Fußball-EuropameisterschaftUkraine zwischen Kampf und Krampf: „Von Emotionen überrannt“

Fußball-Europameisterschaft / Ukraine zwischen Kampf und Krampf: „Von Emotionen überrannt“
Ukraines Trainer Serhij Rebrow  Foto: AFP/Tobias Schwarz

Zerbricht die Ukraine auf der großen EM-Bühne an der emotionalen Wucht? Trainer Rebrow bestreitet das vor dem zweiten Spiel vehement.

Der Krieg fährt immer mit, darauf legt die Ukraine bei der EM großen Wert. Auch in Düsseldorf werden daher am Freitag die Trümmerteile einer von Russland zerstörten Tribüne aus dem ehemaligen EM-Ort Charkiw zu sehen sein. Als Mahnmal, wie Verbandspräsident Andrij Schewtschenko schon auf der ersten Station in München sagte. Die Mannschaft der Ukraine spiele in Deutschland immer auch für „Millionen von Soldaten“.

Wenige Stunden nach Schewtschenkos Worten verlor die Ukraine unerwartet deutlich mit 0:3 gegen Rumänien. Heißt: Eine weitere Pleite gegen die Slowakei würde am Freitag (15.00) wohl schon das Ende aller Träume bedeuten.

Viele Beobachter machen auch die emotionale Wucht, unter der die Elf von Trainer Serhij Rebrow antritt, für die verkrampfte Leistung im ersten Spiel verantwortlich. „Wir wissen, was in der Ukraine seit anderthalb Jahren passiert. Das kann man nicht aus den Köpfen streichen“, sagte etwa Lothar Matthäus bei MagentaTV.

Der deutsche Rekordnationalspieler ist mit dieser Ansicht nicht allein. Die Ukrainer seien vielleicht „von den Emotionen um das Thema Krieg überrannt“ worden, sagte RTL-Experte Karl-Heinz Riedle. Bei der Nationalhymne hatten die in blau-gelbe Fahnen gehüllten Spieler mit den Tränen gekämpft, sogar die 40.000 Fans der Rumänen stimmten laute „Ukraine“-Gesänge an. „Natürlich kriegt man das mit“, so Riedle.

Nationaltrainer Rebrow will dieser Logik aber nicht folgen. „Wir spielen seit mehr als zwei Jahren mit diesem mentalen Druck. Trotzdem sind wir hier, und wir haben das verstanden. So ist der Fußball. Manchmal passiert so etwas“, sagt er bestimmt. In der Tat: Auch in den Play-offs zur EM stand die Ukraine unter großem Druck, überstand aber sowohl das Halbfinale in Bosnien-Herzegowina (2:1) als auch das Alles-oder-nichts-Spiel gegen Island (2:1) – sogar jeweils nach Rückstand.

Druck ist folglich immer da, bei der Endrunde aber ist die Bühne so groß wie nie zuvor. Das gilt erst recht am Freitag. Der Krieg soll dann nicht zum alles bestimmenden Thema werden, so sieht es die Mannschaft. Die Situation in der Heimat sei eine „zusätzliche Motivation“, sagt Defensivspieler Olexander Sintschenko vom FC Arsenal, für ein mögliches Achtelfinale einer EM gelte das aber ebenso. „Wir wollen unsere Landsleute stolz machen“, sagt Sintschenko: „Uns aber natürlich auch.“

luxmann
21. Juni 2024 - 7.48

Fussball mit krieg zu verwechseln bringt nicht viel.
Ausserdem klingt es recht demagogisch wenn hochdotierte stars ,welche im ausland fuer sehr viel geld kicken, uebertriebene solidaritaet mit dem frontsoldaten im graben bekunden.