Wikipedia gibt es in 272 Sprachen, darunter auch in Luxemburgisch. Dreieinhalb Jahre nach der offiziellen Gründung der Online-Enzyklopädie durch den Amerikaner Jimmy Wales erschien am 21. Juli 2004 zum ersten Mal die luxemburgische Version auf den Bildschirmen. Bis dato weist sie 31.735 Artikel auf. Die Sprachen mit den meisten Einträgen sind englisch (3.366.789), deutsch (1.100.864), französisch (975.941), polnisch (718.012) und italienisch (711.238).

Zahlen und Fakten

Wikipedia ist die 5. größte Internetseite in Bezug auf die Anzahl der Besucher, 400 Millionen im Monat Dezember. Server und bezahlte Angestellte werden komplett von den Spenden gedeckt; es gibt keine Werbung. Die letzte Spendensammlung brachte 16 Millionen Dollar innerhalb von 8 Wochen zusammen.

Das Wort „Wiki“ stammt aus dem Hawaiianischen und heißt „schnell“. „Pedia“ kommt vom griechischen Wort „paideia“ und bedeutet „Erziehung“.

Damals wie heute lautet die Frage: Warum arbeiten Tausende von Autoren in ihrer Freizeit an Artikeln, ohne dass später ihr Name darunter steht? Und auf die Gefahr hin, dass jemand anders ihre Mühe mit einem Mausklick ändert oder löscht? Ein Lexikon, an dem jeder mitschreiben darf – egal ob Schüler oder Professor? Artikel, die teils im Minutentakt geändert werden? Und das alles finanziert mit den Spenden der Leser? Vor zehn Jahren, als Internet-Unternehmen der ersten Stunde reihenweise pleitegingen, hätte kaum jemand gedacht, dass so ein zuverlässiges Nachschlagewerk entstehen kann – und dass diesem nicht binnen Monaten das Geld ausgeht. Und doch begann im Januar 2001 die Wikipedia ihren Siegeszug. Heute ist sie für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken. Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges.

Rätsel der Kooperation

Der Soziologe Christian Stegbauer hat das „Rätsel der Kooperation“ im gleichnamigen Buch untersucht. Den Reiz für die Wikipedianer sieht er zum einen in der Idee: „Das Wissen der Menschheit zu sammeln, und zwar außerhalb der Schranken des Urheberrechts, hat eine gewisse Anziehungskraft“, sagt der Forscher, der momentan eine Professur für empirische Sozialforschung in Erfurt vertritt. Zum anderen vermutet er, dass es den Mitarbeitern nicht um Ruhm gegenüber der Außenwelt geht, sondern um Reputation innerhalb der Gemeinschaft.

In einem Forschungsprojekt stellte Stegbauer jedoch fest, dass die Legende vom egalitären Mitmach-Lexikon nicht mehr stimmt. Es habe sich eine „Herrschaft der Administratoren“ etabliert – einem kleinen Kreis von Mitarbeitern, die sich durch Engagement bewährt und von der Community besondere Rechte bekommen haben. Dieser Zirkel hat strenge Regeln für Mitarbeiter formuliert – Stegbauer nennt sie gar eine „Produktideologie“.

Nachwuchssorgen

Die Liste mit Relevanzkriterien ist umgerechnet rund 30 DIN-A4-Seiten lang und formuliert Regeln für Hunderassen, Pornostars und Brauereien. Viele Neulinge blicken nicht mehr durch – und steigen aus. „Man will Leute, die keine Ahnung haben, draußen halten“, sagt Stegbauer.

Und so hat Wikipedia im Jubiläumsjahr Nachwuchssorgen. „Wir haben Millionen von Lesern. Aber verhältnismäßig wenige wissen überhaupt, dass sie mitmachen können“, sagt Catrin Schoneville, Sprecherin des Wikipedia-Fördervereins Wikimedia. Um Autoren zu gewinnen, investiert der Verein einen Teil der Spenden in Projekte für Senioren oder Schüler – damit der unerwartete Erfolg der Wikipedia nicht bei der heutigen Artikelzahl bleibt.

dpa/er