Niggli: „Athleten kein Unrecht tun“

Niggli: „Athleten kein Unrecht tun“
(Foto: AP/James Ellingworth)

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Im Exklusiv-Interview verteidigt WADA-Generaldirektor Olivier Niggli das Vorgehen seiner Organisation in Sachen Meldonium.

Kaum eine Substanz hat für so viel Aufregung gesorgt wie Meldonium. Seit Beginn 2016 wird es von der WADA als Dopingmittel angesehen und steht auf der Verbotsliste. Über 170 Athleten wurden seit Januar bereits positiv getestet. Vor allem osteuropäische Athleten sind betroffen und der Aufschrei aus Osteuropa war dann auch groß. Kein geringerer als der russische Präsident Wladimir Putin kristisierte die WADA und erklärte Meldonium sei überhaupt kein Dopingmittel.

Dem widerspricht der zukünftige WADA-Generaldirektor Olivier Niggli (übernimmt das Amt am 1. Juli 2016) allerdings im Tageblatt-Interview. „Meldonium wurde aus gutem Grund auf die Liste gesetzt. Es wurde ganz offensichtlich Missbrauch damit betrieben“, so Niggli. Allerdings hat die WADA vor rund drei Wochen die Regularien für eine Übergangszeit entschärft. So werden Athleten, die bis zum 1. März 2016 positiv auf Meldonium getestet wurden nicht gesperrt, falls die Konzentration unter einem Mikrogramm pro Milliliter liegt. Grund dafür sind Ungewissheiten wie lange Meldonium im Körper bleibt.

Übergangsperiode
„Hätten wir Meldonium aus diesem Grund nicht auf die Liste setzen sollen? Ich glaube nicht, denn mit dem Medikament wurde großer Missbrauch betrieben. Zwischenergebnisse der Studien, die zurzeit durchgeführt werden, zeigen jedoch dass es durchaus möglich ist, dass Proben die zu Jahresbeginn Spuren von Meldonium aufwiesen, auf eine Einnahme zurückzuführen sind noch bevor bekannt wurde, dass die Substanz ab 2016 auf der Liste stehen würde.“
Wurde der Minimalwert nicht überschritten, werden dem Athlet zwar die Resultate aberkannt, da die Substanz nicht im Körper auftreten darf, allerdings wird er nicht gesperrt.

Die Kritiker meldeten sich zahlreich zu Wort, doch Niggli verteidigt das Vorgehen der WADA. „Wir wussten, dass wir mit dieser Entscheidung kritisiert werden würden. Allerdings wäre es noch viel schlimmer , wenn wir den Athleten Unrecht tun würden. Diese Affäre ist unserer Glaubwürdigkeit sicherlich nicht förderlich, aber wir müssen zu unserer Entscheidung stehen. Meines Erachtens wäre es ein Fehler gewesen eine Substanz, mit der offensichtlich Missbrauch betrieben wird, aus Mangel an klinischen Studien nicht auf die Liste zu setzen. Es handelt sich zudem bloß um eine Übergangsperiode. In zwei Monaten wird niemand mehr davon reden.“

Audit für Anti-Doping-Agenturen
Um den Kampf gegen Doping effizienter zu gestalten, wird die WADA in Zukunft eine Art Audit bei den nationalen Anti-Doping-Agenturen durchführen. „Wir sind dabei ein Compliance-Programm einzurichten. Die WADA wird bei den nationalen Anti-Doping-Agenturen eine Art Audit durchführen um zu sehen wie sie arbeiten und wenn nötig ihre Arbeitsweise so umzustellen wie wir es gerne hätten. Das wird meines Erachtens relativ schnell in die Tat umgesetzt werden. Dann können pro Jahr eine gewisse Anzahl an Agenturen überprüft werden.“

Niggli hofft somit einige Schwachstellen im aktuellen System abzustellen und sämtliche Länder mehr oder weniger auf ein Niveau zu bringen. Allerdings wird dies nicht einfach, denn das Budget der Welt-Anti-Doping-Agentur ist begrenzt.
„Wir würden gerne mehr leisten können und zudem schneller vorankommen. Doch man muss lernen mit den Mitteln zu arbeiten, die man zur Verfügung hat. Unser Budget (2014 waren es 26.684.298 Dollar) ist nicht ausreichend für die Arbeit, die wir eigentlich erledigen müssen. Anstatt sich zu beschweren, versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen und hoffen in Zukunft vielleicht mehr Mittel zur Verfügung zu haben.“

Nicht nur wegen des begrenzten Budgets ist für Olivier Niggli die Zusammenarbeit mit anderen Behörden von großer Bedeutung. „Nach der Untersuchung in der russischen Leichtathletik hat unsere Athletenkommission verlangt, dass wir auch andere Sportarten unter die Lupe nehmen. Doch wenn wir jetzt eine Kommission nach Russland oder sonst wohin schicken um eine weitere Sportarten zu untersuchen, wer wird dann schon mit uns zusammenarbeiten? Uns steht es nicht zu Leute zu verhören. Nehmen wir das Beispiel der IAAF. Wir haben unsere Erkenntnisse an die Staatsanwaltschaft weitergereicht und die hat daraufhin Ermittlungen aufgenommen. Wir können nicht beantragen, dass man uns Bankauszüge aushändigt usw., aber der Untersuchungsrichter kann das. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Zoll usw., ist sehr wichtig.“

Das komplette Interview mit Olivier Niggli lesen Sie in der Print -und E-Paper-Ausgabe des Tageblatt vom Donnerstag.