Das Fremde einfangen

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ESCH - Ein Mann sitzt zwischen Hochhäusern und Bäumen auf einer Bank und gähnt. Im Hintergrund hocken zwei Frauen, die die Szene beobachten. Eingefangen hat sie der junge belgische Fotograf Sébastien Cuvelier.

20 seiner in den Jahren 2010 und 2011 entstanden Fotografien aus dem asiatischen Raum werden zurzeit in der „Galerie Terres Rouges“ in Esch gezeigt.

„Fascination Street“
Sébastien Cuvelier

Galerie Terres Rouges
(Kulturfabrik Esch)

Bis zum 29. Mai
Di.-So., 15-19 Uhr
www.sebweb.org

Er fängt das Fremde ein: Ein Jahr lang reiste der 35-jährige Belgier Sébastien Cuvelier quer durch Asien, war in Großstädten wie in ländlichen Regionen unterwegs und hielt die Menschen vor Ort mit seiner Kamera fest.

Momentaufnahmen

20 seiner Arbeiten, die alle in asiatischen Millionenstädten wie Seoul oder Tokio entstanden, sind zurzeit in Esch zu sehen. In der „Galerie Terres Rouges“ auf dem Gelände der Kulturfabrik hat er die Wände mit bis zu 135 x 90 Zentimeter großen Momentaufnahmen gepflastert.

Der Fotograf entführt die Besucher in eine andere Welt, eine Welt, die Sébastien Cuvelier derart fasziniert, dass er schon sehr bald wieder dorthin zurückkehren wird.

Junge und alte Menschen, ein Hochzeitspaar beim Tanzen, ein einsamer Mann beim Essen, ein weiterer beim Telefonieren auf der Straße, ein Mädchen beim Warten auf den Zug.

Faszination des Alltäglichen

Ganz banale Alltagssituationen sind es, die Sébastien Cuvelier mit seiner Nikon D700 und drei Fixfokus-Objektiven (20, 50 und 105 mm) festgehalten hat. Banal zwar aber doch außergewöhnlich, ansprechend und anregend zugleich.

Der Fotograf hält nicht nur die Menschen fest, sondern bringt es fertig, ihre Charaktereigenschaften, das menschliche in ihnen zu verewigen. „Fascination Street“ hat der Fotograf seine Ausstellung übertitelt. Der Name ist Programm: Die Faszination des Alltäglichen macht den Charme der Arbeiten aus.

„Progressivement, l’appareil photo es devenu le prolongement de sa main droite, un objet de tous les jours, si bien qu’il ne tarde pas à voir le monde en 20 ou 50 mm (…)“ heißt es in der Biografie des Fotografen, die in der Ausstellung aufliegt.

Enormer Schatz

Zigtausende Fotos hat der Belgier mit seinem „verlängerten rechten Arm“ auf der rezenten Asienreise zwischen März 2010 und März 2011 geschossen. Ein enormer Schatz, von dem leider nur ein winziger Teil in der Escher Ausstellung gezeigt werden kann.

Doch dieses Fragment reicht aus, um die Neugier auf weitere Arbeiten zu wecken. Und diese Neugierde kann zum Teil befriedigt werden, indem man die Webseite des Globetrotters, der in den letzten zwölf Jahren schon eine ganze Reihe von Ländern bereist und fotografiert hat, besucht. Unter www.sebweb.org findet man unter anderm den Blog von Sébastien Cuvelier. Und der ist nicht nur sehens-, sondern auch lesenswert.