FußballAuf nach Brüssel: Die Notizen rund um die FLF-Nationalelf vor ihrem Testspiel gegen Belgien 

Fußball / Auf nach Brüssel: Die Notizen rund um die FLF-Nationalelf vor ihrem Testspiel gegen Belgien 
Fabio Lohei, Dirk Carlson und Gerson Rodrigues (v.l.n.r.) haben sich gemeinsam achtbar aus der Affäre gezogen   Foto: Editpress/Gerry Schmit

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Die Hälfte der inoffiziellen Luxemburger EM-Woche liegt bereits hinter der Fußballnationalmannschaft. In Brüssel wartet am Samstag (20.00 Uhr) noch die aktuelle Nummer drei der Welt auf das Team von Luc Holtz, das wohl ohne zwei weitere verletzte Profis auskommen muss. EM-Favoriten, Eisbad und ein Rekord: Die Notizen eines anständigen Auftritts in Metz. 

Das Fazit des Trainers nach dem 0:3 in Metz: Luc Holtz sah man am späten Mittwochabend bei der Pressekonferenz an, wie erleichtert er nach dem anstrengenden Abend in Metz war. Seine Mannschaft war trotz schlechter Vorzeichen wegen vieler Absagen und zwei verletzungsbedingter Auswechslungen gleich vor und unmittelbar nach der Pause erhobenen Hauptes aus dem Duell gegen den Giganten herausgegangen. Lediglich über einen Moment ärgerte er sich: das Stellungsspiel beim zweiten Tor. „Mit dem Inhalt bin ich ansonsten sehr zufrieden, sowohl was wir offensiv als auch defensiv geboten haben. Es hätte ein schlimmer Abend werden können, aber wir haben den Ball teilweise exzellent laufen lassen – besser, als ich es erwartet hätte. Selbst in Stresssituationen haben wir gut agiert. Wir waren ruhig am Ball – und ich muss zugeben, dass ich nicht in dieser Form damit gerechnet hätte. Auf den letzten 30, 40 Metern fehlte die athletische Kraft. Da fehlt uns dann ein Spielertyp, der die Läufe in den Rücken der Verteidiger suchen kann.“

Der Blick nach vorne: Während es für die „Bleus“ jetzt mit Kanada und der Mission EM-Titel weitergeht, schaut Luxemburg nach Brüssel. Im Herbst heißen die Gegner dann Nordirland, Weißrussland und Bulgarien. „Gegen so eine Nation ist es schwer, von einer konkreten Vorbereitung für die Nations League zu sprechen. Die Qualitäten der Franzosen sind wohl dreimal höher als die, die uns in dem nächsten Wettbewerb erwarten. Wir spielen binnen weniger Tage gegen die Nummer zwei und drei der Welt, da können wir es uns nicht erlauben, hohes Pressing zu spielen. Bei dem Tempo, das herrschte, wären wir damit in ein offenes Messer gelaufen. In dem Sinne war dieser tiefe Block eine Neuheit. Wir haben versucht, über schnelles Umschalten zu Torchancen zu kommen.“

Die Verletzungssorgen: Zu der Liste der neun FLF-Nationalspieler, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht zum Trainingslager reisen konnten, gesellen sich zwei weitere Profis, die am Samstag höchstwahrscheinlich nur Zuschauer sein werden. Sébastien Thill hat das Schuhwerk eines Gegners in den Muskel abbekommen, bei Mirza Mustafic musste die Schulter eingerenkt werden. „Ich hätte gerne noch ein paar jungen Spielern etwas Einsatzzeit geschenkt, aber ich wollte das Ergebnis bewusst tief halten, damit die Leistung des Teams geehrt werden würde“, erklärte Holtz.

Das sagte Kapitän und Rekordnationalspieler Jans: Dass er seit Mittwochabend mit 102 Einsätzen alleiniger Rekordhalter der „Roten Löwen“ ist, war Laurent Jans kurz in den Katakomben des Stade Saint-Symphorien noch nicht wirklich bewusst geworden. „Ich denke, das wird noch kommen, wenn ich ein paar ruhige Momente habe. Bis hierher war eine sehr schöne Reise, auf die ich stolz sein kann.“ Gegen „eine der besten Mannschaften der Welt“ könnte man den Hut vor der Leistung der ganzen Mannschaft ziehen, schlussfolgerte Laurent Jans nach 90 Minuten. „Es tat weh, dass wir das 0:0 nicht bis zur Pause halten konnten.“ Einen Ausnahmespieler wie Mbappé könne man nur im Zwei-gegen-eins verteidigen. „Man nimmt aus jedem Spiel etwas mit. Wir haben physisch viel gearbeitet. Im besten Fall verteidigen wir immer so, auch gegen andere Mannschaften.“ 

Der Überraschungsgast aus Wiltz: 2017 war Chris Philipps einer der Luxemburger Helden beim 0:0 in Paris. Nach zwei verletzungsbedingten Wechseln kam er in der zweiten Hälfte früher als gedacht auf den Platz. „Aufgrund der letzten Trainingseinheiten war mir natürlich bewusst, dass ich nicht in der Startelf stehen würde. Aber es freut mich sehr, wieder dabei zu sein. Ich war bereits überrascht, überhaupt nominiert geworden zu sein. Ich hatte nicht mit dem Anruf des Trainers gerechnet.“ Was sich in diesen sieben Jahren – seit dem letzten Duell gegen die „Bleus“ – geändert hat, erklärte er wie folgt: „Es kamen auf beiden Seiten neue Gesichter dazu. Frankreich könnte wohl vier bis fünf Mannschaften aufstellen, die das Potenzial für einen EM-Titel hätten. Unsere Entwicklung bis hierhin ist sicherlich größer, nur war der Startpunkt ein anderer. Es hat mich beeindruckt, wie ruhig wir am Ball waren.“

Die Geheimnisse einer guten Regeneration: Laurent Jans verriet auf dem Weg in Richtung Teambus, dass die ersten Schritte zur Erholung im Hinblick auf das Belgien-Duell bereits in Angriff genommen wurden: „Wir haben in der Kabine schon mit der Regeneration begonnen: Beispielsweise Fahrradfahren, ein Bad in der Eistonne und viel Schlaf sind jetzt wichtig.“ Kollege Chris Philipps unterstrich die Bedeutung von gutem Schlaf und fügte hinzu: „Sich anständig zu ernähren, gehört ebenfalls dazu. Es sind nur zwei Tage, das ist eine sehr kurze Zeitspanne. Die Spieler sind es gewohnt.“ Als Berufstätiger ist Vollzeitfußball inzwischen eine Umstellung für ihn: „Ich merke schon, dass die Erholung und das Programm leichter zu absolvieren sind, wenn man nicht arbeitet … Aber das gehört nun einmal jetzt zu meinem Leben dazu.“ 

Wer wird Europameister? FLF-Trainer Luc Holtz hat nie einen Hehl aus seiner Einstellung gegenüber der „Equipe tricolore“ gemacht. Nach Spielende bestätigte er noch einmal: „Frankreich ist für mich Favorit auf den EM-Titel.“ 

Belgien: Noch passte nicht alles

Die „Diables rouges“ setzten sich am Mittwoch in Überzahl 2:0 gegen Montenegro durch. Kevin de Bruyne (der seinen 100. Länderspieleinsatz feierte) und Leandro Trossard nach Elfmeter trafen in Brüssel für die Belgier. Mit 63 Prozent Ballbesitz und 20 Torschüssen dominierte die Heimmannschaft das Duell – dennoch überzeugte das Team von Domenico Tedesco die lokale Presse nicht. Als zu „schüchtern“ wurde der Auftritt beschrieben. Besonders nach den Wechseln zeigten sich „zwei Gesichter“, was auch der Trainer bei der späteren Pressekonferenz unterstrich.