29. November 2025 - 9.22 Uhr
LeichtathletikStärker als zuvor: Jenny Gloden läuft im Mama-Glück zu neuen Rekorden
Vor einem Jahr, als die Cross-Meisterschaften erstmals in den November nach vorne gerückt wurden, konnte Jenny Gloden nur zuschauen. Die Fola-Läuferin befand sich zu diesem Zeitpunkt in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft. Im Februar kam Tochter Jana zur Welt. Gerade einmal neun Monate später hat die 32-Jährige bereits gezeigt, dass auch als junge Mutter mit ihr zu rechnen ist, denn Jenny Gloden hat sich nach ihrer Baby-Pause stärker als zuvor auf den Strecken des Landes zurückgemeldet.
Ihren Einstieg in den Wettbewerb feierte sie gerade mal ein halbes Jahr nach der Geburt, am 15. August beim Aischdall-Trail. Für erste größere Schlagzeilen sorgte sie Anfang September, als sie beim „Kulturlaf“ über die zehn Kilometer einen neuen Streckenrekord aufstellte. Kurz später krönte sie sich bei der Route du Vin schließlich zur Landesmeisterin im Halbmarathon und lief dabei sogar einen persönlichen Rekord. Dass sie sich noch nicht einmal ein Jahr nach ihrer Schwangerschaft in einer derart bestechenden Form befindet, führt Gloden auf gleich eine ganze Reihe an Faktoren zurück. „Ab dem Moment, als ich schwanger war, wusste ich, dass ich wieder zurückkommen möchte und dass ich auch besser zurückkommen möchte, als ich aufgehört habe. Und ich habe eben auch alles dafür getan“, erklärt die hauptberufliche Krankenschwester.
Ab dem Moment, als ich schwanger war, wusste ich, dass ich wieder zurückkommen möchte und dass ich auch besser zurückkommen möchte, als ich aufgehört habe
Während der Schwangerschaft, die ohne Komplikationen verlief, ist sie bis zum achten Monat noch gelaufen. Anschließend hat sie das Laufen durch Schwimmen ersetzt. Geholfen hat ihr auch eine Physitherapeutin, die auf Schwangerschaften spezalisiert ist und Gloden gezeigt hat, welche Übungen sie, vor allem für ihr Becken und ihren Beckenboden, problemlos auch zu Hause machen konnte. Ein Programm, an das sie sich konsequent hielt „In der Zeit war es eigentlich ganz einfach, auch auf meinen Körper zu hören, der mir genau gezeigt hat, was möglich ist und was nicht“, betont die Fola-Athletin, die sogar noch am Tag vor der Geburt anderthalb Kilometer geschwommen ist, wie sie lachend erzählt: „Ich wollte meine zwei Kilometer schwimmen. Nach anderthalb war ich dann aber so müde und ich war ja schon einen Tag über dem Termin, dass ich dachte, das reicht dann. Am nächsten Tag setzten die Wehen ein und ich meinte nur, vielleicht hat dein Körper dich gebremst, weil du heute noch etwas anderes zu tun hast.“
Laufen bis zum achten Monat
Auch die Geburt verlief problemlos, wie Gloden weiter erklärt: „Danach war es dann einfach eine Mischung aus meinem unbedingten Willen und der Unterstützung um mich herum.“ Denn eines ist für Jenny Gloden klar, ohne die Unterstützung ihres Ehemannes und ihrer Eltern wäre es nicht möglich gewesen, so schnell wieder zurückzukommen. „Ich nehme die Kleine zwar auch mal mit dem Kinderwagen mit laufen, doch sie kommen mir alle da schon sehr entgegen.“
Mit Sport hat Gloden dann bereits einen Monat nach der Geburt wieder begonnen, zuerst im Fitnessstudio auf dem Rad. Danach ging es langsam wieder auf die Laufstrecke zurück, zuerst mit einem leichten Programm von fünfmal eine Minute gehen und eine Minute laufen. „Nicht, weil ich nicht fit gewesen wäre, sondern weil sich das Becken einfach wieder daran gewöhnen musste.“ Auch hier hielt sich die 32-Jährige strikt an den Plan ihrer Physiotherapeutin und konnte nach acht Wochen wieder eine Stunde laufen. „Auch hier habe ich auf meinen Körper gehört und geschaut, wie er reagiert. Ob ich einen Schritt weitergehen oder zurückschrauben muss.“
Am Anfang dachte ich wirklich, das wird ein langer Weg, vor allem weil zu diesem Zeitpunkt einfach auch die Schnelligkeit fehlte
Dass sie sich mit Bestzeiten zurückmelden würde, hat Jenny Gloden derweil schon ein wenig überrascht. „Am Anfang dachte ich wirklich, das wird ein langer Weg, vor allem weil zu diesem Zeitpunkt einfach auch die Schnelligkeit fehlte. Doch nach einigen Wochen war das Gespür dafür zurück und ich habe schnell Fortschritte gesehen.“ Was sie vielleicht mehr überraschte, ist die Tatsache, was ein Frauenkörper so alles leisten kann: „Wenn man bedenkt, dass ich noch immer keine Nacht durchgeschlafen habe, stille und eigentlich fitter bin als zuvor, ist das schon beeindruckend.“
Keine Cross-Liebe
Am Wochenende steht nun die Cross-Meisterschaft in Schifflingen an. Die Crossläufe werden jedoch nicht mehr die große Liebe der Fola-Läuferin werden, wie sie mit einem Lachen gesteht: „Ich weiß nicht, ob ich Freude und Crossläufe im gleichen Satz erwähnen kann. Es ist wirklich nicht das, was ich am liebsten mache.“ Vor allem der Matsch auf den Cross-Strecken kommt ihrem schnellen Laufschritt nicht unbedingt entgegen. „Auch wenn ich im Cross schon Meistertitel gewinnen konnte, merke ich dennoch, dass ich auf der Bahn zu anderen Athletinnen deutlich mehr Abstand habe – im Crosslauf wird es hingegen viel enger.“
Dennoch freut sich Gloden darauf, die Herausforderng am Sonntag in Schifflingen anzugehen. So erwartet die 32-Jährige dann auch ein interessantes und spannendes Rennen. Zu den Mitfavoritinnen zählt sie neben Anny Wolter und Liz Weiler auch Sandra Lieners und Anne Reiser, die bei der Route du Vin in einer starken Zeit Vizemeisterin wurde. Die Strecke hat sich Gloden in den letzten Tagen jedenfalls schon einmal angesehen: „Es ist ja momentan ziemlich kalt und auch nicht allzu viel Regen gefallen. Vielleicht gibt es ein paar Stellen, die ein wenig aufgeweicht sein könnten, der Rest ist aber größtenteils Plateau, sehr hart, mit vielen Steinen. Es gibt einen steilen Anstieg, mittlerweile ist das aber auch etwas, bei dem ich Fortschritte gemacht habe.“
Gespannt darf man also sein, wer am Sonntag ganz oben auf dem Podest in Schifflingen stehen wird. Für Jenny Gloden, die sich nach einem dreiwöchigen Urlaub nach der Route du Vin eher kurzfristig aufgrund ihrer doch recht guten Form für eine Teilnahme an den Cross-Meisterschaften entschieden hat, wäre es ein weiterer Bonus. Ein Vorbild für viele werdende Mütter ist Jenny Gloden auf jeden Fall. Denn dass sportlilche Höchstleistung und Mama-Sein sich nicht ausschließen, dass hat sie bereits jetzt schon bewiesen.
De Maart

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