29. November 2025 - 9.14 Uhr
Forum von Guy RewenigSmall talk, big shit – Wie die neue US-Botschafterin schweres MAGA-Geschütz auffährt
Beide Anführer würden als CEO agieren, das sei schon mal gleich eine beachtenswerte Gemeinsamkeit. In anderen Worten: Sowohl Trump wie Frieden stellen das Unternehmertum über die Politik. In den USA bleibt es nicht bei gezielten Einmischungen. Die Wirtschaftskräfte sitzen längst an den Hebeln der Macht. Alles, was die Demokratie in ihrem Wesenskern ausmacht, wird reihum ausgehöhlt oder kurzerhand zerstört. Ist es nicht eine bodenlose Boshaftigkeit, unserem Herrn Frieden zu unterstellen, hierzulande „wundervolle“ Trump’sche Verhältnisse heraufzubeschwören? Das nennt man wohl eine erstklassige Vereinnahmung.
Nun ist dieser übermächtige US-Präsident leider ein planetarischer Unruhestifter und Kaputtmacher, ein rücksichtsloser Ausbeuter, der sein Amt schamlos zu Geld macht und mit seinen barbarischen Manieren alle Andersdenkenden vor den Kopf stößt. Man hätte also erwarten können, dass CEO Frieden zumindest leise auf Distanz zum vergifteten Lob der Botschafterin gehen würde. Doch von ihm hört man kein Wort. Ihm wird eine Seelenverwandtschaft zum korruptesten US-Leader angedichtet, und er meldet keinerlei Bedenken an. Könnte es sein, dass ihm seine unverhoffte Rolle als Trump-Doppelgänger gefällt? Dann nämlich würde er endlich zu den Großen und Bedeutsamen gehören. Ist er jetzt am Ziel seiner kühnsten Träume? Jedenfalls lässt er nichts unversucht, um sich in die oberste weltpolitische Liga zu hieven. Eben erst reiste er eigens nach Kalifornien, um Amazon-CEO Andy Jassy mit einer solchen Vehemenz anzubaggern, als sei der höchst umweltschädliche Paketversand quasi ein Rettungsboot für die angeschlagene Luxemburger Wirtschaft.
Mit dem Kopf durch die Wand
Dieser anbiedernde Bittgang hat Herrn Jassy offenbar so beeindruckt, dass er stante pede in der luxemburgischen Amazon-Filiale ein wahres Entlassungsdebakel losgetreten hat. Doch dieser historische Kahlschlag beeindruckt CEO Frieden nicht. Nach wie vor behauptet er stur, Amazon sei für Luxemburg ein unverzichtbarer Wirtschaftspartner. Das erwiesenermaßen toxische Arbeitsklima bei Amazon lässt ihn kalt. Ihm geht es darum, auf Teufel komm raus Unternehmen anzulocken, damit sein Regierungs-Mantra vom wundersamen Wachstum nicht ins Leere läuft. Er scheint zu denken: Was kümmert mich die Qualität der Arbeit und die Menschenwürde der Arbeitnehmer? Wieso sollte ich betriebliche Schikanen und Bevormundungen an die große Glocke hängen? Um mein Regierungsprogramm durchzusetzen, muss ich mit dem Kopf durch die Wand.
Da trifft es sich gut, dass die beiden CSV-Damen Wiseler und Kemp im EU-Parlament mit rechtsextremer Schützenhilfe für die Verwässerung des Lieferkettengesetzes stimmten. Die Ehre und der Schutz arbeitender Menschen haben für sie keine Priorität. Auch ihr Popanz Frieden hält augenscheinlich nichts von gesunden und rechtlich einwandfreien Arbeitsplätzen. Ist er also doch ein Trump-Imitator? Hat die US-Botschafterin am Ende recht?
Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man ironisieren: CEO Frieden ist noch weit davon entfernt, in Trumps Fußstapfen zu treten. Auf dem Luc-Frieden-Platz in Contern steht ja nicht einmal ein Triumphböglein. Und am Senninger Schloss sucht man vergebens nach einem Ballsälchen für die Selbstbestätigungstanzabende der größenwahnsinnigen CSV. Aber das alles kann ja noch kommen. Wait and see. Und noch ein wesentlicher Unterschied: Frieden pocht immer auf erlesene Höflichkeit. Eiskalt höflich richtet er das Luxemburger Sozialmodell zugrunde. Briefe der Gewerkschaften beantwortet er nicht, weil sie unhöflich sind. Er sollte sich ein Beispiel an Trump nehmen. Der erledigt solche Streitfälle mit der großen Keule.
Trumps Lügengebäude verteidigen
In einem besonders haarsträubenden Interview-Passus wechselte Frau Botschafterin zur knallharten Indoktrinierung. Ihr großer Freund Charlie Kirk habe „gelebt wie ein Heiliger“, behauptete sie und glorifizierte ihn hemmungslos. Dagegen sprechen viele belegbare und faktenorientierte Erkenntnisse: Kirk war ein extrem rassistischer, homophober, frauenfeindlicher, menschenverachtender, religiös verblendeter Hassprediger. Die Liste seiner grauenhaften Ansichten ist lang. Ironie des Schicksals: Er wurde erschossen von einem Wirrkopf, der genau Kirks Propaganda zum Opfer gefallen war. Der Waffenwahn gehörte nämlich zu den Lieblingsprojekten des „heiligen“ Aufrührers. Die irre Kirk-Laudatio der Frau Botschafterin macht immerhin klar, wozu die Dame nach Luxemburg kam. Sie hat ihren Posten gekauft mit einer schwindelerregend hohen Wahlkampfspende für den republikanischen Kandidaten. Nun ist sie von ihrem Dienstherrn dazu bestellt, in ihrem Amt mit Zähnen und Klauen Trumps gigantisches Lügengebäude zu verteidigen und dessen autoritäres Weltbild in die Köpfe einzuimpfen. Diese Frau hat keinen Wahrheitsbedarf. Sie plappert nur Trumps Ungeheuerlichkeiten nach. Die sogenannte luxemburgisch-amerikanische Freundschaft taugt unter einer solchen Diplomatin nur noch für die Tonne.

Luxemburg sei „ein Juwel“, schwärmte die US-Botschafterin bei RTL, ja sogar „das Juwel Europas“. Wie kommt sie darauf? Beruft sie sich auf profunde Ortskenntnisse? Mitnichten. Sie sei zum allerersten Mal in unserem Land, musste sie gestehen. Also fällt sie ihre Urteile nach bewährter Trump-Manier: Einfach die Besserwisserin markieren, drauflos schwadronieren, Behauptungen aus der Luft greifen und „big shit“ herbeischwafeln. Dabei sollte es uns allen kalt den Rücken runterlaufen, wenn die MAGA-Clique von „Juwelen“ fantasiert. Auch Grönland ist ein „Juwel“, genau wie Kanada und Venezuela, ja sogar die Ukraine gilt wegen ihrer Bodenschätze als „Juwel“. Vielleicht hat unser finanzparadiesisches Grand-Duchy längst Trumps Begehrlichkeiten geweckt. Eine invasive MAGA-Antenne mitten in Europa, das wäre doch was. Vermutlich gibt es uns zum Schnäppchenpreis. Trumps Maulwürfin ist ja schon angereist.
De Maart
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