Mitglieder der „Entente Mine Cockerill“ wollen sich für die Erhaltung der Industriegebäude auf den Brachen „Terre-Rouge“ und Esch-Schifflingen einsetzen. Interessierte Bürger werden zur Mitarbeit aufgerufen.

Am vergangenen Freitag stellte die “Entente Mine Cockerill”, die den gleichnamigen Grubenstandort im “Ellergronn” mit viel persönlichem Engagement retten konnte und im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte mit viel Arbeit und Herzblut liebevoll restauriert hat, ihr Buch zum 25-jährigen Bestehen der Vereinigung vor. Im Rahmen dieser Vorstellung kündigte Präsident Heng Clemens an, dass die Mitglieder der Entente sich zusammen mit anderen Interessierten für die Erhaltung und Neunutzung der Industriegebäude auf den Brachen Terre-Rouge und Esch-Schifflingen einsetzen wollen. Dabei will man ähnlich engagiert vorgehen, wie die “Amicale des hauts fourneaux A & B” es bereits bei den Hochöfen und der Gebläsehalle auf Belval getan hat.

In erster Linie gehe es nun darum, ein Inventar der noch bestehenden Industriesubstanz zu erstellen, sagte Clemens. Man wolle kein in Stein gemeißeltes Konzept vorlegen, sondern Denkanstöße und Diskussionsbeiträge für die Erstellung eines möglichen Masterplans liefern. Erste Ideen, wie die unterschiedlichen Gebäude genutzt werden können, gibt es schon (siehe unten). Insbesondere bei der Umnutzung der Industriebrache Esch-Schifflingen hatten Staat und Gemeinde angekündigt, die Zivilgesellschaft in die Planung miteinzubeziehen. In diesen Prozess will sich die Entente aktiv einbringen.

“Wenn sie noch stabil genug sind”

Mitarbeit

Die Mitglieder der „Entente Mine Cockerill“ wollen eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die sich aktiv für den Schutz der Industriekultur einsetzt. Bürger, die mitmachen wollen, können sich bei Gino Pasqualoni (gipa@pt.lu) oder bei Misch Feinen (feinenmichel@hotmail.com) melden. Eine erste Versammlung soll in den kommenden Wochen organisiert werden.

Bei der “Lentille Terre-Rouge” sieht die Situation derweil etwas anders aus. Bereits Ende vergangenen Jahres sollte ein Privatinvestor ein Konzept für die Industriebrache an der Grenze zu Frankreich vorstellen, wie der grüne Schöffe Martin Kox in einem Interview angekündigt hatte. Mitte Januar erklärte Kox dann in einer Sitzung des Gemeinderats, der Privatinvestor sei erst Mitte dieses Jahres bereit, mit seinem Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen. Wie der Abgeordnete und “déi Lénk”-Rat Marc Baum am Freitag bestätigte, handelt es sich bei diesem Investor um den Immobilienunternehmer Eric Lux, Geschäftsführer von Ikogest, der auch schon für die Neugestaltung des “Plateau du Funiculaire” in Differdingen verantwortlich war.

Auf Nachfrage erklärte Martin Kox am Sonntag gegenüber dem Tageblatt, dass das private Projekt vorsehe, fünf Industriegebäude auf der “Lentille Terre Rouge” zu erhalten. “Die Gebäude, die zu erhalten sind, werden mit integriert, wenn sie noch stabil genug sind”, sagte Kox. Auch die Gemeinde Esch stehe hinter dieser Idee. Das Privatprojekt könne aber erst vorgestellt werden, wenn die Verhandlungen mit dem Grundstückseigner Arcelor-Mittal abgeschlossen seien.


1. Die Möllerei…

… mit den sogenannten “Keeseminnen” (“Caisses à mines”) verfügt über 30 Erdbunker. Erbaut wurden sie 1907 von der Firma Zueblin. Die “Keeseminnen” auf der “Lentille” seien unbedingt erhaltenswert, weil sie mit die ersten Bauwerke waren, bei denen Stahlbeton als neue Bauweise zum Einsatz gekommen sei, erklärte Heng Clemens. In diesem Räumen könnte man ein Restaurant und ein Museum zur 105-jährigen Geschichte der Terre-Rouge-Schmelz einrichten, schlägt die “Entente” vor. Als Wiedergutmachung für die Versäumnisse in Belval, sozusagen. Alternativ wäre aber auch eine Einkaufsgalerie denkbar.

2. Zwei Produktionshallen samt Maschinen

Gleich neben der Tankstelle in der rue d’Audun liegen auf dem Gelände der Lentille zwei große Zentralen. Das hintere Gebäude wurde in den 1890er Jahren vom Aachener Hütten-Aktien-Verein errichtet. Das vordere wurde 1926 von der „Société métallurgique des Terres Rouges“ gebaut. In beiden Hallen sollen zudem noch Maschinen vorhanden sein.

3. Nicht zu vergessen…

…die sogenannte MAN-Halle auf dem Gelände der “Lentille” könnte auch neu genutzt werden.

4. Die Brache Esch-Schifflingen

Auch auf der Brache Esch-Schifflingen sieht die “Entente” viel erhaltenswerte Bausubstanz. Vor allem der in den 1930er Jahren erbaute Rundkühler (links) könnte nach dem Beispiel der Gasometer in Berlin oder Oberhausen neu genutzt werden. Der Historiker Denis Scuto hatte im Rahmen einer Konferenz über Industriekultur vor zwei Wochen bereits vorgeschlagen, zumindest die Struktur des Elektrostahlwerks zu erhalten, um der Nachwelt zeigen zu können, wie in den 1950er und 1960er Jahren Fabriken gebaut wurden.

5. Mehr Wohnraum…

Für den Bereich hinter dem Gemeindedepot in der rue de Barbourg, der von der französischen Grenze bis zu den Jeunesse-Trainingsplätzen reicht, schlägt die Entente vor, ein Wohnviertel zu errichten.

6. … und mehr Platz für Kunst

Die “Handwierkergaass” liegt auf dem “Crassier”, der direkt an die “Lentille Terre Rouge” grenzt. Die Vereinigung schlägt vor, in diesem großen Gebäude Ateliers für freischaffende Künstler nach dem Vorbild des 1535° in Differdingen einzurichten.

7. Was wird aus der Bahnlinie?

In den 1920er Jahren wurden die Werke Belval, Audun-le-Tiche, Terres Rouges und Esch-Schifflingen durch eine Bahntrasse miteinander verbunden. Diese Linie, vor über 100 Jahren angelegt und 1979 noch ausgebaut, existiert heute in großen Teilen immer noch.  Die „Entente“ schlägt vor, eine Studie zur Neunutzung dieser Trasse, die die Stadt Esch quasi einkesselt, zu erstellen. So könne man zum Beispiel eine Tram hier fahren lassen, meinte Gino Pasqualoni. Der Politiker Frank Jost („déi Lénk“) hatte bereits vor einiger Zeit die Idee geäußert, auf dieser ausgedienten Strecke einen Fahrradweg einzurichten. Auch der Eisenbahntunnel, der von Audun nach Schifflingen führt, existiert heute noch. Auf dem Foto ist der Eingang an der „Terre-Rouge“-Brache in Richtung Schifflingen zu erkennen, der sich am Parkplatz des Aldi-Supermarkts befindet.

 

5 Kommentare

  1. Acelor – Mittal kann die leerstehenden Gebäude doch renovieren und sie dann dem Staat vermieten um Asylanten oder andere mittellose Menschen dort unter zubringen.
    Zudem könnte Acelor – Mittal dieses auch noch steuerlich nutzen, warum will man immer nur neue Einkaufszentren schaffen wo doch die Armutsgrenze immer größer wird, man denk nur an Profit wo bleibt da die Menschlichkeit, man versucht nur den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

    • “”Zudem könnte AcelorMittal dieses auch noch steuerlich nutzen”” Wei’ dann si bezuehlen schon baal keng Stei’eren ausser dei’ vun der Lo’unstei’er !!!!!!!

      • wenn das Gesetz es zuläßt ist es doch in Ordnung, jeder hat das Recht alles was möglich ist zu nutzen, sie auch Nomi, man muß nur wissen wie.

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