BogenschießenEin Traum wird wahr: Pit Klein darf zu den Olympischen Spielen nach Paris

Bogenschießen / Ein Traum wird wahr: Pit Klein darf zu den Olympischen Spielen nach Paris
Zum Schluss seiner Karriere als Sportsoldat erfüllt sich Pit Klein doch noch seinen größten Traum Foto: World Archery/Facebook

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Das „Team Lëtzebuerg“ für die Olympischen Spiele in Paris wächst weiter. Rund einen Monat vor der Eröffnungsfeier haben nun auch die Bogenschützen ihren Quotenplatz sicher. Pit Klein holte sich das begehrte Ticket, nach einer starken Leistung beim letzten Saisonweltcup, über die Weltrangliste.

Es war eine Woche, die für Pit Klein einer Achterbahn der Gefühle gleichkam und schlussendlich doch noch mit dem lang ersehnten Happy End gekrönt wurde: Kurz bevor seine Karriere als Sportsoldat endet, hat sich der 27-Jährige seinen größten Traum erfüllt: Er darf in einem Monat bei den Olympischen Sommerspielen vor den Scheiben stehen. Der Weg nach Paris wird durch die Weltrangliste möglich, in der sich der FLTA-Schütze einen der drei restlichen Einzelstartplätze sicherte. Zu verdanken hat Klein dies seiner starken Leistung in Antalya, wo er in der vergangenen Woche beim letzten Saisonweltcup den Einzug bis ins Achtelfinale schaffte und dabei die derzeitige Nummer sieben sowie auch die Nummer 15 der Weltrangliste aus dem Wettkampf warf und im Ranking dadurch ganze 18 Plätze, bis auf Rang 41, nach oben geklettert ist.

Dabei hatte der Bogenschütze vor einer Woche beim Quotenturnier, das ebenfalls in Antalya ausgetragen wurde, noch einen herben Rückschlag verkraften müssen. Denn auch hier konnte Pit Klein eine seiner besten Karriereleistungen abrufen, zog ins Viertelfinale ein und verpasste eines von fünf Olympia-Tickets nur haarscharf. „Es war bitter, denn von allen Viertelfinal-Verlierern hatte ich bei diesem Turnier den besten Punkteschnitt, dies zählte jedoch nicht. Am Ende kam es auf den Gegner an und hier bin ich gegen den stärksten Schützen ausgeschieden.“ Die Enttäuschung war dementsprechend groß, doch der Luxemburger wusste, dass beim anschließenden Weltcup noch etwas möglich sei: „Es gab noch eine Chance, auch wenn die Möglichkeit beim Quotenturnier weitaus einfacher war. Aufgeben kam jedoch absolut nicht infrage.“

Die perfekte Zehn

Dass er einiges an Kampfgeist besitzt, das stellte der Sportsoldat dann gleich bei der Qualifikation unter Beweis. „Ich hatte seit einem Monat Probleme mit meinen Pfeilen, schoss zuvor sogar teilweise mit welchen, die kaputt waren. Mariya (Ehefrau und Compound-Schützin Mariya Shkolna, die für den Weltcup in Antalya eintraf, Anm. d. Red.) brachte mir dann die neu eingetroffenen mit. Es hätte wirklich keine Sekunde später sein dürfen.“ Doch auch hier benötigte Klein erst einmal etwas Zeit und für den größten Teil der Qualifikation lag er gar nicht einmal unter den besten 64, die den Sprung in die anschließende K.o.-Runde schaffen. Erst mit den letzten sechs Pfeilen startete Pit Klein seine Aufholjagd, schoss 59 von 60 möglichen Punkten und katapultierte sich in extremis noch auf den 58. Rang.

Durch diese Platzierung sollte er mit dem US-Amerikaner Brady Ellison dann allerdings direkt in der ersten Runde auf einen der stärksten Schützen treffen, der sich aufgrund der anstehenden Olympischen Spiele derzeit auch in einer exzellenten Form befindet. Doch Klein lieferte ab und gewann das Duell nach einem 5:5-Gleichstand im Stechen, wobei er eine glatte Zehn benötigte, um den Favoriten aus dem Rennen zu werfen. „Die Motivation war nach dem Schluss der Qualifikation groß. Ich wusste, dass ich mich in einer guten Form befinde, und wenn ich meine Pfeile weiter so gut schieße, ich gewinnen kann, egal wie der Gegner heißt. Für diesen einen Pfeil habe ich die letzten acht Jahre gekämpft, so habe ich ihn dann auch geschossen.“ Es war die perfekte Zehn, die den Olympiatraum weiterleben ließ und dem er durch ein anderes Duell langsam näher kam. Denn der Kroate Alen Remar, der ebenfalls noch hoffte, sich über die Weltrangliste zu qualifizieren, verlor auf der Nebenanlage sein Stechen. „Die Emotionen waren zu diesem Zeitpunkt hoch und mein Trainer meinte: ‚Du kannst das, jetzt ist der Moment, der zählt‘.“ Denn ein weiterer Sieg im nächsten Duell musste her, und hier traf der FLTA-Schütze mit dem Franzosen Jean-Charles Valladont ebenfalls auf einen Weltklasse-Athleten. Er meldete sich nach einem verpatzten ersten Satz einmal mehr eindrucksvoll zurück und siegte schließlich mit 6:2. 

Ein perfektes Ende

Zu diesem Zeitpunkt war Pit Klein klar, dass sein Traum Realität werden würde, auch wenn es noch nicht offiziell war, denn die neue Weltrangliste erscheint immer erst zu Beginn der Woche. „Ich war nach diesem Duell komplett am Ende, so viele Emotionen, der Druck, der auf einmal weg war, und ein Körper, der nach all diesen Tagen in Antalya einfach total am Ende war.“ Im Achtelfinale musste der 27-Jährige somit dem Kanadier Eric Peters mit 3:7 den Vorzug lassen, durfte sich mit Rang neun aber nicht nur über das beste Weltcup-Resultat seiner Karriere freuen, sondern auch über das Olympia-Ticket. „Hätte mir jemand vor acht Jahren gesagt, dass ich mir mit meinem letzten Pfeil das Ticket holen würde, dann hätte ich gedacht, es wäre ein Scherz. Irgendwie ist alles zum richtigen Zeitpunkt doch noch zusammengekommen. Dass ich den Weg, nach dem Pech beim Quotenturnier, nun so genommen habe, ich glaube, damit hatte keiner gerechnet“, kann Pit Klein es noch immer kaum glauben. 

Für den Bogenschützen war es nämlich sein vorerst letzter Weltcup, denn der 27-Jährige wird sich beruflich umorientieren. Seine Karriere als Sportsoldat endet damit in diesem Sommer. Bogenschießen will er in Zukunft vor allem wieder als Hobby ausüben, schließt dabei zwar nicht aus, auch weiterhin international anzutreten, doch die Prioritäten werden sich ändern. Die Profilaufbahn von Pit Klein wird mit der Qualifikation für Paris nun jedoch ihr perfektes Ende nehmen.