusammengestellte Sammlung zwar den Nerv dessen, was sich der “Service des sites et monuments” auf die Fahne geschrieben hat. Größere Besucherströme anderer Altersklassen bleiben jedoch (noch) aus. Trotzdem lässt Biever-Leruth keinen Zweifel am Sinn und Zweck der Einrichtung, welcher der Staat mit dem Ankauf der sieben historischen Häuser 1993 unter die Arme gegriffen hat. “Das sind unsere Wurzeln, die hier zu sehen sind”, sagt die Direktorin, “dieses kulturelle Erbe muss für die nächsten Generationen erhalten werden.”

Ein Kleinod

Kinder wundern sich, wie ihre Altersgenossen früher ohne jegliche Elektronik und vor allem meist draußen miteinander und nicht alleine gespielt haben. Spätere Generationen werden sich angesichts der fortschreitenden Digitalisierung noch mehr wundern. “Unser Thema ist zeitlos”, sagt Biever-Leruth.

Das Museum mit Tausenden erworbenen und geschenkten Exponaten ist ein Kleinod und wird weiter ausgebaut. Denn neben dem Alltagsleben – im Possenhaus ist es von der Geburt über Taufe und Kommunion bis zum Tod nachzuverfolgen – gibt es an der Mosel ein anderes wichtiges Thema: den Wein. Diesem ist zwar schon ein Raum gewidmet, aber es sollen mehrere werden. Einmal fertig wird dann eine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls im Umbau befindlichen Weinmuseum in Ehnen angestrebt. “Touristen-Packages” sollen den Besuch beider Häuser anbieten.

Bis dahin gibt es hoffentlich eine Beschilderung, die den Namen verdient. Auf das Kleinod weist außer im Dorf selbst nichts hin. Man findet es schlichtweg schlecht oder gar nicht.

1 Kommentar

  1. Ich kenne dieses Museum persönlich und ich weiss auch ein bisschen woran es hapert. Zuerst an der Werbung! Es liegt an einer Dorfstrasse wo praktisch nur Einheimische nutzen. Daneben gibt es auf zirka 150 Metern eine Paralelstrasse die von zehntausenden wenn nicht hunderttausenden von Touristen im Jahr befahren wird. Im Ausland gibt es da grosse Beschilderungen die auch sehr wirksam sind, aber für dieses Museum gibt es praktisch gar nichts! Und somit dümpelt dieses ganz interessante Museum in Dornröschenschlaf vor sich hin! Das Potential ist enorm, die Nutzung dieser Stätte ist aber null, null und nochmals null! Dann gibt es meiner Kenntnis nach, Privatleute die sich da in der Verwaltung einmischen und Bremsklötze in den Weg legen! Das Restaurant welches schon von mehreren Betreibern ohne Erfolg betrieben wurde, obschon dasselbe auch ein super Potenzial hat mit seiner wunderschönen Terrasse und dem Ess-Saal, wird auch durch unmögliche Auflagen abgebremst! Es wird höchste Zeit dass der Staat da etwas konkretes unternimmt in Punkto Werbung und Management. Dieses Museum ist eine wunderschöne Perle unserer Moselgegend die in einer dunklen Schublade aufbewahrt wird anstatt ans helle Licht geführt zu werden! Es ist sehr schade für den unermüdlichen Einsatz des Personals welchem durch Missmanagement den verdienten Erfolg gestohlen wird!

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