Wo noch vor ein paar Wochen Malerkrepp und Abdeckpapier den Weg vom Eingang bis zu den Aufzügen wiesen, ist von den umfangreichen Arbeiten im Sofitel im hauptstädtischen Bahnhofsviertel nichts mehr zu sehen. Gelegen auf der achten und letzten Etage, empfängt das “Mu Luxembourg”, so der neue Name des Restaurants, seine Gäste mit einem innovativen Konzept.

Dieses zeigt sich zunächst in der Einrichtung. Schon beim ersten Schritt in den Speisesaal, an dem Tagungsräume und die Sky-Bar angeschlossen sind, versinken die Füße des Besuchers in einem türkis-ockerfarbenen Hochflor-Teppich. “Er soll das Lichtspiel zwischen Wasser und Sand darstellen, das wir bei einem Strandspaziergang erleben”, erläutert Hoteldirektor Fernando López Lens. Die Leuchten im Raum sind das Werk eines Künstlers aus Paris, sogar die Messer wurden eigens für das Restaurant designt.

“Den Blick auf diese Schönheit lenken”

Die rustikalen Holztische werden von Ledersesseln umrahmt, die Wände kommen ohne obligatorische Kunstwerke aus. Der Grund für den Verzicht ist der traumhafte Weitblick über das Petrusstal, den “Gronn” und den “Pont Adolphe”. “Wir wollten den Blick der Gäste auf diese Schönheit lenken”, ergänzt López Lens. Abends sorgen Licht und Schatten für eine einmalige Atmosphäre beim Dinner.

Von seiner neuen Seite zeigt sich auch das gastronomische Konzept. Diesem steht die Idee der Tapas zugrunde. Die Karte ist in vier Teile gegliedert – von kleinen Einsteigergerichten über eine Fleisch- und Käseauswahl bis hin zum süßen Abschluss.

Das Neue bei diesem Konzept ist die Aufhebung der klassischen Menüfolge aus “Vor-, Haupt- und Nachspeise”. Hier dürfen und sollten sich die Gäste quer durch die Karte schlemmen. Alle Gerichte lassen sich nach Wunsch für zwei oder mehrere Personen zubereiten. Das ist übrigens eine gute Idee für Familien mit Kindern. Jeder sucht sich sein Wunschgericht aus, später darf munter untereinander getauscht und probiert werden.

Es würde den Umfang dieses Artikels sprengen, um den Geschmack jedes einzelnen der “petits plaisirs” ausführlich zu beschreiben.

Gaumenfreuden aus aller Welt

Nur so viel sei verraten: Für Liebhaber von “Fois gras” ist die in der Pfanne leicht angegarte Gänseleber zu empfehlen, die mit einem Lack vom reduzierten Wein mit verschiedenen Gewürzen umhüllt ist und von einem leicht säuerlichen Rhabarber-Püree begleitet wird. Wer schon Tataki beim Asiaten gekostet hat, wird beim Probieren des Thunfisch-Tataki – einer Art Fischrolle, innen etwas roh, mit einer Reduktion von der Mango und der Orange – tatsächlich eine Gaumenfreude erleben.

Auch die Fleischgerichte sind zum Teilen bestimmt. Küchenchef Sébastien Perrot entschied sich in diesem Bereich für die Zusammenarbeit mit einem traditionellen Luxemburger Betrieb. “Die Tiere bei ‘Maison Kirsch’ werden hier geboren, wachsen in Luxemburg auf und werden hierzulande geschlachtet”, erklärt der Hoteldirektor. Das Fleisch im Restaurant liefern Limousin- und Charolais-Rinder, die bei der Schlachtung zwischen drei und sechs Wochen alt sind. Es ist sehr zart und bildet zusammen mit der hauseigenen Barbecue-Soße eine wunderbare Kombination. Wer ganz großen Hunger mitbringt, für den hält Küchenchef Perrot ein “Tomahawk Steak Premium” von rund 1,3 Kilogramm bereit. Wer Tatar mag, den wird der stets frisch zubereitete, leicht pikante Klassiker – übrigens eine Huldigung an Jules Verne – überzeugen.

Essen gehen bezahlbar lassen

“Mu” … wer?

Zum einen lehnt sich der Name des Restaurants an dem Tierlaut an. Zum anderen steht er für das griechische Wort für 40, die Hausnummer des Hotels. Des Weiteren sei der Name eine Reminiszenz an das Lieblingsessen der Alten Griechen, das Rindfleisch.

Bleibt nur der Blick auf die Dessertkarte. Darin findet sich mit der gleichnamigen Kreation eine Hommage an die Grande-Duchesse Charlotte. Das Dessert vereint feinste Schokolade mit einem luftig-leichten Biskuit. Chef-Patissier Yannick Ferraton, der früher im Hotel Sacher in Wien arbeitete, versteckt darunter einen Kern von Tanariva-Milchschokolade mit einem Hauch Karamell. Einen deliziösen Abschluss bietet außerdem das Macaron mit einer Ganache aus “Itankuja”-Schokolade und Passionsfrucht oder der karamellisierte und gedämpfte Kox-Orange-Apfel mit einem Hauch von Zimt.

Nicht nur Geschmacksrichtungen aus aller Welt mit gleichzeitigem Fokus auf regionale Produkte sind in diesem neuen Konzept vereint, auch das Preis-Leistungs-Verhältnis überrascht. “Bei uns können Sie für unter 35 Euro pro Person essen. Den Preis zu senken, war der zweite Aspekt, den wir mit dem neuen Konzept anstrebten”, erklärt Fernando López Lens.

Der Hoteldirektor kann seinen dritten Wunsch, das Restaurant “nicht zu verstecken, sondern aus dem Schatten des Hotelbetriebs hervortreten zu lassen”, somit als erfüllt betrachten.

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