Spiegelbild einheimischer Musikszene

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LUXEMBURG - Sie wächst und wächst, unaufhörlich und unaufhaltsam. Und zur Freude aller Beteiligten findet sie heute die Anerkennung, die ihr gebührt.

Das war nicht immer so. Jahrelang fristete Luxemburgs Musik
szene ein Schattendasein, lebte im Exil und wurde nur von sehr wenigen Protagonisten geprägt. Doch die Zeiten
haben sich gewandelt: Einheimische Bands sind auf dem Vormarsch, sie bewegen Massen und international spielen sie längst auf Topniveau.

Die einen haben 5.000 gezählt, andere Quellen berichten von 9.000 Menschen, die am vergangenen Wochenende drei Tage und Nächte lang Luxemburgs Musikszene lautstark angefeuert haben. Die genaue Zahl spielt keine Rolle. Allein schon die Tatsache, dass Tausende von Musikliebhabern nach Tüntingen zum „Food For Your Senses“-Festival gepilgert sind, zeugt vom hohen Ansehen unserer Bands.

Reges Interesse

Klammer auf, eine Woche zuvor: De Läb laden zum offiziellen Release ihrer neuen Platte in die Rockhal ein. Der Club ist restlos ausverkauft und Tausende brüllen „De Läb ass am Haus!“ Ein ähnliches Kunststück gelang Mutiny On The Bounty mit „Danger Mouth“ in der Escher Kulturfabrik. Auch Eternal Tango verbuchten bei der Veröffentlichung ihrer neuen Scheibe „Sold out!“. Defdump und Exinferis, zwei Veteranen der Luxemburger Musikszene, verabschiedeten sich nach jahrzehntelanger Aufopferung in ausverkauften Konzerthallen von ihrem Publikum.

Govinda van Maele dreht den Dokumentarfilm „We Might As Well Fail“, eine Bestandsaufnahme der einheimischen Musikszene, und das Kulturministerium gründet „music:LX“, Luxemburgs Exportbüro, das gezielt Musiker ins Ausland exportiert: Claudine Muno, Maxime Bender, Pascal Schumacher und Hal Flavin sind nur einige Namen, denen Patrice Hourbette „bedingungslose Unterstützung“ verspricht.

Die Qual der Wahl

Klammer zu und zurück zum „Food For Your Senses“. Seit der Gründung des Festivals vor knapp fünf Jahren setzen die Veranstalter alles auf eine Karte – die Karte der einheimischen Kreation. Zugegeben, Verpflichtungen wie Turbostaat sind da nichts anderes als das Sahnehäubchen auf dem Kuchen. 90 Bands, vorwiegend aus Luxemburg, standen im Rampenlicht der fünften Auflage des „Food For Your Senses“-Festivals. Nach eigenen Aussagen der Veranstalter konnten sie sich vor Bewerbungen kaum retten. Hunderte Anfragen landeten auf ihrem Schreibtisch. Da es jedoch ein Ding der Unmöglichkeit ist, 250 Bands an einem einzigen Wochenende auftreten zu lassen, mussten sie sich entscheiden. Und die Entscheidung fiel wahrlich nicht leicht. Die glücklichen Auserwählten bedankten sich, die einen mehr als die anderen.

Von Rang und Namen

Everwaiting Serenade zum Beispiel brachten ein ganz besonderes Geschenk mit nach Tüntingen: ihre neue Platte „Rise All“. Und mit ihr eine ganze Gefolgschaft treuer Fans, die den Abend des CD-Release keinesfalls missen wollten. Ob nun Metal, Rock, Singer-Songwriting oder einfach nur Pop: Das „Food For Your Senses“ ist ein unverzerrtes Spiegelbild der einheimischen Independent-Szene.

Alles, was Rang und Namen hat, tritt in Tüntingen auf die Bühne: Serge Tonnar, John Rech, Eternal Tango, de Kueb, Desdemonia, das Urgestein des luxemburgischen Metal, und selbstverständlich Inborn, die am anstehenden 4. Juni das Release ihres hoffentlich großen Ross-Robinson-Wurfs „Persona“ in der Escher Kulturfabrik feiern. Lediglich Luxemburgs rege Jazz-Szene – ob gewollt oder nicht – fehlt auf dem Spielplan der Tüntinger Musikfestspiele, die langsam, aber sicher in die Fußstapfen jenes Festivals treten, das jahrelang als Luxemburgs einziges Musikfestival fungierte, das Jahr für Jahr einzig und allein den Spot auf einheimische Musiker und Band richtete: „de Bloe Baaschtert“.

WEB www.foodforyoursenses.eu