Samstag29. November 2025

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EditorialWarum wir Fachwissen und Fakten wieder ernst nehmen müssen

Editorial / Warum wir Fachwissen und Fakten wieder ernst nehmen müssen
Der Respekt vor Wissen und Fakten ist eine Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige Demokratie Symbolfoto: Freepik

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Früher war es selbstverständlich: Akademisches Fachwissen und gesammelte Lebenserfahrung galten als Säulen der Erkenntnis. Wer studiert hatte, wer sich ein Leben lang mit einem Thema beschäftigte, genoss Respekt – auch von denen, die anderer Meinung waren. In den vergangenen Jahren jedoch ist diese Wertschätzung erodiert. Heute reicht ein virales Video oder ein Kommentar in den sozialen Medien, um jahrzehntelange Forschung in Zweifel zu ziehen.

Dass dies passiert ist, ist kein Zufall – es ist das Resultat einer Informationslandschaft, die sich radikal verändert hat. Doch die Konsequenzen sind gravierend: Ohne die Akzeptanz von Expertise schwindet die Fähigkeit für sachliche Diskussionen und fundierte Meinungsbildung. Demokratische Prozesse werden geschwächt und die Lösung komplexer Probleme, von Klimakrise bis hin zu sozialen Problemen, wird erschwert bis unmöglich.

Die Ursachen für den Vertrauensverlust in wissenschaftlich gesichertes Wissen sind vielfältig. Eine entscheidende Rolle gespielt hat jedoch das Internet. Jeder kann eine Frage googeln, eine einfache Antwort finden und sich dann als Experte fühlen.

Um sich vor der gigantischen Informationsflut, die uns täglich überrollt, zu schützen, ziehen sich viele Menschen zudem in Blasen zurück, in denen eigene Überzeugungen bestätigt und alternative Überlegungen ausgeblendet werden.

Die sozialen Medien verstärken diesen Effekt. Sie haben jedermann eine Stimme gegeben. Das klingt demokratisch – bedeutet aber auch, dass alle Aussagen gleich gewichtig wirken, egal, wie fundiert, richtig oder falsch sie sind.

Hinzu kommen die Algorithmen, die steuern, wer was zu sehen bekommt. Sie suchen nicht nach der Wahrheit. Sie wollen die User möglichst lange auf der Plattform halten. Dafür setzen sie auf Extreme: Was empört und Emotionen hervorruft, wird verbreitet.

Eine besonders perfide Rolle spielt die gezielte Desinformation, etwa durch staatliche Akteure aus dem Ausland. Es handelt sich nicht um die „Propaganda-Sender“ aus der Vergangenheit: Es geht nicht mehr allein darum, eine alternative Wahrheit zu verbreiten, sondern darum, pauschal die Existenz von objektiven Wahrheiten zu leugnen.

Doch wir sind dieser Entwicklung nicht wehrlos ausgeliefert. Es braucht eine Dreifachstrategie: Erstens müssen Internet-Plattformen gesetzlich gezwungen werden, Verantwortung für ihre Algorithmen zu übernehmen. Flagrante Lügen nicht millionenfach zu verbreiten, ist keine Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Zweitens müssen die Angriffe anderer Staaten gestoppt werden. Das gezielte Streuen von „alternativen Fakten“, wie es beispielsweise Russland tut, ist keine Meinung. Desinformation ist Teil einer „hybriden Kriegsführung“. Alles mit dem Ziel, zu polarisieren, zu spalten, Streit und Wut zu verbreiten und die bestehende Meinungsfreiheit, die es in Russland nicht gibt, auszunutzen, um die Demokratie zu schwächen. Trollfabriken müssen aufgedeckt und Desinformationskampagnen sichtbar gemacht werden. Die Verteidigung der Meinungsfreiheit braucht mehr als milliardenschwere Waffenkäufe.

Drittens müssen unabhängige Institutionen geschützt und gefördert werden – Qualitätsjournalismus, Forschungs- und Bildungseinrichtungen bilden das Rückgrat einer informierten Gesellschaft. In diesem Sinne ist eine Stärkung der Bildung und Medienkompetenz unerlässlich: In Schulen müssen die Fähigkeiten gelehrt werden, Informationen kritisch zu hinterfragen, mit der Informationsflut klarzukommen und Quellen einzuschätzen.

Der Respekt vor Wissen und Fakten ist eine Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige Demokratie. Es ist an der Zeit, diesen Wert aktiv zu verteidigen, ansonsten werden wir in der Diktatur aufwachen. Es ist zu einem Rennen gegen die Zeit geworden.

Weber Ernsest
1. Oktober 2025 - 9.08

Een Problem ass, dass mir eis Heichschoulen an eis Uni ewei eng Firma, also Gewennbaseiert bedreiwen an net mei Zielorienteiert. Doweinst ginn et och Fächer ewei "Genderstudies" oder "Animation", dei dann mat Medezin oder Sciencen gleichgestallt sinn, awer vum Emfang hier e schlechten Witz sinn. Dess Fächer ginn et juste, fir all deenen, dei am Fong keen Studium kéinten packen och ob eng Uni ze lackelen an do 3-6 Joer d'Geld aus der Täsch ze zeihen fir en Diplome deen den Papeier ob deen en gedreckt ass mol net wärt ass. An dono fannen se keng Platz well hiert Fach net gebraucht gett. En plus muss net all Uni all Fach unbidden, Spezialisatiounen wieren unbruecht.

canis-lupus
29. September 2025 - 17.03

ganz richtëg, mä wéi kréie mër dee Spuck an de Grëff, wann dën Här KI esou gut Alles weess, an ons wëll an eng Richtung dreiwen wou mër nët méi raus fannen..

wann Ee géing wëssen wéi Een rëm do raus kéim, ma dat wärt schwierëg gin, ët ka jo mol nach schlëmmer gin, dat wann dën Här KI Welt-Muërscht ass..

houet schon Een doriwwer nogeduërcht, a wéi enger Gefoor mër ons bewegen..

ok de KI kann geféierlëch Sachen iwwerhouëlen, wou dë Mënsch a Gefor ass oder wär..

dë Mënsch ersetzen, ma domat wär awer schon d'Linn iwwerschrat, wann dën Här KI dë Mënsch vernichte wëll..

ëch sën do vläicht méi viirsichtëg, ëch vertrauën dem Här KI nët..

Hottua Robert
29. September 2025 - 16.03

>Der Respekt vor Wissen und Fakten ist eine Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige Demokratie (…) Herzlichen Glückwunsch! ▪Deutsche Kultur- und Volkstumspolitik von 1933-1940 in Luxemburg Vorgelegt von Emile KRIER aus Luxemburg Bonn 1978 Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Angefertigt mit Genehmigung der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn (…) II. Prodeutsche und zwischenstaatliche Vereinigungen (Seite 215) Die "Luxemburger Gesellschaft für deutsche Literatur und Kunst" (a) Entstehung und Gründung der GEDELIT Nach dem Ersten Weltkrieg waren fast alle kulturellen und geistigen Beziehungen zu Deutschland abgebrochen. Nur sehr zaghaft versuchte man gegen Ende der 20ger Jahre wieder neue Beziehungen aufzunehmen und zu kulturpolitischen Vereinbarungen zu kommen. Doch die nationalsozialistische Machtergreifung erschwerte die Zusammenarbeit. Die neue NS - Kulturpolitik löste allgemein - auch bei der politischen Linken - in Luxemburg heftige Reaktionen aus. (Anmerkung 3) (Dazu genügt ein Blick ins 'Escher Tageblatt', das wichtigste Organ der antinationalsozialistischen Tendenz.) (…) MfG, Robert Hottua

Hild Charles
29. September 2025 - 11.30

Herr Muller, diesmal liegen Sie wirklich richtig mit Ihrer Einschätzung der Lage. Doch, in einer Welt wo KI schon die gesamte Werbeindustrie nachhaltig beherrscht (haben Sie schon den Qualitätssprung der Werbung aller Produkte bemerkt?), wo KI-Avatare schon Ministerposten haben (Albanien!) und wo KI Kriege führt, da kommen Ihre Gedanken einfach zu spät. Ihre und meine Welt sind Vergangenheit. Menschen werden zu Barbaren in KI gelenkten Gesellschaften.