Eine Weltreise im Miniaturformat bot sich interessierten Besuchern am Wochenende in den Kirchberger Ausstellungshallen. Die Luxemburger Post und der Dachverband der Briefmarkensammlervereine FSPL luden zu einem Erlebnis der besonderen Art ein: der Multilaterale 2019.

Von André Feller

Dabei stand nicht nur die europäische Zusammenarbeit deutschsprachiger Philatelistenverbände im Mittelpunkt, sondern auch die reichhaltige Geschichte des Großherzogtums, dokumentiert durch unzählige postalische Belege und Briefmarken und nicht zuletzt durch eine Sonderausgabe von drei Briefmarken vom 8. November. Ein Briefmarkenblock in Form einer luxemburgisch-österreichischen Gemeinschaftsausgabe erinnerte an die Zeiten des Kaisers Karl V., als er vor 500 Jahren zum Herzog von Luxemburg und Erzherzog von Österreich wurde. Der Architekt und Urban Sketcher Arnaud De Meyer gestaltete die Gemeinschaftsausgabe Luxemburg-Gibraltar, zwei Wertmarken mit Zeichnungen der Luxemburger Kasematten und der Great Siege Tunnels, einer massiven Tunnelanlage im nördlichen Teil des Felsens von Gibraltar. Last, but not least stellte die polnische Künstlerin Agata Tobolczyk mit ihrem Postwertzeichen das neue wirtschaftliche Standbein des Großherzogtums dar: das Space Mining.

Die rund 80 Aussteller, darunter etliche Jugendliche, dokumentierten bestimmte Fachgebiete anhand der gezahnten Bilder und Stempel. Die Forschungsarbeiten einer einzelnen Briefmarkenausgabe, wie beispielsweise der Wappenausgabe Luxemburgs von 1858-1880, sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Dabei geht es um Druckverfahren, Papiersorten, Abarten, Druckfehler u.v.m. Die beiden Luxemburger Philatelisten Marc Schaack und Olivier Nosbaum haben zu dieser Thematik kürzlich ein Buch veröffentlicht.

Die thematische Philatelie und die Ausstellung von allen möglichen Post- und Ansichtskarten durfte auch das Interesse des einen oder anderen Nicht-Philatelisten geweckt haben. Peter Kugler aus Österreich stellte „merkwürdige Briefe und Postwertzeichen“ aus. Darunter Raritäten wie etwa thailändische Briefmarken mit integriertem Reissamen unter dem Titel „Vorsicht nicht Gießen“. Oder wie wäre es mit etwas ungarischer Schärfe? Auch kein Problem, die ungarische Post brachte dank Nanotechnologie in den Druckverfahren Briefmarken mit ungarischer Paprika auf den Markt – Geschmack und Geruch inklusive.

Philatelie 4.0: Zukunft Crypto Stamp?

Im Juli dieses Jahres brachte die österreichische Post die erste Crypto Stamp auf den Markt und läutete damit das Kapitel Philatelie 4.0 ein. Der auf der Briefmarke aufgedruckte QR-Code führt zu einer elektronischen Geldbörse auf der Ethereum-Blockchain, das die digitale Version der Briefmarke enthält. Ausländische Medien berichten über den Hype dieser Marke. Die fünf verschiedenen Varianten (Rot, Gelb, Blau, Grün, Schwarz) sind unterschiedlich selten, beim Kauf ist dies jedoch nicht erkennbar. Bei Ebay und anderen Handelsplattformen werden die Cryptomarken zu horrenden Preisen von 20.000 Euro und zeitweise mehr angeboten.

Die Philatelie scheint demnach auch in Zukunft salonfähig zu bleiben, auch wenn es lange dauern wird, bis wieder eine hochrangige Multilaterale-Ausstellung in Luxemburg stattfinden wird. Der Besuch dieses einzigartigen philatelistischen Ereignisses hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wo sonst kann man in drei Tagen Welt- und Wirtschaftsgeschichte sowie Kultur kurz und kompakt an einem Ort kennenlernen und sich mit Themen wie dem Radsport, Kaffee, Textil-Industrie oder der Entstehung und Entwicklung des Europarates befassen, um nur diese vier von 80 Themen zu zitieren?

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here