EM-Kolumne „Extrawurst“Von mäh bis bäh auf den Färöer-Inseln

EM-Kolumne „Extrawurst“ / Von mäh bis bäh auf den Färöer-Inseln
Im Mai wurde auf den Färöern gestreikt – die Tanks der LKW und die Regale in den Supermärkten blieben leer Foto: Afp/Montage:Tageblatt

Jetzt weiterlesen! !

Für 0,59 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Sie sind bereits Kunde?

An dieser Stelle wurde schon mehrfach über kulinarischen Hochgenuss in Stadien oder die Vielfalt an europäischen Würsten berichtet. Eine Sorte wurde allerdings noch nicht genannt: die färöische Blutwurst namens blóðpylsa. Zugegeben, so ganz überzeugt bin ich aufgrund der Bilder im Internet nicht – zumal ich kein Fan von Träipen, Boudin oder Ähnlichem bin. Eine ähnliche Zurückhaltung gilt beim Schreiben dieser Zeilen für die skólpasúpan, eine lokale Spezialität: die Schafshodensuppe. 

Ob beide Gerichte in der Spielstätte des KI Klaksvik angeboten werden, werde ich am Mittwochabend dann mit eigenen Augen sehen – aber ziemlich sicher nicht mit eigenen Geschmackssinnen erfahren. Die Schafinseln sind aufgrund der gesalzenen Lebensmittelpreise nicht der beste Ort, um sich in der Gastronomie bei Bestellungen in die Irre führen zu lassen. „Ein Gourmet-Gebiet für Hartgesottene“ nannte ein t.online-Reporter das nationale Angebot in seinem Bericht, der nicht unbedingt Lust auf mehr macht. Auf meiner Suche nach anderen Optionen – frei nach dem Motto „Fritten gehen immer“ – der nächste Kulturschock: holidayfaroeislands.com ist sichtlich stolz auf die Tatsache, dass es sich um das einzige Land der Welt ohne McDonald’s-Filiale handelt. Gleichzeitig wird erwähnt, dass es aufgrund mangelnder Krimineller keine Gefängnisse gibt. Zufall? Sind es einfach nur Pommes – frittierte Sonnenstrahlen des Glücks – die uns aggressiv machen?

Vielleicht kehre ich also als besserer, glücklicherer Mensch von dieser Champions-League-Qualifikationsreise heim. Nicht, dass ich generell zu strafbaren Delikten neige, doch beim Fußballschauen kommt es schon mal vor, dass die Wortwahl der guten Kinderstube ohne Vorwarnung in die Fresse haut. Drei Tage ohne traditionsreiche, nationale Elemente wie Burger aus der Drive-in-Fensterscheibe, Public Viewing auf dem Glacis und Mettwurst-Geruch stehen also bevor, dafür aber die Aussicht auf feines Hodensüppchen, 80.000 Schafe, sehr wenig Dunkelheit und kaum Zeit für EM-Halbfinals … 

So ganz überzeugt bin ich davon (noch) nicht. Denn möglicherweise komme ich auch einfach nur sehr hungrig und mit viel Bock auf ein Finale mit Gromperkichelcher und Kniddelen zurück.