Samstag29. November 2025

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Mehr als nur hübschWarum Schmetterlinge für unsere Umwelt wichtig sind

Mehr als nur hübsch / Warum Schmetterlinge für unsere Umwelt wichtig sind
Damit auch zukünftige Generationen die zauberhaften Tagfalter in ihrem natürlichen Lebensraum und nicht nur in Schmetterlingsgärten erleben können, ist der Schutz der Artenvielfalt von entscheidender Bedeutung  Foto: Deborah Rimi

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Schmetterlinge sind nicht nur wichtige Bestäuber unzähliger Pflanzenarten, sondern dienen auch als Bioindikatoren, die Aufschluss über den Gesundheitszustand der Umwelt geben. Ehrenamtlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Entomologie für das Naturhistorische Museum in Luxemburg, Marcel Hellers, beleuchtet, warum ihr Schutz von Bedeutung für die Biodiversität ist.

Tageblatt: Warum sind Schmetterlinge aus ökologischer Sicht weit mehr als nur hübsch anzusehen?

Marcel Hellers: Schmetterlinge sind entscheidende Bestäuber für zahlreiche Pflanzen, Obstbäume und Sträucher. Viele Blütenpflanzen sind auf sie angewiesen, da der Saugrüssel von Bienen oft zu kurz ist, um tief in den Blütenkelch zu reichen. Das Taubenschwänzchen kann mit seinem langen Rüssel Blumen bestäuben, deren Nektar für andere Insekten unerreichbar ist. Sie bevorzugen violette Blumen, deren Blütenstand aus vielen Einzelblüten besteht. Darüber hinaus dienen Schmetterlingsraupen im Frühjahr als wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Spinnen und Wespen, während Nachtfalter eine ähnliche Rolle für Fledermäuse spielen.

Marcel Hellers, Vorstandsmitglied der SNL, widmet sich seit über 50 Jahren leidenschaftlich den Schmetterlingen. Seit seinem Ruhestand konzentriert er sich vollzeitig auf das Studium dieser faszinierenden Insekten und kümmert sich ehrenamtlich um die europäische Schmetterlingssammlung des Naturhistorischen Museums.
Marcel Hellers, Vorstandsmitglied der SNL, widmet sich seit über 50 Jahren leidenschaftlich den Schmetterlingen. Seit seinem Ruhestand konzentriert er sich vollzeitig auf das Studium dieser faszinierenden Insekten und kümmert sich ehrenamtlich um die europäische Schmetterlingssammlung des Naturhistorischen Museums. Copyright Marcel Hellers

Warum werden Tagfalter als Bioindikatoren bezeichnet?

Schmetterlinge sind relevante Bioindikatoren für den Zustand einer Landschaft. Ihr Bestand hängt direkt von der Verfügbarkeit spezifischer Pflanzen ab, die sie als Nektar für ihre Eiablage und als Futter für Raupen benötigen. Pestizideinsatz und eine zu frühe oder häufige Mahd zerstören diese lebensnotwendige Pflanzenvielfalt, was zum Verhungern der Falter führt. Gebiete mit seltenen Schmetterlingsarten gelten als ökologisch wertvoll, während ihr Fehlen auf eine artenarme Landschaft hindeutet. Der Klimawandel begünstigt zwar die Ausbreitung wärmeliebender Tagfalterarten, doch gefährdet die zunehmende Hitze jene wenigen Arten, die an kühlere Regionen wie das Ösling angepasst und somit vom Aussterben bedroht sind.

Welche Arten sind in Luxemburg verbreitet?

Tagfalter, wie der Kohlweißling, die wenige Ansprüche an Umwelt, Raupenfutterpflanzen und Mikroklima stellen, sind am weitesten verbreitet. Diese bilden mit rund 45 Spezies die Hälfte der in Luxemburg vorkommenden Arten. Von den etwa 100 Tagfalterarten, die im 20. Jahrhundert im Land gemeldet wurden, sind aktuell nur noch 86 vorhanden. Davon sind 24 Arten vom Aussterben bedroht, da ihre Biotopansprüche nicht mehr erfüllt werden. Studien aus dem Ausland zeigen, dass die Gesamtmasse der Tag- und Nachtfalter in den letzten 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist.

Wie wirkt sich der Verlust von Lebensräumen auf Schmetterlinge aus?

Der Verlust von adäquaten Lebensräumen ist die Hauptursache des Schmetterlingssterbens. Blumen- und kräuterreiche Wiesen werden immer seltener. Durch die Fragmentierung der Landschaft wird ein Genaustausch immer schwieriger. Viele Spezialisten unter den Schmetterlingen verlassen ihren angestammten Lebensraum nicht, was ihre Ausbreitung oder die Wiederbesiedlung neuer, geeigneter Gebiete nahezu unmöglich macht.

Welche Organisationen widmen sich dem Artenschutz?

Ein neuer Schmetterlingsatlas wurde 2024 vom Naturhistorischen Museum in der Serie Ferrantia veröffentlicht, welcher Verbreitung und Entwicklung von Faltern mittels Karten zeigt. Die Institution besitzt eine umfangreiche Datenbank mit Beobachtungen zu Fauna und Flora. Naturschutzorganisationen wie natur&ëmwelt und Hëllef fir d’Natur pflegen erhaltenswerte Schmetterlingslebensräume. Auch interkommunale Syndikate wie Sicona und SIAS engagieren sich in der Pflege und Neuschaffung wichtiger Biotope.

Was kann jeder Einzelne tun, um zum Schutz der Schmetterlinge beizutragen?

Zur Unterstützung dieser zarten Geschöpfe empfiehlt sich der Verzicht auf Schotterflächen am Haus sowie auf Pestizide im Rasen, eine reduzierte Mahd und das Anpflanzen oder Aussäen insektenfreundlicher Pflanzen. Wilder Majoran, Skabiosen, Flockenblumen und viele andere Korbblütler sind für Falter lebenswichtig.