Samstag29. November 2025

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CargoluxRekordergebnisse sorgen für Ruhe und Gelassenheit – trotz kommender Handelsturbulenzen

Cargolux / Rekordergebnisse sorgen für Ruhe und Gelassenheit – trotz kommender Handelsturbulenzen
Die Eingangshalle am Hauptsitz der Cargolux Foto: Editpress/Alain Rischard

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Die Weltwirtschaft geht turbulenten Zeiten entgegen. Bei der Cargolux macht man sich jedoch keine großen Sorgen. Mit den hohen Gewinnen der letzten Jahre stehe die Gesellschaft auf so soliden Beinen wie noch nie zuvor, so die Luxemburger Luftfrachtgesellschaft. Auch 2024 war wieder außerordentlich ertragreich.

„Es war ein bemerkenswertes Jahr“, so Tom Weisgerber, Präsident des Verwaltungsrates der Cargolux, in der Jahrespressekonferenz. Mit einem Nettogewinn von 448 Millionen Euro habe man eigentlich das beste Ergebnis der mittlerweile 55-jährigen Geschichte der Gesellschaft erwirtschaftet. Im Jahr zuvor hatte man mit 286 Millionen Dollar bereits ein sehr gutes Ergebnis eingeflogen.

Ein absolutes Rekordergebnis ist der 2024 erwirtschaftete Gewinn nun dennoch nicht. Vor allem die Covid-Jahre, als Transporte über Landwege und Grenzen schwierig waren, waren für die Luftfrachtgesellschaft mehr als außergewöhnlich. Im Jahr 2022 beispielsweise hatte die Cargolux einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Dollar eingeflogen. Vor der Pandemie waren Gewinn und Erträge am Sinken. Das bis dahin beste Ergebnis der Cargolux war im Jahr 2018 erwirtschaftet worden, ein Gewinn von 211 Millionen Dollar.

Angetrieben wurde das Geschäft letztes Jahr vor allem durch den E-Commerce, so Geschäftsführer Richard Forson am Mittwoch. Die Nachfrage, um Waren aus Hongkong und China bis nach Europa und in die USA zu fliegen, habe sich sehr stark entwickelt. Leicht besser gefüllte Flugzeuge hätten für mehr Gewinne gesorgt.

Der Umsatz der Gesellschaft ist letztes Jahr um 11 Prozent auf 3,33 Milliarden Dollar gestiegen, erläutert Finanzchef Maxim Straus. Das transportierte Frachtvolumen lag 12,7 Prozent über dem des Vorjahres. Der Schuldenstand ist leicht, von 1,8 auf 1,6 Milliarden Dollar, gefallen.

Ihre finanzielle Stärke nutzt die Cargolux nun, um ihre Aktivitäten zu diversifizieren. Sie hat sich beispielsweise einige Löschflugzeuge gekauft und versucht, den Kampf gegen Waldbrände als kleines, zusätzliches Geschäftsmodell auszubauen. 2024 waren die spezialisierten Flieger auf einer ersten Mission in Spanien im Einsatz. Bisher hat dieser Bereich aber noch kein nennenswertes Gewicht im Umsatz.

Zahl der Mitarbeiter steigt auf 3.881

Übernommen und bei sich integriert hat die Luftfrachtgesellschaft letztes Jahr auch die Aktivitäten von LuxairCargo. Insgesamt 1.216 ehemalige Mitarbeiter von Luxair, die Flugzeuge be- und entladen, sind so zur Cargolux hinzugekommen. Für den Umsatz der Gesellschaft sei die Aktion neutral, erklärt die Geschäftsführung. Man habe nun zwar rund 90 Millionen mehr für Gehälter zu zahlen, spare im Gegenzug ab die bis dahin bezahlten „handling costs“.

Bei der Zahl der von der Gesellschaft beschäftigten Mitarbeiter macht sich die Änderung jedoch deutlich bemerkbar. Sie ist auf weltweit insgesamt 3.881 Personen gestiegen. Vor einem Jahr waren es erst 2.540 Mitarbeiter.

Die große Mehrheit der Beschäftigten (3.174 Personen) arbeitet in Luxemburg. Die Cargolux könnte damit zum zehntgrößten privaten Arbeitgeber des Landes aufsteigen. Letztes Jahr hatte die Luxair diesen Platz belegt. Die Nummer eins in diesem Ranking ist seit einigen Jahren der Eisenbahnbetreiber CFL.

Gestärkt durch die Gewinne der letzten Jahre, macht man sich dann auch keine großen Gedanken um die möglicherweise anstehenden Turbulenzen im Welthandel. Obwohl die Zukunftsaussichten herausfordernder geworden sind, brauche man nicht in Panik zu verfallen, so Weisgerber. Die von den USA angekündigten Einfuhrzölle seien erst mal 90 Tage ausgesetzt worden. Es gelte jetzt einfach mal abzuwarten, und dann zu sehen, was wirklich passiere.

Selbstverständlich sei es nicht gut für die Cargolux, wenn die Handelsvolumen zurückgehen, so Weisgerber. „Aber die Gesellschaft ist finanziell heute so stark aufgestellt, wie noch nie in ihrer Geschichte.“ Man brauche nicht besorgt zu sein. Man werde passende Lösungen finden, wie immer in den letzten 55 Jahren. „Wir sind gut aufgestellt, um mögliche Stürme oder Gegenwind zu meistern“, unterstreicht auch Maxim Straus.

So gut aufgestellt wie noch nie zuvor

Geschäftsführer Richard Forson gibt sich ebenfalls zuversichtlich. Es gebe zwar „viele Unsicherheiten und Spekulationen“, doch eigentlich habe man das Jahr 2025 „gut begonnen“. Es gebe Potenzial für einen Abschwung. „Die Standpunkte der US-Regierung verändern sich wöchentlich, täglich.“ Man müsse nun abwarten und sehen, was Anfang Mai entschieden wird und wie die E-Commerce-Plattformen darauf reagieren. Bisher habe man in dem Bereich noch keine Änderungen festgestellt. Bei anderen, bereits mit Zöllen belegten Waren aus China habe es jedoch schon eine Verlangsamung gegeben. Wichtig sei es, „agil und flexibel“ zu bleiben, um notfalls reagieren zu können, so der langjährige Geschäftsführer.

Von dem Gewinn von 448 Millionen Dollar werden 150 Millionen als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Im Vorjahr waren es 120 Millionen. Wichtigste Anteilseigner der Cargolux sind die Fluggesellschaft Luxair (35,10 Prozent), die chinesische HNCA (35 Prozent), die BCEE (10,9 Prozent), die staatliche Entwicklungsbank SNCI (10,67 Prozent) sowie der luxemburgische Staat (8,32 Prozent).

Der Rest des Gewinnes bleibt in der Gesellschaft. „Eine Fluggesellschaft hat nie genug Kapital“, so Forson. Man schaue sich weitere Investitionsmöglichkeiten an, so Forson. Konkretes wollte er jedoch nicht sagen.

Die Cargolux-Gruppe betreibt eine Flotte von 30 speziell für den Frachtverkehr gebauten Boeing 747-400 und 747-8. Um die älteren 16 Maschinen zu ersetzen, hat Cargolux 2022 eine Bestellung für zehn Frachtflugzeuge vom Typ 777-8, mit Optionen für sechs weitere Maschinen, bei Boeing in Auftrag gegeben. Ab 2028 sollen die bestellten Flieger geliefert werden.

Cargolux und der Krieg

Von den Folgen der Kriege bleibt die Cargolux derweil nicht verschont. Seit dem russischen Versuch im Jahr 2022, die Ukraine komplett zu erobern, sind die Wege zwischen Asien und Europa länger geworden für die Luftfrachtgesellschaft. Das russische Territorium wird nicht mehr überflogen. Die ursprünglich eingeführte Kriegs-Sonder-Zusatzkosten für die Kunden wurden jedoch bereits wieder abgeschafft, und in die allgemeinen Preise integriert. Ein Ende des Krieges sei ja nicht absehbar, so Finanzchef Maxim Straus. Auch immer wieder getroffen werden die Flugzeuge der Cargolux auf ihrem Weg nach Asien von Störaktionen wie „GPS-Spoofing“ und „Jamming“, erläutert Forson. Das treffe alle Fluggesellschaften. Man arbeite aber mit Partnern daran, um widerstandsfähiger zu werden.

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Richard Forson, Tom Weisgerber und Maxim Straus (v.l.n.r.)
Richard Forson, Tom Weisgerber und Maxim Straus (v.l.n.r.) Foto: Editpress/Alain Rischard
 Foto: Editpress/Alain Rischard

Hammer
25. April 2025 - 15.30

"Ruhe und Gelassenheit". Leider nicht für uns Anrainer der Radaumacher. Fensterklappern und Tassengeklirre im Küchenschrank wenn tags oder nachts ihre Bomber kommen oder gehen.