Fußball-EuropameisterschaftViel Pathos, kein Erfolg: Böser Dämpfer für die Ukraine

Fußball-Europameisterschaft / Viel Pathos, kein Erfolg: Böser Dämpfer für die Ukraine
In Flaggen gehüllt: die Ukrainer während der Nationalhymne Foto: AFP/Miguel Medina

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Die Ukraine hat zum Start ihrer emotionalen EM-Mission einen herben Dämpfer hinnehmen müssen.

Superstar Mychajlo Mudryk ließ sich auf den Rasen sinken und schüttelte enttäuscht den Kopf. Oleksandr Sintschenko führte den Rest der schwer geschlagenen Ukrainer zu den Fans in die Kurve. Doch der warme Applaus, der die „Schowto-blakytni“ (Gelb-Blauen) dort empfing, spendete keinen Trost. Der Druck beim mit viel Pathos aufgeladenen EM-Auftakt der Ukraine war offenbar zu groß. Nach dem 0:3 (0:1) gegen Rumänien droht das Aus schon in der Gruppenphase.

Anstatt ihrer kriegsgeplagten Nation wenigstens kurzzeitig etwas Freude zu bereiten, erlebte das verkrampfte Team von Trainer Serhij Rebrow in München einen Nachmittag zum Vergessen. In der Heimat blieben zwischenzeitlich sogar die Bildschirme schwarz. Das ukrainische Online-Portal TSN schrieb: „Das Fernsehbild verschwand, da es einem solchen Fußball der ukrainischen Nationalmannschaft nicht standhalten konnte.“

Seine Mannschaft habe „einige Fehler und Teamfehler gemacht, wir haben in allen Bereichen verloren“, sagte Rebrow bei RTL und ergänzte: „Wir haben versucht, ins Spiel zu kommen, aber die Rumänen haben sehr diszipliniert verteidigt.“ Den hohen Erwartungsdruck wollte er nicht als Entschuldigung gelten lassen: „Wir haben seit mehr als zwei Jahren mit diesem mentalen Druck zu tun, trotzdem sind wir hier, wir haben verstanden, damit umzugehen. Jetzt müssen wir Fehler analysieren.“

Die Rumänen dagegen feierten den höchsten Turniersieg ihrer Geschichte. Kapitän Nicolae Stanciu hatte sie in der 29. Minute mit einem Traumtor in Führung gebracht. Razvam Marin (53.) und Denis Dragus (57.) erhöhten in der stimmungsvollen Münchner Arena vor 66.000 Zuschauern. Bei den ersten beiden Treffern sah Starkeeper Andrij Lunin von Real Madrid nicht gut aus. Die Ukraine steht nun am Samstag in Köln gegen Belgien gehörig unter Druck. Rumänien dagegen könnte am Freitag in Düsseldorf gegen die Slowakei schon einen großen Schritt in Richtung K.o-Runde machen.

Die Erwartungen vor dem Spiel waren riesengroß. „Wir starten mit einer Mannschaft auf dem Feld, aber mit Millionen von Soldaten, die die Ukraine verteidigen. Wir sind alle zusammen“, sagte Verbandschef Andrij Schewtschenko kurz vor dem Anpfiff. Jeder Sieg sei für das Land „von entscheidender Bedeutung“.

Auch Arsenal-Star Sintschenko stellte die große Bedeutung für sein Land heraus. Es sei „eine unglaubliche Gelegenheit zu zeigen, wie gut wir sind und wie gut es ist, Ukrainer zu sein. Die ganze Welt wird auf dieses Turnier schauen.“

Die Fußballwelt sah ein entschlossenes und zunächst klar überlegenes Team aus der Ukraine. Einziges Manko: Nennenswerte Chancen konnten sich die Ukrainer nicht erspielen. Immer wieder verpassten Mudryk, Star des FC Chelsea, und seine Mitspieler den richtigen Moment zum Abschluss.

Rumänien, das sich als Gruppenerster vor der Schweiz für die EM qualifiziert hatte, fand erst einmal nicht statt – bis Lunin bei einem Abschlag patzte und Stanciu den Ball aus 20 Metern zur bis dahin völlig überraschenden Führung in den Winkel wuchtete. Die Ukraine wirkte geschockt – und hatte Glück. Dennis Man verfehlte das Ziel nur um Zentimeter (38.), kurz darauf landete ein Eckball von Stanciu an der Latte.

Doch es kam noch schlimmer für die Ukraine, als Lunin einen Schuss von Marin durchrutschen ließ und Dragus die Verwirrung in der ukrainischen Defensive gnadenlos ausnutzte. Rund 20.000 rumänische Fans standen kopf. Die Zeitung Adevarul schrieb: „Historischer Sieg in einem elektrisierenden Spiel.“ (SID)