Von Rowan Assel

Arzt zu werden, ist für viele ein Traumberuf. Um diesen ausüben zu dürfen, muss allerdings einer der schwierigsten und längsten aller Studien absolviert werden. Die Uni Luxemburg bietet seit zehn Jahren das erste Jahr des Medizinstudiums an. Was bisher jedoch fehlte: eine Form von Begleitsystem für die Studenten.

Das erste Jahr des Medizinstudiums in Luxemburg bietet wesentliche Vorteile im Gegensatz zu den Nachbarländern. In Frankreich, Belgien und Deutschland befinden sich bis zu 2.000 Studenten im ersten Jahrgang. In Luxemburg hingegen sind höchstens 110 Plätze verfügbar. Diese viel kleinere Menge bietet eine ganz andere Vorgehensweise und wesentlich bessere Arbeitsbedingungen.

Trotzdem bleibt es auch hierzulande ein besonders schwieriges Jahr. Die Jugendlichen müssen sich nicht nur an das neue Studentenleben gewöhnen, sondern obendrein auch noch die hohen Anforderungen des Medizinstudiums erfüllen. Es ist ein Wettbewerb. Nur die Besten kommen ins zweite Jahr. Dieses wird von der Uni Luxemburg nicht angeboten. Das soll sich 2020 ändern. Die ersten drei Jahre sollen dann hierzulande ermöglicht werden. Bis dahin werden 34 Studenten nach Frankreich und drei nach Deutschland ins zweite Jahr geschickt. Die Studenten, die nicht unter den Besten sind, müssen das Jahr wiederholen.

Zusätzlich ist das erste Jahr – im Gegensatz zu den Nachbarländern – weniger selektiv. Von den diesjährigen 95 Studenten werden die 37 Besten weiterkommen, also ungefähr jeder Dritte. In Frankreich hingegen wird nur rund ein Siebtel angenommen. Aus diesem Grund zieht die Uni Luxemburg Studenten aus der ganzen Welt an. Jean-Baptiste Rosselet und Hugo Tamburini, die Gründer von Asemes, haben die Vorteile, die Luxemburg bietet, erkannt. Tamburini hat selbst das Medizinstudium in Frankreich absolviert und kennt sich mit den Schwierigkeiten des ersten Jahres gut aus.

Anspruchvolles Studium

Um die Schüler auf dieses hochselektive Studium vorzubereiten, gibt es in Frankreich sogenannte “Prépas”. Dort bekommen sie zusätzlich Unterricht. In Luxemburg gab es eine derartige Begleitung bislang nicht. Die jungen Unternehmer Rosselet und Tamburini haben daher entschlossen, ein Begleitsystem zu gründen: die Asemes (“Académie de soutien aux études médicales et supérieures”). Ziel dieser Akademie ist es, die jungen Studenten nicht nur auf einer pädagogischen, sondern auch auf einer psychologischen Ebene zu unterstützen. Denn auch der psychische Druck während des ersten Jahres ist nicht zu unterschätzen. Um dies zu ermöglichen, war es den Gründern wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Studierenden wie zu Hause fühlen.

Schon beim Betreten des Büros sticht einem die gemütliche und angenehme Umgebung ins Auge. Hierfür arbeiteten sie speziell mit einer Interieurdesignerin zusammen. Die Räumlichkeiten bestehen aus einem offenen Klassenzimmer, der allerdings wenig mit einem herkömmlichen Schulsaal zu tun hat. Tische und Stühle können je nach Belieben umgestellt werden. Daneben befindet sich eine gemütliche Sofaecke. Das Büro der beiden Gründer ist lediglich mit einer Glaswand abgetrennt, sodass eine Kommunikation stets möglich ist. Auch die Lage des Büros war den Unternehmern besonders wichtig. Die Studenten sollen keine Zeit mit langen Transportwegen verlieren. Deshalb befindet sich die Akademie nur 500 Meter von der Universität entfernt.

20 Lehrkräfte

Wenn sie ein gewisses Thema im Universitätskurs nicht verstanden haben, wird dieses in der Akademie nachgeholt. Dafür haben die zwei Unternehmer bestmögliches Lehrpersonal engagiert. Dieses besteht aus insgesamt 20 gelernten Pädagogen, Ärzten, Apothekern, Lehrern und Medizinstudenten. Unter dem Lehrpersonal befindet sich der Biologe, Arzt und Apotheker Dr. Pierre Magnier. Der hochqualifizierte Arzt sollte ursprünglich nur sechs Stunden unterrichten, hat aber am Ende des ersten Semesters insgesamt 90 Stunden gehalten. “Es war uns wichtig, dass wir neben der Leitung auch persönlich am Projekt beteiligt sind”, so die zwei Gründer der Akademie. Rosselet, der einen Masterstudienabschluss in Bildung hat, und Tamburini, ein ausgebildeter Apotheker, können ihre Fachkenntnisse im pädagogischen und medizinischen Bereich einsetzen.

Unterricht wird drei Mal pro Woche angeboten, doch Studierenden steht das Büro die ganze Woche über zum Lernen zur Verfügung. “Die Öffnungszeiten sind sehr flexibel, Studenten können kommen und gehen, wann auch immer sie wollen. Wir selbst haben sogar schon hier geschlafen.” Zusätzlich zum Unterricht in der Akademie haben sie die Möglichkeit, die Lehrer rund um die Uhr per E-Mail oder SMS zu kontaktieren. Dadurch soll ihnen jederzeit ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen. “Inzwischen helfen sich die Gruppenmitglieder oft gegenseitig”, erzählt Tamburini.

Als die Asemes im vergangenen September eröffnet hat, haben sich drei Studenten eingeschrieben. Mittlerweile hat sich der gute Ruf der Akademie herumgesprochen – nun sind es bereits zehn. “Eine geringe Anzahl an Studenten ermöglicht es, diese persönlicher und besser zu betreuen”, so lautet die Philosophie der Akademie.

 

1 Kommentar

  1. Aus diesem Artikel geht hervor, zwischen den Zeilen, aber offensichtlich genug, zu welch mieser Qualität das Abitur verkommen ist. Ist es denn vertretbar, dass die Schüler ihre Zeit im Lycée verplempern, um dann als Studenten der Wahrheit ins Auge zu schauen?

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