Im Rahmen der aus Belgien kommenden Schweinepest-Bedrohung organisierte das Landwirtschaftsministerium am Donnerstag eine groß angelegte Jagdaktion im Raum Küntzig, die am Freitagvormittag fortgeführt wird. Dabei handelt es sich nicht um eine traditionelle Jagd, sondern um eine präventive Phase der Seuchenbekämpfung. Geschossen wurde in der im Vorfeld designierten „Zone blanche“. Die erste Bilanz: fünf erlegte Tiere sowie zwei gefundene Kadaver wanderten zur Inspektion ins Labor.

Von Laura Tomassini und Raphael Lemaire

Bereits seit vergangenem September ist sie quasi in aller Munde: die Seuche, die sich aus dem Baltikum Richtung Westen ausbreitet und Landwirte aus ganz Europa in Bangen versetzt. Das ASP-Virus – kurz für Afrikanische Schweinepest – stellt keine Bedrohung für den Menschen dar, die mit einer Epidemie verbundenen wirtschaftlichen Risiken sind dafür umso größer. In Luxemburg werden derzeit rund 90.000 Zucht- und Hausschweine gehalten. Im Falle einer Virusverbreitung auf großherzoglichem Territorium käme es zu einem Exportstopp von Schweinefleisch, der den ganzen Bauernsektor und die Fleischindustrie betreffen würde.

100 Jäger und 50 Treiber

Um dem entgegenzuwirken, war bereits im Februar letzten Jahres eine Task Force ins Leben gerufen worden, die einen Präventionsplan zur Abwendung einer Virusverbreitung auf luxemburgischem Boden entwerfen sollte. Eine der darin enthaltenen Maßnahmen war eine zweitägige Jagdaktion im XXL-Format. Zwischen 9.00 und 14.00 Uhr wurde am Donnerstag in erster Instanz die „Zone blanche“ um Küntzig großflächig von Jägern durchkämmt, um jeglichen Wildschweinbestand ausfindig zu machen und die Tiere auf Anordnung des Ministeriums zu erlegen.

Bevor der generelle Ablauf der Jagd anfing, wurden in der Nacht davor die Felder von Militärdrohnen überflogen, um Wildschweine zu lokalisieren. Eine Stunde vor Jagdbeginn trafen sich die rund 100 Jäger und 50 Treiber dann mit der Armee und der Straßenbauverwaltung, um die Details abzuklären. Koordiniert wurde die Aktion von Gemeinde-Förster Marc Gengler in Zusammenarbeit mit dem Jagdverband FSHCL. Dabei rückten auch belgische Jäger von der anderen Grenzseite des Schutzzaunes den Wildschweinen zu Leibe.

Etwa 30 weitere Schweine gesichtet

Am Vorabend der Jagd war FSHCL-Vizepräsident Jo Studers Erwartungshaltung allerdings eher gering. Es wäre seiner Meinung nach sehr schwierig einzuschätzen, wie viele Wildschweine sich momentan auf dem designierten Territorium befinden. Bestätigt wurde diese Aussage von einer ersten Bilanz, welche die anwesenden Jäger am Donnerstagnachmittag nach der Aktion ziehen konnten. Nur vier bis fünf Schweine wurden im Umkreis Küntzig-Hiwingen geschossen, ein weiteres nahe Petingen.

Sichtungen auf luxemburgischer sowie belgischer Seite zufolge befänden sich allerdings noch mindestens zehn Jungtiere sowie 20 erwachsene Wildschweine im Gebiet, sagte Studer. „Jeder Jäger hat einen Zettel erhalten, auf dem er ausfüllen sollte, zu welcher Uhrzeit und an welcher Stelle ein Tier gesehen wurde. Diese Berichte werden nun ausgewertet und mit den anderen abgeglichen, damit wir daraus einen Plan erstellen können“, erklärte der geübte Jäger. Je nach Resultat müsse man die Strategie für den Folgetag ändern, meinte Jagdpächter Ed Heischbourg. Es bestünde allerdings weiterhin das Risiko, dass trotz des errichteten Schutzzaunes infizierte Tiere aus Belgien nach Luxemburg gelangen können, da in der nahegelegenen Province de Luxembourg bereits ASP-Fälle gefunden worden waren.

Nicht die besten Voraussetzungen

Die Diskussion um den berüchtigten Zaun – die vor allem von Bürgermeister Michel Wolter in den ersten Monaten des Jahres angetrieben worden war – hielt Studer für berechtigt: „Sowohl wir Jäger als auch die Bauern haben von Anfang an von der Task Force gefordert, dass sie schneller agiert. Allerdings dauert die ganze Prozedur durch die ,simplification administrative‘ mindestens acht Wochen, was auch der Grund dafür ist, dass wir jetzt schon Juli sind und die Voraussetzungen für eine Jagd eher suboptimal. Im Februar hätte das ganz anders ausgesehen.“

Hitze, dichte Vegetation sowie die Nachtaktivität der Wildschweine gestalteten die Arbeit der Jäger als schwierig. „In anderen Ländern wurde bereits im Herbst gejagt, da kann man sich natürlich die Frage stellen, ob eine Jagd zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist. Momentan ist alles stark bewachsen und die Wälder sind voller Wild. Außerdem haben die Schweine nun Jungtiere dabei, die sich im Gebüsch verstecken“, lauteten die eher skeptischen Worte von Michel Wolter am Tag vor der Jagd. Diese fand ohne Hunde statt, um die anderen Waldbewohner zu schützen.

Gute Zusammenarbeit

„Sie könnten Rehkitze oder Hasen anfallen, das wollten wir vermeiden. Allerdings bewegen sich die Wildschweine, und mithilfe von Hunden wäre es weitaus leichter, die Tiere im Gestrüpp ausfindig zu machen“, sagte Studer. Bei der Gelegenheit verwies er auf Belgien, wo im Gegensatz zu Luxemburg das Nachtschießen bereits erlaubt sei, welches viel eher den Aktivitätszeiten der Wildschweine entspreche.

Trotz schwieriger Bedingungen sahen sowohl der Jagdverband als auch Félix Wildschutz die Jagdaktion als eine sinnvolle Sache. „Wir sind sehr überrascht über die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. Im Falle eines Ausbruchs des Virus wissen wir nun, dass die Koordination klappt und wir schnell reagieren können“, meinte der Direktor der Veterinärinspektion.

Positive Jagd in Tschechien

Die erlegten Wildschweine wurden aus Sicherheitsgründen zusammen mit zwei gefundenen Kadavern sofort von der Naturverwaltung weggeräumt und einzeln in Tüten verpackt. Von Küntzig aus ging es dann nach Mamer ins „Centre de collecte“, wo am Wochenende Proben im Labor entnommen werden. Diese werden von der Veterinärinspektion in Düdelingen analysiert und ausgewertet, so Wildschutz.

Am Dienstag soll Minister Romain Schneider dann eine definitive Bilanz der Jagdaktion ziehen. „Die Maßnahme hat im Ausland schon Früchte getragen. Tschechien hat es vorgemacht und der vom Landwirtschaftsministerium hinzugezogene Experte teilt die Sichtweise, dass einzig die massive Bejagung in betroffenen Gebieten hilft, die Ausbreitung des Virus zu verhindern“, erklärte Studer. Die so geschaffene „wildschweinfreie Zone“ sei eine Art Puffer, die (hoffentlich) vielen Landwirten größere Probleme ersparen könne.

Denn trotz des aktuellen Anscheins, dass das Virus sich eher in Richtung Norden ausbreitet, ist auch im Süden des Landes weiterhin Vorsicht angesagt. „Die heutige Jagd hat zwar in dem Sinne keine Ethik, allerdings tragen wir als Jagdverband eine Verantwortung und müssen unsere Wälder sauber halten“, meinte Studer abschließend.

7 Kommentare

  1. Die zwei gefundenen Kadaver…an Altersschwäche eingegangen oder an Schüssen, die ihr Ziel verfehlt bzw. nur in etwa getroffen haben? Erfährt man das?

  2. Wie lang ist die Grenze zu Belgien? Die beschränkt sich doch nicht nur auf den Raum Künzig, oder ? Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen! Eine gross angelegte Jagd auf die Widschweine mitten im Sommer ist nicht nur ohne Ethik sondern auch sinn-und verantwortlungslos. 50 Treiber und 100 Jäger! Sollte das Verhältnis nicht eher umgekehrt sein ? Hauptsache die Waidleute haben ihren Spass und es knallt.

  3. Schweine sind sehr kluge Tiere, die haben sich untereinander vorgewarnt. Bei der nächsten Jagd werden sich alle im Untergrund versteckt halten.

  4. Alles nur Panikmache.Die 2 gefundenen Kadaver sind natürlich an der Schweinepest eingegangen damit man die Treibjagd rechtfertigen kann.Was passiert eigentlich wenn der erste Wolf gesichtet wird?????????????
    Es gibt andere schwerwiegende Probleme die in dieser Nachhaltigkeit angegangen werden müssten!!!!!!!!!

  5. Unverständlich, dass in einem hochentwickelten Land das Thema Nr 1 in Regierung und Parlament die Jagd ist.

    Man könnte meinen wir würden im Département des Forêts vor 200 Jahren leben.

    Und das alles wegen der hysterischen Panikmache der Jagdföderation vor Fuchs, Wildschwein und bald auch Wolf.

    Dabei geht es nur um das Hobby einer begüterten Clique .

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