Exist, Persist, ResistTrotz Corona die Regenbogenfahne schwenken: Die Global Pride geht online

Exist, Persist, Resist / Trotz Corona die Regenbogenfahne schwenken: Die Global Pride geht online
Keine Pride wegen Corona? Nicht mit uns sagen die Organisatoren des Online Events „GlobalPride“  Foto: AFP

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Es sind gleichzeitig bunte Partys und lautstarke Proteste: Die weltweit stattfindenden „Pride“-Events sind für viele LGBTQI+ Menschen und ihre Alliierten nicht mehr wegzudenken. Doch das Coronavirus hat den Organisationen weltweit einen Strich durch die Rechnung gemacht – wovon sich die Aktivisten aber nicht kleinkriegen lassen. Nun wollen sie sich am 27. Juni online für die Rechte von LGBTQI+ Personen eingesetzen. Das Programm ist prallgefüllt – und auch Luxemburg beteiligt sich mit einem Beitrag.

Wenn Joe Biden auf Pussy Riot trifft, Xavier Bettel und Laverne Cox eine Bühne teilen, es mehrere Vogue- und Ballroom-Wettbewerbe gibt und Rita Ora, Kesha und Todrick Hall dem Publikum einheizen, dann kann es sich dabei nur um eins handeln: die erste kunterbunte und internationale „Global Pride“. Das Event wird während 24 Stunden online gestreamt (hier können sie sich das Fest ansehen). Es beginnt am 27. Juni um 7 Uhr für alle, die sich aus Luxemburg hinzuschalten möchten. 

Wegen der Coronakrise mussten die Organisatoren weltweit erfinderisch werden. Durch die Beschränkungen, Lockdowns und Distanzregeln konnten die „echten“ Prides in diesem Jahr an vielen Orten nicht stattfinden. Auch die „EuroPride“, die in diesem Jahr am 27. Juni in Thessaloniki stattfinden sollte, fällt ins Wasser. Das wollten die „European Pride Organisers Association“ (EPOA) und die „InterPride“ aber nicht hinnehmen. Sie kontaktierten Pride-Organisationen auf der ganzen Welt, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen: Die Idee der Global Pride war geboren.

Allerdings war es nicht ganz einfach während einer Pandemie eine solche Veranstaltung zu organisieren. „Wir standen vor großen Herausforderungen, aber ein Team von über 100 Pride-Origanisatoren aus der ganzen Welt haben tausende Stunden Blut, Schweiß und Tränen reingesteckt, damit wir es schaffen“, sagt Steve Taylor von EPOA. Trotzdem sei es besonders in diesem Jahr wichtig gewesen, ein Pride-Fest abzuhalten. „Es ist die wichtigste Gelegenheit für die LGBTQI+ – Gemeinschaft sich zu sehen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Neueste Studien zeigen, dass Personen aus unserer Gemeinschaft besonders vom Covid-19 Virus getroffen werden. Deswegen möchten wir dieses Jahr besonders eng zusammenstehen“, erklärt Taylor. Er rechnet damit, dass mehrere Millionen Menschen weltweit an der Veranstaltung teilnehmen werden. Damit wäre es die größte Pride der Welt. 

Wie bei den nicht-virtuellen Prides stehen beim Online-Event mit dem Motto „Exist, Persist, Resist“ sowohl Aktivismus und politisches Engagement als auch das Feiern der Kultur selbst im Vordergrund. Jede mitmachende Pride-Organisation durfte Beiträge für das Programm anmelden. „Natürlich ist es so, dass größere Länder etwas mehr Zeit bekommen als kleinere“, erklärt Andy Maar vom Verein Rosa Lëtzebuerg asbl. Aber auch für Luxemburg habe sich ein Platz gefunden. „Wir haben Xavier Bettel als Speaker nominiert.“ Die Rede des Luxemburger Premiers wird, wenn alles nach Plan verläuft, gegen 14 Uhr übertragen werden.

Bettel wird nicht der einzige Politiker sein, der während der 24 Stunden das Wort ergreift. Angemeldet sind unter anderem der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden und die führende demokratische Politikerin Nancy Pelosi, die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg, der kanadische Premierminister Justin Trudeau und die europäische Kommissarin für Gleichberechtigung Helena Dalli.

Deutliche Worte werden von Aktivisten wie Amazin Lethi, Laverne Cox, Pussy Riot, Regal Oliva und Aria Sa’id erwartet. Die Themen reichen von Transgender-Rechten, der Ehe für Alle über das Adoptionsrecht und der  Inklusion von Menschen mit einer Behinderung bis zum Effekt der Coronakrise auf LGBTQI+ Personen. Ein besonderer Platz soll bei der Global Pride der „Black Lives Matter“-Bewegung eingeräumt werden, da auch in der LGBTQI+ Bewegung Rassismus, White-Washing und Gewalt gegen dunkelhäutige Personen wichtige Themen sind. Daneben sollen Mini-Dokumentationen einen Einblick in die Entwicklung der Bewegung und die Kämpfe um Gleichberechtigung weltweit geben. 

Wer schon einmal auf einer Pride war, weiß das vor allem eins nicht fehlen darf: Musik. Neben Auftritten von bekannten Stars wie Rita Ora, Kesha und Natasha Bedingfield sind im Programm auch Vogue-Wettbewerbe, Lip-Sync-Auftritte und Flash-Mobs enthalten. Host des besonderen Events ist der amerikanische Sänger und YouTuber Todrick Hall. (Das komplette Programm finden Sie hier. 

In Luxemburg fällt die diesjährige Pride nicht gänzlich ins Wasser. Dass das möglich wird, war ein besonderer Kraftakt des Organisationskomitees. Man habe das Programm gerade fertig gehabt, als die Coronakrise auch Luxemburg traf. „Danach lag unsere Arbeit erstmal für die nächsten zwei Monate flach“, so Andy Maar. Erst sei unklar gewesen, ob überhaupt irgendwas stattfinden würde. Aber man habe wenigstens an der Pride Week vom 4. bis zum 12. Juli festhalten wollen. Nun wurde entschieden, dass es zwar weder den traditionellen Umzug durch die Alzette-Straße in Esch noch das große Fest auf dem Gemeindeplatz geben wird, aber dass ein Großteil des Programms online stattfindet wird. Dazu gehören unter anderem Diskussionsrunden und ein siebenstündiges Fest, das online gestreamt werden soll. „Wir sind gerade am Aushandeln, ob man in einigen Cafés auch eine Art Public Viewing anbieten kann“, sagt Maar. Das Motto in diesem Jahr habe die Coronakrise vorgegeben: „Du bass net alléng“ soll die besonderen Herausforderungen der LGBTQI+ Gesellschaft in Covid-19 Zeiten thematisieren. Weitere Informationen zur diesjährigen Luxemburg Pride finden Sie auf www.gaymat.lu und in der Broschüre „Pride Guide 2020“.

In Esch könnte die Pride in ein paar Jahren übrigens größer ausfallen als bisher gewohnt. Wie Maar verrät, plane Rosa Lëtzebuerg, sich als Host für die Euro Pride zu bewerben. „Wir wollen Esch2022 als Testlauf nutzen, um zu sehen, ob eine so große Veranstaltung in Esch machbar ist“, sagt Maar. Sollte das klappen, wolle man eine Bewerbung für das Jahr 2026 stellen. 

Was ist eine Pride?

Pride-Veranstaltungen gehören zu den Höhepunkten der LGBTQI+ Gemeinschaften auf der ganzen Welt. Sie werden in Städten und Ländern auf der ganzen Welt organisiert und feiern die Vielfalt der lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, queeren, intersexuellen und sonstiger sich anders identifizierenden Menschen. Gleichzeitig kämpfen die Teilnehmer für die Gleichberechtigung von LGBTQI+ Personen und gegen Diskriminierung, Verfolgung und, in einigen Ländern der Welt, sogar gegen die Ermordung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung. Meistens gibt es einen Umzug, die sogenannte „Pride Parade“ und ein anschließendes Straßenfest.

Entstanden sind die Events nach den Stonewall-Aufständen in Amerika in der Nacht des 28. Juni 1969. Die Auseinandersetzungen zwischen Homo- sowie Transsexuellen und Polizeibeamten in New York City nach einer Razzia in einer Spelunke namens „Stonewall Inn“ in der Christopher Street im Greenwich Village waren der Beginn des Kampfs der LGBTQI+ Bewegung für Gleichberechtigung und ein Ende der Unterdrückung. In Luxemburg fand die erste „Pride“ im Jahr 1999 statt.