Vom Eisenbahner- zum Touristenort

Vom Eisenbahner- zum Touristenort
(rol Schleich)

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Sie liegt im hohen Norden des Großherzogtums und bildet die letzte Station des Luxemburger Zugverkehrs in diese Himmelsrichtung. Die Rede ist von Ulflingen.

Ulflingen, der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde. Früher eine Pilgerstätte, mauserte sich der Ort im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelszentrum und Knotenpunkt für den Eisenbahnverkehr. Was ist heute noch davon übrig? Eine Dokumentation der „goldenen Ära“ mit Blick auf aktuelle Verhältnisse.

Der Name „Ulflingen“ wurde in einem historischen Dokument aus dem Jahr 1353 als „Ulvelingen“ zum ersten Mal genannt und hielt dem Zahn der Zeit mit einer leichten Abwandlung der Rechtschreibung bis heute Stand.
Der französische Name „Troisvierges“ (drei Jungfrauen) entstand erst rund 300 Jahre später, als dort ein Franziskaner-Kloster errichtet wurde. Auf dem französischen Namen basiert auch das Stadtwappen.

Lange war Ulflingen aufgrund seiner großen Entfernung zur Hauptstadt ziemlich abgeschottet. Dies änderte sich, als 1866 die Zugstrecke in die Stadt Luxemburg fertiggestellt wurde. So wurde die Ortschaft im Norden zum Erschließungsgebiet mit direkter Verbindung nach Deutschland durch die Eisenbahnlinie nach Aachen sowie nach Belgien dank der Strecke, die bis nach Lüttich führt.

Im Laufe der folgenden Jahre wuchs Ulflingen um das Dreifache an, entwickelte sich zu einem wichtigen Eisenbahnzentrum und bat rund 2.000 Menschen einen Arbeitsplatz allein in diesem Sektor. Parallel dazu blühte auch der Handel. Die Stadt erlebte einen wirtschaftlichen und demografischen Aufschwung. In der Hauptstraße, die ebenfalls zu dieser Zeit entstand, wurden riesige Märkte abgehalten und Kaufleute kamen aus allen Himmelsrichtungen. „Damals wurde gleich vor dem Rathausgebäude der Markt abgehalten, wo noch mit Vieh gehandelt wurde. Es war eine sehr lebendige Stadt. In meiner Kindheit hatten wir hier noch 40 Kneipen und sieben Metzger“, erinnert sich Edy Mertens, amtierender Bürgermeister der Gemeinde Ulflingen.

Niedergang durch Geschäftszentren

Heute ist von der florierenden Nordstadt nicht mehr viel übrig. In den 1960er Jahren wurde die Bahnstrecke nach Aachen entfernt, was Ulflingen den Status als Knotenpunkt wegnahm. Gleichzeitig sank auch die Einwohnerzahl. Der Todesstoß kam schließlich, als in den 1970ern die Geschäftszentren in der Schmiede und in Wemperhardt aus dem Boden gestampft wurden und den Menschen mehr Bequemlichkeit beim Einkaufen ermöglichten.

Kleinere Läden verloren ihre Kunden, bis es keinen anderen Ausweg mehr gab, als zu schließen. Dies ist ein Phänomen, dem viele Geschäfte im gesamten Land zum Opfer gefallen sind. Aktuell bildet die Gewerbezone mit rund 350 Beschäftigten das wirtschaftliche Zentrum der Gemeinde. Das Areal, gelegen im Nordosten von Ulflingen, soll sogar noch um 12 Hektar vergrößert werden. Im Hinblick auf die Bevölkerungszahl strebt die etwa 1.700 Einwohner große Stadt ein „ausgewogenes“ Wachstum an. Vorrangiges Ziel ist es, das Erscheinungsbild zu erhalten und nicht „mit der Instandsetzung von Apartmentblocks zu verunstalten“, erklärte Edy Mertens.

Laut dem Bürgermeister möchte die Gemeinde ihren Schwerpunkt auf den Tourismussektor setzen. Aushängeschild soll das neue Freibad werden, welches voriges Jahr fertiggestellt wurde. In dessen unmittelbarer Nähe befinden sich zudem Tennis- und Beachvolleyballplätze. Auf der Strecke, auf der sich früher die Schienen der Zugstrecke nach Aachen befanden, ist ein 125 Kilometer langer Radweg angelegt worden, der wie die einstige Bahnstrecke auch „Vennbahn“ heißt. Allgemein stützt sich das touristische Potenzial der Gemeinde auf das Naturerbe, den Gemeindepark und den „Fledermaustunnel“.