RadsportZurück an alter Erfolgsstätte: Geniets will in Harlingen wieder ins Rot-Weiß-Blaue Trikot

Radsport / Zurück an alter Erfolgsstätte: Geniets will in Harlingen wieder ins Rot-Weiß-Blaue Trikot
Kevin Geniets muss sich nach seinem Sturz beim Critérium du Dauphiné noch einer Operation unterziehen Foto: Editpress/Anouk Flesch

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Kevin Geniets nimmt am Sonntag beim Straßenrennen der Landesmeisterschaft eine Favoritenrolle ein. 2021 durfte er sich an gleicher Stelle bereits das Landesmeistertrikot überziehen. Was die nationalen Titelkämpfe jedoch so besonders macht und warum er bald noch operiert werden muss, erklärt der 27-Jährige im Gespräch mit dem Tageblatt. 

Weil sich Kevin Geniets aktuell noch im Höhentrainingslager in Isola 2000 befindet, wird der 27-Jährige am Freitagabend nicht zum Zeitfahren der Landesmeisterschaft in Harlingen antreten. Umso motivierter geht er aber am Sonntag zum Straßenrennen an den Start. „Das Rennen ist ungefähr seit einer Woche in meinem Kopf“, sagt der Profi von Groupama-FDJ. „Ich kenne die Strecke und weiß, dass ich da schon gewonnen habe (2021 gewann er das Zeitfahren und das Straßenrennen der Landesmeisterschaft in Harlingen, Anm. d. Red.). Ich bin sehr motiviert, motivierter als letztes Jahr.“ 

Im vergangenen Jahr konnte sich bei der Hitzeschlacht in Berburg noch Alex Kirsch durchsetzen, Geniets beendete das Rennen vorzeitig. „Die Landesmeisterschaft ist immer heikel. Seit dem Dauphiné war ich nicht mehr zu Hause. Letztes Jahr hatte ich die Tour de France noch mehr im Kopf. Ich weiß aber auch, was es auslösen kann, wenn man mit dem Landesmeistertrikot durch die Gegend fährt. In diesem Jahr habe ich eine andere Einstellung. Mein Ziel ist klar: das Landesmeistertrikot zu bekommen.“  

Geniets’ Saison lief bis jetzt mit Höhen und Tiefen ab. Gleich sein erstes Rennen des Jahres, den GP Cycliste de Marseille (1.1), konnte er gewinnen. Auch bei den folgenden Rennen fuhr er vorne mit (10. bei der Etoile de Bessèges, 11. bei Faun-Ardèche). Auf der achten Etappe von Paris-Nice stürzte er jedoch – und brach sich einen Knochen in der Hand. „Der Sturz war bitter. Ich hatte meine Saison sehr stark angefangen. Ich konnte nach dem Sturz zwei Wochen gar kein Lenker anfassen. Dann bin ich auf den Hometrainer und es ging langsam besser.“ 

Zeitpunkt der OP noch unbekannt

Nach Paris-Nice ging es für Geniets ins Höhentrainignslager zum Vulkan Teide (Teneriffa). „Ich habe nach der Verletzung richtig viel gearbeitet. Nach dem Teide bin ich die Mercan’Tour gefahren. Beim Dauphiné jetzt habe ich gespürt, dass es von Tag zu Tag besser geht. Ich bin jetzt bei 100 Prozent und habe wie geplant meine Form gefunden.“ Die Folgen nach dem Sturz sind für den 27-Jährigen jedoch noch leicht spürbar. „Die Hand wächst nicht so zusammen, wie es sein sollte. Ich muss operiert werden. Mal schauen, wann das passieren wird. Ich kann aber sehr gut Rad fahren. Es bleibt ein kleiner Schmerz, aber das ist nichts Schlimmes.“ 

Der Zeitpunkt der Operation wird also noch in Absprache mit seinem Arbeitgeber folgen. Geniets wird aller Voraussicht nach für die Tour de France nominiert, wo er Kapitän David Gaudu unterstützen soll. Öffentlich ist der Kader von Groupama-FDJ noch nicht. Der Franzose fuhr beim Dauphiné nur hinterher, soll bei der Frankreich-Rundfahrt aber wieder vorne mitfahren. „Wir haben nach dem Trainingslager in der Höhe immer Schwierigkeiten beim Dauphiné. Letztes Jahr war es mit Gaudu und Valentin Madouas eine Katastrophe, dieses Jahr war es besser. Wir machen uns aber jetzt keinen Stress deswegen.“ 

Bevor also womöglich die Tour ansteht, wird noch das Straßenrennen in Harlingen zu absolvieren sein. 144,8 Kilometer sind abzuspulen. „Das Rennen ist für uns Profis immer sehr schwer zu kontrollieren. Jeder schaut auf uns. Außerdem ist es sehr kurz. Die WorldTour-Profis machen den Unterschied bei Rennen über 200 Kilometern. Die Espoirs werden dann irgendwann müde. Aber auf 130 oder 140 Kilometern sind auch die sehr stark. In der WorldTour sind wir gewohnt, den ganzen Tag schnell zu fahren. Entweder hast du nach fünf bis sechs Stunden dann noch Kräfte, um vorne mitzufahren, oder eben nicht.“ 

Geniets bereitet sich also auf ein „sehr schweres Rennen“ vor, wie er selbst sagt. Seine Bilanz aus den Vorjahren beim Straßenrennen fällt dabei gemischt aus: 2023 beendete er das Rennen vorzeitig, 2022 wurde er 13., 2021 schlug er im Sprint Jempy Drucker und feierte nach 2020, wo er Bob Jungels im Sprint schlug, seinen zweiten Elite-Titel im Straßenrennen. „Der Parcours in Harlingen ist nicht extrem schwer. Wenn die Konkurrenten gut aufpassen und du attackierst, dann hängst du sie nicht so einfach ab“, sagt Geniets.

Zu den Hauptkonkurrenten von Geniets zählen am Samstag vor allem Michel Ries (Arkea-B&B Hotels) oder aber auch Tom Wirtgen (Felt Felbermayr). Zudem kommt, dass mit Luc Wirtgen und Arthur Kluckers ein starkes Tudor-Team an den Start geht. Nicht zu unterschätzen, das sagt Geniets selbst, sind auch die Espoirs. Mats Wenzel (Lidl-Trek Future) kann genau wie Mathieu Kockelmann oder Mil Morang (beide Lotto Kern Haus-PSD Bank) zur Stolperfalle für die WorldTour-Profis werden. Hinter dem Start von Titelverteidiger Alex Kirsch (Lidl-Trek) steht für Sonntag noch ein Fragezeichen. Am Freitagabend lässt er bereits das Zeitfahren ausfallen. Nach seinem Sturz beim Critérium du Dauphiné will Kirsch keine unnötigen Risiken eingehen. Auch er wird aller Voraussicht nach für die Tour de France nominiert werden.