Für Hartnäckigkeit belohnt

Für Hartnäckigkeit belohnt

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STRASSEN - Die Spannung steigt und steigt mit jeder einzelnen Sekunde, die verstreicht. Eine vierköpfige Band stimmt sich ein und spielt beschwingt und verträumt vor sich hin.

„Noch fünf Minuten“, hört man Bürgermeister Gaston Greiveldinger sagen. „Punkt 19 Uhr öffnen sich die Türen! Keine Sekunde früher! So will es die Tradition“, erklärt die Empfangsdame.

6. Biennale von Strassen
Centre culturel Paul Barblé

Bis zum 1. Juni
Dienstag-Sonntag: 14.30-18.30 Uhr
Rue des Romains
L-8041 Strassen
Tel.: (+352) 31 02 62-405
www.strassen.lu

Das Foyer des Strassener Kulturzentrums „Paul Barblé“ ist gerappelt voll: Künstler, Freunde, Schaulustige und Politiker schütteln sich die Hand, ganz zur Freude des Wählers Stimme. Die Kirchenglocke schlägt 7, ein erleichterndes Aufatmen ist zu vernehmen. Doch die Meute ist nicht mehr zu halten. Alle wollen hinein, eintauchen in das bunte Farbenuniversum der sechsten Auflage der Strassener Biennale für zeitgenössische Kunst. Doch die Tür klemmt.

Barrieren durchbrechen

Während zwei Kellner versuchen, das Problemchen zu lösen, tritt eine der Wegbereiterinnen der Kunstbiennale ans Rednerpult und rezitiert aus der Vergangenheit. „Noch vor zehn Jahren wurden wir belächelt! ’Eine Kunstbiennale in Strassen? Das hat doch niemals eine Zukunftsperspektive’, hörten wir die Menschen reden.“ Zugegeben, die erste Auflage war eher ein Reinfall, die Aufnahmekriterien waren zu streng, der Kunst wurden Grenzen gesetzt. Von den Veranstaltern. Doch bereits zwei Jahre später öffneten sie sich. Alle nur denkbaren Kunstgattungen waren zugelassen. Selbst Künstler aus dem Ausland durften sich fortan in Strassen messen. Die Biennale wuchs und wuchs und anno 2011 zählte die fachkundige Jury sagenhafte 195 Bewerber. 29 Künstler wurden zurückbehalten, deren 52 Werke bis zum 1. Juni im „Centre Barblé“ ausgestellt sind.

„Vor genau zehn Jahren steckten wir unsere Köpfe zusammen und fragten uns: ’Was können wir bloß tun, um das kulturelle Leben in unserer Gemeinde zu bereichern’“, rekapituliert Gaston Greiveldinger. Die prompte Antwort: „Lasst uns doch ein Forum für zeitgenössische Kunst schaffen. Und parallel dazu ein Straßenfest!“ Beide Konzepte fruchteten und sind heute, zehn Jahre später, kaum noch aus der Agenda „Stratas“ wegzudenken.

Der strahlende Gewinner

Auch Künstler und Buchautor Rafael Springer hat sich diese Veranstaltungen fett in seinem Terminkalender vermerkt. Seit Jahren beteiligt er sich an der Kunstbiennale. Am Mittwochabend wurde er für seine Hartnäckigkeit belohnt. Er ist der strahlende Gewinner der 6. Biennale von Strassen. „Der erste Preis geht an ein Phänomen der Luxemburger Kunstszene, à savoir Rafael Springer“, verkündet die Jury.

Springer, lässig und unverfrorenen wie gewohnt, meint dazu: „Cool! Bereits seit Jahren reiche ich meine Werke ein. Stets sind sie von unterschiedlicher Natur. Man muss die Menschen unterhalten, ihnen immer wieder etwas Neues bieten. Kunst ist Showbusiness!“ So kann man’s auch auffassen. Verdient hat er den mit 4.000 Euro dotierten Kunstpreis allemal. Zwar gehören seine drei großflächigen Porträts nicht zu seinen besten Arbeiten, doch es hat gereicht, um alle anderen in den Schatten zu stellen.

Mit Ausnahme von Bildhauer Gérard Claude, der totes Holz wieder zum Leben erweckt und für seine wundersamen Heilkünste mit dem Spezialpreis der Jury (2.500 Euro) ausgezeichnet wurde, und York Wegerhoff („Prix d’encouragement“, 1.500 Euro), unser ganz persönlicher „coup de cœur“, ein in Berlin lebender und arbeitender Fotograf, der sich leidenschaftlich einer mystischen Porträtfotografie hingibt, die ein plastisches Menschenbild zeigt, das gleichsam berührt und aufwühlt.

York Wegerhoff
www.york-wegerhoff.de