KreislaufwirtschaftProjekt „Mol nach emol“ schenkt gebrauchtem Schulmaterial neues Leben

Kreislaufwirtschaft / Projekt „Mol nach emol“ schenkt gebrauchtem Schulmaterial neues Leben
Viele Malstifte landen unbenutzt im Abfalleimer Foto: Editpress/Julien Garroy

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Farbstifte und anderes Schulmaterial wiederverwerten, ist die Grundidee des am Dienstagmorgen in Düdelingen vorgestellten Projekts „Mol nach emol“, eine Initiative der Ateliers Kräizbierg, der Ëmweltberodung, der Superdreckskëscht und des Gemeindesyndikats Sivec.

Den Lebenszyklus von Produkten mittels Reparatur und Wiederverwertung zu verlängern, ist das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, dem sich u.a. das „Syndicat intercommunal à vocation écologique“ (Sivec) in Schifflingen verschrieben hat. 6.600 Tonnen Material werden jedes Jahr in dessen Ressourcencenter abgeliefert. Vieles davon sei aber noch in einem guten Zustand, und durchaus noch benutzbar, sagt Patrick Falkenstein, Verantwortlicher des Zentrums. „Wir merkten vor Jahren, dass wir mehr auf den Weg der Wiederverwertbarkeit gehen müssen.“

So entwickelte sich aus dem klassischen Recyclingcenter, wo lediglich Abfall gesondert abgeliefert wird, ein Ressourcencenter, wo altes Material zum neuen Gebrauch zur Verfügung steht. Heute werden über 100 Tonnen Material weitervermittelt und so wiederverwertet.

Mitarbeiter des Projekts (v.l.): Marc Bissen, Julie Garlinskas, Jeff Schmit, Diane Brasseur, Fabienne Cardoso, Susanne Huwer, Céline Ducourant und Patrick Falkenstein
Mitarbeiter des Projekts (v.l.): Marc Bissen, Julie Garlinskas, Jeff Schmit, Diane Brasseur, Fabienne Cardoso, Susanne Huwer, Céline Ducourant und Patrick Falkenstein Foto: Editpress/Julien Garroy

Viel Abfall fällt auch in Schulen an, weiß Jeff Schmitt von der Superdreckskëscht: „Jedes Jahr geschieht das Gleiche: Im September kaufen Eltern ihren Kindern neue Farben, Stifte und sonstiges Schulmaterial, und im Juli werden etliche Sachen wieder weggeschmissen, oftmals noch ungebraucht und sogar noch verpackt.“ 

Oft werden Malutensilien in die schwarze Tonne geworfen, was man auf keinen Fall tun sollte, da Farben Stoffe enthalten, die die Umwelt belasten – und deshalb als Sondermüll gelten.

In einigen Schulen der fünf Gemeinden des Sivec (Esch/Alzette, Monnerich, Reckingen/Mess, Sanem und Schifflingen) stehen nun Kisten bereit, in der nicht mehr benötigtes oder nicht mehr gewolltes Schulmaterial gesammelt werden kann.

In den Ateliers Kräizbierg wird das Material anschließend auf seine Wiederverwertbarkeit getestet, sortiert und für neue Benutzer bereitgestellt, selbstverständlich gratis. Das Projekt hat nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen sozialen Nutzen. „Durch die Ateliers erhalten die Menschen, die hier angestellt sind, eine sinnvolle Beschäftigung.“ Diane Brasseur ist eine jener Beschäftigten, die u.a. bei dem Projekt „Mol nach emol“ mitarbeitet. Da sie nicht sprechen kann, kommuniziert sie mithilfe einer Tafel mit Piktogrammen. Sie zeigt uns die Bilder für „Arbeit“ und „glücklich“.

Die „Ateliers Kräizbierg“ in Düdelingen
Die „Ateliers Kräizbierg“ in Düdelingen Foto: Editpress/Julien Garroy

„Muss jedes Kind seinen eigenen Malkasten besitzen?“, fragt Luc Friedrich von der Ëmweltberodung. Eine rhetorische Frage, denn ein anderes Modell ist natürlich möglich. Statt dass jedes Kind sein eigenes Material besitzt, werden Malsachen in der Klasse vergemeinschaftlicht. „Wir wollen ein Umdenken erreichen.“ So können ab der kommenden Rentrée Schulklassen bei den Ateliers Kräizbierg Secondhand-Schulmaterial wie Stifte und Farben anfordern.

„Da wir keine Ahnung hatten, wie man an so ein Projekt herangeht, haben wir uns an die Ëmweltberodung gewandt“, sagt Falkenstein. Und für die Ëmweltberodung sei es auch die erste Zusammenarbeit mit dem Kräizbierg. Unterstützt werden die Projektpartner von dem „Œuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte“.

Neue Modeaccessoires: die „Cross Bags“

Farbstifte für einen erneuten Gebrauch wieder herrichten, ist nicht das einzige Kreislaufprojekt, an dem die Ateliers Kräizbierg momentan arbeiten. „Cross Bags“ ist ein weiteres Beispiel. Aus alten Wahlzettelsäcken werden Umhängetaschen in verschiedenen Größen hergestellt. „Laut einem Gesetz müssen die Taschen und Säcke, in denen Wahlzettel transportiert werden, einige Jahre aufbewahrt werden. Wir bekamen nun rund 160 dieser Taschen, um sie wiederzuverwenden“, erklärt der Direktionsbeauftragte der Ateliers, Marc Bissen. „Wir haben sehr kreative Mitarbeiter. Die Idee, die alten Säcke so umzuändern, dass sie als Taschen gebraucht werden können, kommt von ihnen selbst.“

In der Nähwerkstatt des „Kräizbierg“ werden die gelben Säcke zu Taschen ummodelliert
In der Nähwerkstatt des „Kräizbierg“ werden die gelben Säcke zu Taschen ummodelliert Foto: Editpress/Julien Garroy

Der Name „Cross Bags“ sei erstens eine Anspielung auf den Namen Kräizbierg und zweitens auf das Kreuz, das man beim Wählen machen kann. „Kräiz Bag“ sei die erste Idee gewesen, sagt Marc Bissen, „doch Cross Bags ist halt moderner“.

Zu kaufen gibt es die gelben Taschen ab nächstem Sonntag. Dann werden sie anlässlich des Tags der offenen Tür der Sivec in Schifflingen zum ersten Mal vorgestellt. Der Informationstag steht im Zeichen der Kreislaufwirtschaft, wobei das Thema, „Upcycling“ im Vordergrund steht.

Sonntag, 16. Juni von 10.00-17.00 Uhr, Sivec, 2-4, um Däich, 3841 Schifflingen