Verlust der Unschuld: Der Fall Traversini

Seine politische Karriere baute er mit Leidenschaft auf; überall, wo er sein konnte, war er, so schien es. Quasi als Politiker der alten Schule, der stets „op dem Terrain“ anzutreffen war, der kein „Dëppefest“ ausließ und besonders in Vorwahlzeiten zahlreiche Fototermine wahrnahm bzw. selbst inszenierte. So strafte er all jene Lügen, die davon ausgehen, dass so keine politische Karriere mehr zu machen sei, dass nur noch digital gezeigte Kompetenz und ausgiebige Präsenz in sozialen Medien zum elektoralen Erfolg führen. Ähnlich wie Bettel es vorexerziert, zeigte sich Traversini gern bürgernah, hörte jedem zu, setzte auf Offenheit. Ihn allerdings auf den populären Bürgerversteher zu reduzieren, wird ihm und der von ihm und der Differdinger Koalition durchgesetzten Kommunalpolitik nicht gerecht. Mutige Reformen, wie etwa das Verbot, in besonders schützenswerten Vierteln, die einen speziellen urbanen Charakter aufweisen, Einfamilienhäuser abzureißen und gewinnbringende Appartmentblocks an deren Stelle zu bauen, oder der konsequente Einsatz elektrischer Busse sind neben anderen Differdinger Besonderheiten wie einer beispielhaften Sozialpolitik ein Aspekt von Traversinis Wirken, das nun ein abruptes Ende fand. Sein Rücktritt am Freitag war wohl nicht mehr hinauszuzögern, er hatte sich seit Tagen abgezeichnet. Zu klar war die Vermischung privater und öffentlicher Interessen. Als Bürgermeister hätte er sich an alle … Verlust der Unschuld: Der Fall Traversini weiterlesen