Die Deutsche Börse Group baut bis 2021 bei ihrem Luxemburger Tochterunternehmen Clearstream 212 Stellen ab. “Insgesamt geht es um 176,8 Vollzeitstellen”, erklärt Martin Halusa von der Deutschen Börse gegenüber dem Tageblatt. Darunter seien aber auch Stellen, die sich mehrere Mitarbeiter teilten. Viele der Stellen sollen durch “natürliche Fluktuation” – also Pensionierungen – und mit anderen “sozial verträglichen Lösungen” abgebaut werden. Clearstream ist ein Unternehmen, das Börsengeschäfte abwickelt und Wertpapiere verwahrt.

Der Grund für den Stellenbau ist das “Voranschreiten der Digitalisierung” in der Industrie. “Gerade eine Börse ist ein sehr digitales Unternehmen”, sagt Halusa. “In unserer Branche merkt man technische Weiterentwicklungen sofort.” Der Stellenabbau sei bereits in der “Roadmap 2020” angekündigt worden. In dem Strategiepapier hatte das Unternehmen bereits im Mai dargelegt, dass Robotik und Automatisierung vor allem bei arbeitsintensiven Abläufen für mehr Effizienz sorgen sollen.

Irland und Tschechien statt Luxemburg 

Aber nicht nur Roboter sind schuld am Arbeitsplatzverlust in Luxemburg. Hinzu kommt auch eine “Externalisierung” der Geschäfte – also das Verlegen von Arbeitsplätzen an andere, günstigere Standorte. “Es werden in Zukunft insgesamt mehr Menschen in der Gruppe Deutsche Börse arbeiten als vorher”, sagt Halusa. Das Unternehmen habe schon früher erklärt, seine Standorte im irischen Cork und im tschechischen Prag auszubauen. Insgesamt bleibt das Großherzogtum aber laut Halusa weiterhin ein starker Standort für die Deutsche Börse Group. “Es werden auch künftig rund 1.000 Mitarbeiter in Luxemburg arbeiten”, sagt er. Die Arbeitskosten in Irland liegen laut Eurostat 18 Prozent unter dem Luxemburger Niveau. Die in Tschechien 70 Prozent.

Die Gewerkschaften nehmen den Stellenabbau mit Bedauern zur Kenntnis. “Dem Unternehmen Deutsche Börse geht es gut”, sagt Lena Batal vom OGBL. Insgesamt erwirtschafte das Unternehmen 1,5 Milliarden Euro Gewinn. “Dennoch werden so viele Menschen entlassen.” Gemeinsam mit Aleba und LCGB habe man versucht, möglichst vielen der Betroffenen die Frühverrentung zu ermöglichen. Bei den Externalisierungen seien den Gewerkschaften die Hände gebunden. “Wir können das nur bekannt machen”, sagt Batal. “Wir können einen Arbeitgeber leider nicht dazu zwingen, in Luxemburg zu bleiben.”

Ist Clearstream erst der Anfang?

Roberto Mendolia, der die Bankengewerkschaft Aleba bei den Verhandlungen über den Sozialplan vertreten hat, fürchtet, dass die Stellenstreichungen bei Clearstream nur der Beginn sind. “Ich habe diese Entwicklung schon vor Jahren erwartet”, sagt er. Seit langem sei bekannt, dass bestimmte Jobs der Automatisierung zum Opfer fallen werden. Wie viele Stellen in Luxemburg insgesamt gefährdet sind, sei jedoch schwer zu beurteilen.

Drei Unternehmenszweige von Clearstream in Luxemburg sind vom Stellenabbau betroffen: Clearstream International, Clearstream Banking und Clearstream Services.

 

2 Kommentare

  1. Im gesamten Finanzdienstleistungsbereich in Luxemburg werden noch viele Arbeitsstellen im Zuge der Automatisierung wegfallen in den kommenden Jahren, leider ist dem so; auch Auslagerungen in andere Billiglohnländer sind zu erwarten, es wird also zu Stellenabbau kommen im Finanzsektor…..

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