Regen, Wind, kaltWann wird es endlich Sommer in Luxemburg, Herr Ernzer?

Regen, Wind, kalt / Wann wird es endlich Sommer in Luxemburg, Herr Ernzer?
Im Juli 2015 schwappte eine Hitzewelle über Luxemburg – mit Temperaturen zwischen 34 und 37 Grad Symbolfoto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi

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Regen, Kälte, mal kurz warm, Gewitter, Wind. Und dann wieder Regen. Der Sommer ist in diesem Jahr – durchwachsen. Kaum ist es ein paar Tage sonnig und warm, fühlt sich das nächste Tiefdruckgebiet verpflichtet, sich auf den Weg nach Luxemburg zu machen. Dieser Eindruck lässt sich zumindest beim Blick aus dem Fenster gewinnen. Was ist nur los? Und werden wir wenigstens für den Rest – mit den Sommerferien – noch etwas Sonnenschein-Feeling beschert bekommen? Wir haben mit Tageblatt-Wetterexperten Philippe Ernzer von Météo Boulaide gesprochen.

Tageblatt: Herr Ernzer, wann kommt endlich eine richtig knackige Hitzewelle?

Philippe Ernzer: Das hängt davon ab, wie man den Begriff „Hitzewelle“ definiert. Denn dafür gibt es eigentlich keine feste Definition. Wenn man damit aber nun eine Phase meint, in der es während drei oder vier Tagen sehr warm bis heiß ist – also mindestens 28 Grad, optional auch 30 Grad und darüber – dann stehen die Chancen für eine „Hitzewelle“ weiterhin nicht wirklich sehr hoch.

Woran liegt das?

Wie in diesem Artikel erwähnt, bauen sich demnächst immer wieder kurze Wärmeberge auf, die uns – je nach tatsächlichem Outcome – sogar kurzzeitige Hitze von über 30 Grad bringen könnten. Mitte der Woche wird diese Luftmasse aber wieder nach Osten verdrängt. Wann danach der nächste Wärmeberg aufkommt, ist sehr fraglich. Die Berechnungen am vergangenen Wochenende sind etwas optimistischer und sehen, je nachdem, sogar eine länger anhaltende Wärmephase bis in die zweite Julihälfte hinein.

Philippe Ernzer von Météo Boulaide macht den Wetterbericht fürs Tageblatt
Philippe Ernzer von Météo Boulaide macht den Wetterbericht fürs Tageblatt Foto: Editpress-Archiv/Fabrizio Pizzolante

Ich fürchte, jetzt kommt ein „Aber“.

Die Simulation des amerikanischen Wetterdienstes von Anfang der Woche sah wieder eine kühlere Nordwestströmung vor, die sich ab Mitte Juli einstellen könnte. Aber jetzt sorgt um den Zeitpunkt ein Tief über England für Spannung, ob warme Luftmassen aus Südeuropa zu uns vordringen können. Zieht es wie derzeit, dann könnten wir am Montag wieder bei 26 Grad oder sogar bei knapp über 30 Grad ankommen. Sollte sich, umgekehrt, die Nordwestströmung durchsetzen, dann könnte der Monat mit größerer Wahrscheinlichkeit temperaturtechnisch unterdurchschnittlich ausfallen.

Man hat das Gefühl, es ist ständig am Regnen. Wie „nass“ war der Sommer bis jetzt?

Ausgehend von den Wetterdaten der Station des staatlichen Wetterdienstes am Findel hat es im ersten meteorologischen Sommermonat – dem Juni – 55,4 Liter pro Quadratmeter geregnet. Das liegt tatsächlich unter dem Durchschnitt von 75,6 Litern. Dort, wo das schwere Gewitter vor anderthalb Wochen die meisten Niederschläge brachte, liegen die Werte aber über dem Durchschnitt. Daher kamen Radardaten zufolge über den ganzen Monat gesehen im Südwesten teilweise 125 Liter herunter, besonders im Raum Niederkorn. Ganz im Nordwesten, unweit von Doncols, kamen ungefähr 114 Liter vom Himmel.

Es ist also gar nicht so regnerisch, wie man denkt?

Die nasse Phase, die den Leuten immer noch im Gedächtnis schwirrt, hatten wir im Mai, der meteorologisch gesehen immer noch zum Frühling zählt. Die Station am Findel registrierte 176,5 Liter Regen pro Quadratmeter – statt 71,2 Liter. Laut den Daten des Wetterradars gab’s im Mai westlich von Frisingen sogar bis zu 224 Liter! Im Norden kam es vereinzelt zu ähnlichen Werten, wie beispielsweise südlich von Bauschleiden, im Raum Longsdorf und bei Hüpperdingen.

Und jetzt, im Juli?

Im bisherigen Juli liegen die akkumulierten Regenmengen bis dato zwischen 12 und 22 Litern pro Quadratmeter. Durchschnittlich werden in Luxemburg in einem Juli 71,9 Liter gemessen, also mal sehen, wohin die Reise führt.

Aber kälter als sonst ist es doch auch.

Der Juni 2024 endete an der Wetterstation des staatlichen Wetterdienstes mit einer Durchschnittstemperatur von 15,9 Grad, das langjährige Mittel ist 16,7 Grad. Und vergleichen wir die Daten des bisherigen Sommers bis Anfang Juli mit denen aus den vergangenen zehn Jahren, dann kann man das Fazit ziehen: Ja, der bisherige Sommer 2024 ist deutlich kühler als die anderen. Was aber nicht bedeutet, dass er nicht normal ist.

Dieser Regensommer soll etwa normal sein?

Seit 2014 war jeder einzelne Juni überdurchschnittlich warm, einige übertrafen den langjährigen Mittelwert sogar um 3,1 und 3,2 Grad (2019 und 2017). Schaut man nur auf die Zahlen, dann ist die das derzeitige Wetter fast normaler als alle anderen Sommer der vergangenen zehn Jahre. Einige denken da bestimmt anders, eben weil sich die Menschen bereits zu sehr an die zu hohen Temperaturen durch den Klimawandel gewöhnt haben. Aber der Sommer 2024 ist bisher ein temperaturmäßig mehr oder weniger normaler –  inmitten einer langjährigen Folge (viel) zu warmer Sommer.

Gibt es denn noch eine kleine Chance auf etwas Wärme und ein paar Sonnenstrahlen? 

Der Sommer dauert ja noch bis August inklusive. Sollte sich aber nicht bald eine stabilere Großwetterlage etablieren, dann könnten wir auch im Juli entweder knapp unter dem Durchschnitt von 18,7 Grad landen oder ihn fast genau erreichen. Die Langzeitmodelle schätzen die Lage so ein, dass ein deutlich zu warmer Juli eher unwahrscheinlich ist. Der August wird also anschließend über vieles entscheiden.

Vielleicht vergessen wir diesen Luxemburger Sommer besser. Wohin soll man fahren, wenn man noch etwas Sonne bekommen möchte? 

Der Mittelmeerraum bietet sich derzeit sehr gut an. Hier liegt eigentlich die Sommerhitze, auf die wir hier zu Hause warten. Es braucht einfach nur die richtige beständige Strömung, doch die ist nur schwer zu bekommen.