Der Energiekonzern Q8, dessen Hauptaktionär der Staat Kuwait ist, ist bereits seit vielen Jahren in Luxemburg aktiv. 1986 wurde die erste Q8-Tankstelle im Großherzogtum eröffnet. Für ein schnelles Wachstum sorgte damals der Kauf der europäischen Tankstellen von Gulf Oil sowie später die Übernahme der Aktivitäten von BP Luxembourg im Jahr 1993.
Heute betreibt die Gruppe hierzulande, mit den Tankstellen auf beiden Seiten der „Aire de Berchem“, insgesamt 40 Stationen in Luxemburg. Hinzu kommen Treibstofflager in Dippach und Bartringen. Indirekt beschäftigt die Gruppe, deren Tankstellen von unabhängigen Geschäftsführern betrieben werden, laut eigenen Angaben rund 600 Mitarbeiter in Luxemburg.
Die „Aire de Berchem“ ihrerseits gilt als die größte Tankstelle Europas. Das auf beiden Seiten der A3, wobei diejenige auf der Strecke in Richtung Luxemburg-Stadt mit 100 Millionen Liter verkauftem Kraftstoff pro Jahr die ertragreichste ist. Im Geschäft soll ein Umsatz von etwa 100 Millionen Euro erwirtschaftet werden.
100 Millionen Liter Kraftstoff pro Jahr
Neben dem Recht, hier den Treibstoff zu verkaufen, erhält der Konzessionär vom Besitzer (dem Luxemburger Staat) ebenfalls die Entscheidungsrechte über die hier vertretenen Geschäfte und Restaurants. Den betreffenden Umbau am Standort hat Q8 in den letzten Monaten vorangetrieben. Für mediale Aufmerksamkeit gesorgt hatte das Verschwinden des Fastfood-Restaurants McDonald’s. Mitgebracht hat Q8 dafür unter anderem seine bewährten Partner wie „Delhaize Shop & Go“ und „Panos-Sandwichbar“.
Um als Konzessionär ausgewählt zu werden, müssen sich Unternehmen bewerben. Hierzu haben das Transport- und das Energieministerium ein seitenlanges „Cahier de charges“ mit zu erfüllenden Bedingungen ausgearbeitet. Mit dazu zählt beispielsweise die Verpflichtung, in den kommenden Monaten Solaranlagen auf den Dächern der Gebäude zu installieren. Zudem müssen die Kandidaten mit Dokumenten belegen, dass sie die Kompetenzen haben, um einen derartigen Standort zu managen. Unter all denen, die die Bedingungen erfüllen, wählt der Staat dann denjenigen aus, der ihm am meisten Geld bietet.
Der nun abgeschlossene Vertrag hat eine Lebensdauer von vier Jahren. Vor Q8 waren Aral und Shell Konzessionäre der beiden Tankstellen.

Zur offiziellen Eröffnungszeremonie von Q8 am Standort „Aire der Berchem“ waren am Dienstag neben Shafi Taleb Al-Ajmi, Generaldirektor von Kuwait Petroleum International, auch Luxemburgs Energie- und Wirtschaftsminister Lex Delles sowie der kuwaitische Botschafter Nawaf N. Alenezi gekommen.
„Ein strategisch wichtiger Markt“
Shafi Taleb Al-Ajmi beschrieb Luxemburg als Land, das sich von einer Festung zu einer „Brücke zwischen Nationen“ gewandelt hat. Und auch in Zukunft werde das Land „ein strategisch wichtiger Markt“ für Q8 bleiben.
Wir sind da, um Ihre Reise anzutreiben, nicht nur um Ihr Auto zu betanken
Patrick Sinner, zuständig für Q8 in Luxemburg, beschreibt den neuen Q8-Standort als „Flagship Location“. Diese Tankstellen seien „der Schlüssel zu unserer Wachstumsstrategie“. Die „Aire de Berchem“ gelte als neuer „Maßstab für Service im Bereich Mobilität“. „Wir sind da, um Ihre Reise anzutreiben, nicht nur um Ihr Auto zu betanken“, so Sinner.
Der Umsatz, der neben dem eigentlichen Verkauf von Kraftstoff gemacht wird, spielt dabei hierzulande für die Betreiber von Tankstellen eine immer wichtigere Rolle. Dadurch dass der Staat mittels höheren Steuern den Diesel für Lkw teurer als in Belgien und Frankreich gemacht hat, sind diese Verkäufe landesweit in den letzten Jahren um mehr als 35 Prozent eingebrochen.

Früher seien 80 Prozent der Verkäufe auf die Lkw zurückzuführen gewesen, so Patrick Sinner, gegenüber dem Tageblatt. Heute seien es nur noch rund die Hälfte. Doch auch wenn sich der Verkauf verändert habe, bleibe das Geschäft interessant. Ein Standort wie die „Aire de Berchem“ führe zudem dazu, die Sichtbarkeit des Unternehmens zu steigern. „Das ist gut für den Ruf der Firma. Man redet von uns. Das macht die Marke interessant.“
Dabei verspricht Sinner: „Das ist erst der Anfang.“ Auch andernorts in Luxemburg wolle man weiter investieren. In den nächsten fünf Jahren werde man drei neue Q8-Stationen hierzulande eröffnen, jeweils mit Schnellladestationen, einem Shop und einem Food-Angebot. Daneben will man das bestehende Angebot von Schnellladestationen weiter ausbauen, von derzeit sechs auf später 20 Standorte.
Auch für Luxemburg wird die „Aire de Berchem“, trotz rückläufiger Diesel-Verkäufe, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor bleiben, selbst wenn sie langfristig nicht mehr die größte Tankstelle Europas sein wird. Die Tank- und Raststätte an der A3 beschäftigt Dutzende Mitarbeiter und generiert allein über die Verkäufe von Tabakprodukten in seinen Shops jährlich Millionen Euro an Steuereinnahmen.
De Maart

















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