27. Januar 2017 10:34;Akt: 27.01.2017 16:50

Jeunesse-Torwartlegende gestorben

PAUL STEFFEN

Traurige Nachricht für den Luxemburger Fußball: Jeunesse-Torwartlegende Paul Steffen ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

In 50 Metern Luftlinie vom Jeunesse-Stadion geboren, war "Steffens Poli" eine Institution in derHiel. Seine gesamte Karriere verbrachte er bei der Escher Jeunesse, sein halbes Leben wohnte er im Viertel und betrieb lange Zeit eine Gaststätte in unmittelbarer Nähe der Grenz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er bei der Jeunesse, mit 16 Jahren, den Posten zwischen den Pfosten von Marcel Serughetti. Da die Jeunesse unmittelbar vor dem deutschen Einmarsch abgestiegen war, begann Steffens Laufbahn 1946 in der ersten Division, der damals zweithöchsten Spielklasse des Landes. Paradoxerweise hatte der im Krieg von den Nazis in Schwarz-Weiß 07 umbenannte Verein noch 1945 mit der Gaumeisterschaft die (inoffizielle) Luxemburger Meisterschaft gewonnen, startete aber im ersten Meisterschaftsjahr nach dem Krieg unterklassig.

Jeunesse-Aufschwung

Steffen war maßgeblich am Aufschwung seines Vereins beteiligt und Teil des legendären Jeunesse-Teams, das im Europapokal der Landesmeister 1959 auf die damals weltbeste Mannschaft, Real Madrid mit Alfredo di Stefano und Ferenc Puskas, traf. In Runde eins hatte man den polnischen Titelträger Lodz aus dem Wettbewerb geworfen und wurde dann mit dem Duell gegen Real belohnt. Im Hinspiel fehlte Steffen wegen eines Fingerbruchs, den er sich bei der Partie in Lodz zugezogen hatte. Da damals noch keine Auswechslungen erlaubt waren, hatte Steffen in Polen unter großen Schmerzen durchgespielt. Im Rückspiel gegen Real (2:5 nach 2:1-Führung) vor der Luxemburger Rekordkulisse von rund 19.000 Zuschauern im hauptstädtischen Stadion stand Steffen aber wieder im Kasten.

Zwischen 1946 und 1962 kam er auf 270 Spiele für die erste Mannschaft der Jeunesse, insgesamt waren es weit über 500 im schwarz-weißen Dress. Im Nationalteam bestritt er 32 Spiele im Tor, die letzten im Jahr 1962, als er im Jeunesse-Kasten schon lange ausgebootet war. Die Highlights seiner Karriere im Nationalteam waren die 1:4-Niederlage 1961 in Arsenals Highbury-Stadion gegen England, als Steffen bester Luxemburger war und eine höhere Niederlage verhinderte, und das darauffolgende Heimspiel gegen Protugal, als die FLF-Auswahl Eusebio und Co. mit 4:2 besiegte, wodurch England zur WM nach Chile fahren durfte, und nicht Portugal.

Der Stachel der Ausbootung im Tor seiner Jeunesse saß derweil so tief, dass Steffen für den Rest seines Lebens die Fußballplätze Luxemburgs, allen voran die Escher Grenz, mied. Bis 2007, als er sich von seinem Quasi-Nachbarn in Foetz, Präsident Jean Cazzaro, zu einer Teilnahme an den Hundert-Jahre-Feierlichkeiten der Jeunesse überreden ließ.

Zahlreiche Berufe

Paul Steffen, der sich im Tor vor allem durch ein exzellentes Stellungsspiel und eine Furchtlosigkeit sondergleichen auszeichnete, war beruflich als Gastwirt (Cafés auf der Grenz, in Schifflingen und dann das Peuple in Esch), Minenarbeiter und Fahrer aktiv. In letzterer Funktion auch lange Jahre für das Tageblatt, wo er 1971 in der Buchbinderei anfing und später bis zu seiner Pensionierung als Fahrer angestellt war.

In der Nacht zum Freitag ist Steffen zehn Tage nach seinem 87. Geburtstag im CHEM gestorben. Er hinterlässt seine beiden Söhne Jean-Paul und Patrick, fünf Enkelkinder und zwei Urenkel. Das Begräbnis findet am Dienstag, den 31. Januar um 15.15 Uhr in Lallingen statt. Der anschließende Gottesdienst in der Josephs-Kirche beginnt um 16.00 Uhr.

Philip Michel

  • jemp am 27.01.2017 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jemp Mengt Bäileed un seng Famil Rouh an Frieden Paul

  • BiancoNero am 27.01.2017 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mäin Bäileed un d'Famill! Een Stéck Escher Sportsgeschicht ass vun eis gaangen! Rouh a Fridden!

  • Handykappeierten am 27.01.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    ....Mäin Bäileed un seng ganz Famil, haat heen emmer gud ze bräuchen, en jowialen Mensch war heen, an och en leschtegen Mensch, eddi an eng gud rees ins Unbekannte